Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren. Klicken Sie hier für weitere Informationen.
Hier klicken, um diese Nachricht nicht mehr anzuzeigen.



Agentur für Arbeit Lübeck

PR Werbung Verbrauchertipps

Neue Ausgabe des Lettre International liegt ab heute bereit

22. März 2011 (HL-Red-RB) Lettre International GmbH, Berlin, stellt ihren Lettre aktuell Nr. 1/2011 - Lettre International Nr. 92 / Neue Ausgabe vor. Ab heute liegt die neue Ausgabe für Sie bereit - am Kiosk und im Buchhandel, an Bahnhöfen, Flughäfen oder ab Verlag (www.lettre.de). Die Herausgeberin bemerkt dazu: ""Oh schüttle ab den schweren Traum und die lange Winterruh", wünschte seinerzeit Theodor Fontane. Arabischer Frühling haben wir Texte übertitelt, die die Volksaufstände in Tunesien und Ägypten feiern, analysieren und resümieren. Digitalisierung und Bürokratie, Google Earth, Wikipedia und WikiLeaks: die Kräfte und Ursprünge einer kommenden Digitalokratie lassen wir durchleuchten. Wir verfolgen die neuen Handelswege zwischen Afrika und Asien, begleiten Forensiker bei ihrer Identifizierungs- und Erinnerungsarbeit in Argentinien, durchstreifen Geschichte und Gegenwart Teherans und sehen das Fremde mit den Augen der Ethnopoesie. Wir erinnern an Thomas Bernhard, begutachten eine Europäische Theateridee und bewundern Vermeers Malkunst. Ein großes Gespräch über die Irrungen der Unsterblichkeit verbindet die Pharaonendämmerung unserer Tage mit dem Totengericht der alten Ägypter. Der Mord an Pasolini wird wieder aufgerollt, Integrasyon und Waldeslust satirisch abgeklopft und Multikulturalistische Reduktion beargwöhnt. Ein reiches, auch duftendes Frühlingsbukett auf den Seiten von Lettre International 92.

"Im alogischen Universum der Träume", schreibt die Künstlerin Barbara Breitenfellner, "löschen Bilder sich wechselseitig aus und lassen unsichere Spuren in unserem Gedächtnis". Aus Bildmaterial unterschiedlicher Herkunft sind die Collagen geschnitten, gewendet und montiert, mit denen sie die Lettre-Frühjahrsausgabe bestückt hat. Ahnungen, Stimmungslagen, starke Emotionen, die sich überlagern und verschmelzen. Ein Spiel mit den Fallen des Unbewußten.

ROLLENSPIELE
Wallace Shawn hat in über vierzig Filmen mitgewirkt, ist Drehbuchautor und Stückeschreiber. Er kennt die Rollen der Bühne und die des Lebens. Er weiß, die meisten von uns stecken in falschen Kostümen. Wir kommen zur Welt, werden nach Herkunft, Klassen und Marktbedarf sortiert und kennen irgendwann unsere Rolle so gut, daß wir glauben, wir wären, was wir verkörpern. Aber wir sind nicht das, was wir zu sein scheinen, wir sind mehr als das. Die Kostüme sind falsch, sie müssen weg!

ARABISCHER FRÜHLING
Ein Platz in Kairo wird für einige Tage zum Mittelpunkt der Welt. Alexandra Lucas Coelho, Reporterin aus Lissabon, hat die letzte entscheidende Woche der Revolution hautnah miterlebt. Sie feiert und bangt mit den zumeist jungen Männern und Frauen auf dem Tahrirplatz und schildert die Begeisterung, die Aufbruchsstimmung und das ungläubige Staunen über die Möglichkeiten einer sich selbst organisierenden Freiheit. Eine neue Generation fordert ihre Rechte: Generation Tahrir

Kollektiver Stolz und ein Ethos der Fürsorglichkeit, des Gemeinsinns, der Solidarität und des gegenseitigen Respekts waren die fast physisch wahrnehmbaren Energien der Umbruchstage in Ägypten. Daß sie obsiegen konnten, dafür hat der Soziologe Mohammed Bamyeh wichtige Bedingungen ausgemacht und voller Emphase beschrieben: Die marginalen Kräfte; die Spontaneität; staatsbürgerliche Werte als ethischer Gegensatz zu staatlicher Barbarei; die Priorität der politischen Forderungen; die Taubheit der Autokraten. Kairo, die Siegreiche

In einem gedankenreichen Dialog erörtern Benjamin Stora und Abdelwahab Meddeb angesichts der Umbrüche in Ägypten und Tunesien die Chancen für eine demokratische Entwicklung im arabischen Raum. Welche Rolle werden die Islamisten spielen, wie wird sich das Militär verhalten, und hat der aufkeimende Patriotismus arabischer Prägung tatsächlich die Kraft, neue autoritäre Strukturen zu verhindern? Der politische Prozeß immerhin konsolidiere sich nicht mehr dadurch, "daß man sich gegen einen äußeren Feind wendet, sondern dadurch, daß die arabischen Gesellschaften ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen." Arabisches Erwachen

Die Aufstände in Arabien sind ein klares Zeichen für das Scheitern des politischen Islam. Die Revolte, so der französische Islamexperte Olivier Roy, ist säkular geprägt, islamistische Losungen fehlen. Die Arabische Welt hat in den letzten Jahrzehnten zwar eine Re-Islamisierung erfahren, aber wenn alles religiös ist, ist nichts mehr religiös. Die Frömmigkeit hat sich individualisiert. Die Islamisten, so die Prognose, werden auch künftig eine Rolle spielen, aber sie werden Akteure im demokratischen Spiel sein. Postislamistische Zeiten

Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal zieht 50 Jahre nach dem Ende des Kolonialismus in Afrika Bilanz. Die Erwartungen waren enorm, als die Europäer ihre Kolonialgebiete aufgaben. An Stelle blühender Nationalstaaten entwickelten sich jedoch oft fragile Strukturen, geprägt von tribalen Konflikten, Autokratie, Korruption und ökonomischen Krisen. Wie hat sich, vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse in Nordafrika, der Westen dazu zu verhalten? Und wo wohnt die Lüge? Afrikanische Unabhängigkeit

Der marokkanische Philosoph Rachid Boutayeb beschreibt den Körper im Islam als Gedächtnis der Spuren religiöser Herrschaftsansprüche, als das "Vergessene des arabischen Denkens". Während der Westen den Körper als Zeichen von Besonderheit und individueller Freiheit versteht, ist er in der islamischen Kultur ein Ort der Normierung, von der Geburt bis zum Tode der Kontrolle unterworfen. Reinigung und Verschleierung sind Prinzipien seiner Domestizierung.

The Cell Phone's Point of View: So nennt der franzöische Photograph Olivier Coulange die abphotographierten Stills von Handyfilmen aus den Tagen der Jasminrevolution in Tunesien. Die eigentümliche fast malerische Ästhetik der Bilder vornehmlich von Gewaltszenen irritiert und reflektiert zugleich die politische Rolle von Information. Ein Photoportfolio


DIGITALOKRATIE
Vor zehn Jahren wurde Wikipedia mit dem Ziel geschaffen, freien und umfänglichen Zugang zum Wissen der Menschheit zu ermöglichen. Was ist aus diesem Traum geworden? Manuel Arias Maldonado erklärt, wie Wikipedia funktioniert, arbeitet und sich finanziert: Wer hat das Recht, Artikel zu zensieren oder zu löschen? Wie generiert sich Wahrheit ohne Autorität? Ein Essay über Grenzen der Information, über Popkultur und Philosophie, Präzision und Oberflächlichkeit. Planet Wikipedia

Mit der ersten Zeichnung der damals bekannten Welt, dem Prototyp einer jeden Kartographie, hatte ihr Urheber Anaximander etwas gelähmt und getötet - die Natur, die für die Griechen etwas in ständigem Wandel Begriffenes war. Er wurde dafür der Gotteslästerung bezichtigt. In Geometrie der Macht zeichnet der Geograph Franco Farinelli nach, inwiefern die geometrische Darstellung der Welt den Erfahrungsraum des Menschen verkleinert und eine Stillegung des modernen Subjekts nach sich gezogen hat.

Bruno Latour zeigt an Paris, wie die Illusion des Zooms auf die Oberfläche des Planeten durch Google Earth die politische Sicht auf die Welt totalisiert und dazu beiträgt, Politik durch Management von oben zu ersetzen. Doch die verwaltete Stadt ist nur die sichtbare Stadt. Die unsichtbare Stadt ist die wirklich politische. Zoom auf Paris

Als Feindliche Übernahme bezeichnet Hans Günter Holl die Mechanisierung der Intelligenz, die mit dem Internet ihr ideales, umfassendes Medium gefunden hat. Wo sich der digitale Verbund aller "Speichermedien" von Schrift, Bild und Ton als Informations- oder Wissensgesellschaft inszeniert, wittert er Entgeistigung, Entpersonalisierung und Entmündigung. Mit der Reduktion von Geist auf Information sowie der Vernetzung der Gesellschaft fusionieren Bürokratie und Digitalisierung, die mächtigsten Techniken, die je zur Organisation der Gesellschaft erfunden wurden, und diktieren, wie der Geist zu funktionieren hat. Eine Streitschrift

"Es gibt Augenblicke - Krisen des hegemonialen Diskurses -, in denen man damit aufhören sollte, den Schein zu wahren." Für Slavoj Zizek zielen die Enthüllungen von WikiLeaks nicht auf die schmutzigen Geschäfte einzelner Akteure ab, sondern sie entlarven das Funktionieren der Macht selbst. Haben wir es nicht mit dem Zynismus einer globalen Ordnung zu tun, deren Vertreter nur so tun, als glaubten sie an demokratische Prinzipien und Menschenrechte? Durch die Enthüllungen von WikiLeaks wird "die Schmach (unsere Schmach, daß wir solche Macht über uns tolerieren) noch schmachvoller."


Nachforschungen
Die belgische Reporterin Lieve Joris ist unterwegs auf den sich intensivierenden Handelsrouten zwischen Afrika und Asien. Wo die Europäer noch ein Herz der Finsternis erblicken, bauen Chinesen schon Staudämme und Textilfabriken, verkaufen Inder Fahrräder und Kühlschränke. In Kanton und in Dubai gibt es längst afrikanische Viertel, von denen aus schwunghaft mit dem schwarzen Kontinent gehandelt wird. Diese "Low-end-Globalisierung" entwickelt neue Wirtschaftsbeziehungen am Westen vorbei.

Leila Guerriero, Preisträgerin der von Gabriel García Márquez gegründeten "Stiftung für neuen lateinamerikanischen Journalismus", begleitet eine Gruppe argentinischer Forensiker, die in Ländern arbeiten, wo Bürgerkriege und Diktaturen blutige Spuren hinterlassen haben. Mit der Auffindung von Massengräbern und der Identifizierung exhumierter Opfer leisten sie Aufklärungs- und Trauerarbeit. Eine Reise an die Schauplätze der Düsternis - von Argentinien nach Timor, von Guatemala in den Kongo: Knochenspuren

Geschichte und Gegenwart Teherans schildert Asef Bayat. Er skizziert die Konflikte zwischen Modernisierung und Tradition, Fremdbestimmtheit und Nationalismus, die den Iran geprägt haben. Brennpunkt war immer Teheran. Die Transformation der Metropole durch die Zuwanderung von Millionen Menschen aus den Provinzen, ihre Spannungen zwischen Islamismus und Modernität, ihre erstaunliche Resistenz gegen die theokratischen Gleichschaltungsversuche schildert Bayat in seinem fein gesponnenen Stadtporträt. Teherans Paradoxien

Der Ethnologe Hans-Jürgen Heinrichs fragt, warum und wie man Ethnologie betreiben sollte, und geht der Begeisterung für das Fremde und Unverstandene nach. An Victor Segalen, Michel Leiris und Hubert Fichte interessieren ihn die Sensibilität des Hörens, Sehens und Aufschreibens und die literarischen Strategien, mit denen diese Grenzgänger der Ethnologie fremde Kulturen zu erfassen suchen. Ein Streifzug durch die Entdeckungsgeschichte der Ethnologie sowie die Stilmittel und Methoden einer anthropologischen Poesie. Liebhaber des Fremden


Schrift, Schauspiel, Malerei
Aus Anlaß des achtzigsten Geburtstages des früh verstorbenen Schriftstellers Thomas Bernhard spricht Marek Kedzierski mit Peter Fabjan, Bernhards Halbbruder, über private Dramen und Krankheit, Empfindlichkeit und Einsamkeit, Schaffen und Wirken des großen österreichischen Dramatikers und Romanciers. Erinnerungen an biographische Verwerfungen und Heiterkeiten eines literarischen Lebens.

Georges Banu, Urgestein der französischen Theaterkritik begeistert sich für Europas Theateridee. Für ihn ist es vor allem der Schauspieler, der die Idee eines grenzübergreifenden europäischen Theaters vorantreibt. Ausgehend von sprach- und landestypischen Ausprägungen des Repertoires und der Spielweise kann es ihm gelingen, Ausdrucksformen zu finden, die nationale Zuschreibungen überschreiten. Er wird dann zu einem wahrhaft europäischen Schauspieler, der die Kraftlinien des europäischen Theaters immer wieder zu erneuern vermag.

Jan Vermeers Gemälden wohne ein solcher Zauber inne, daß sie alleine die Geschichte der Malerei rechtfertigten, so Enthusiasten. Bora Cosic, Stephan-Heym-Preisträger 2011, vertieft sich in Vermeers Bild Die Malkunst und entdeckt in den Motiven und Gegenständen des Bildes, in den Farben und Arrangements einen tiefgestaffelten Kosmos, in dem sich die Welt in all ihrem Reichtum spiegelt. Vielleicht schreibe er, so der Autor listig, den Essay, den Marcel Prousts Romanfigur Swann schreiben wollte und "auf der Suche nach der verlorenen Zeit" nie zu Ende brachte.


IRRUNGEN DER UNSTERBLICHKEIT
Die Wiederkehr der Religion, die allseits beobachtet und beschworen wird, meint zumeist die Wiederkehr eines aggressiven Monotheismus. Im Gespräch mit Frank Raddatz erkundet der Ägyptologe und Religionstheoretiker Jan Assmann das Aggressionspotential monotheistischer Religionen. Er zeichnet nach, wie durch die Erfindung der Unsterblichkeit aus tragischen Heroen Gotteskrieger werden und eine Kultur der Anerkennung den Monotheismen weichen muß. Er hinterfragt die Konstruktion "der einen Seele, des einen Selbst" und zeigt, was der Unsterblichkeitsgedanke des christlichen Heilsversprechens der Idee von der Unsterblichkeit des Pharao verdankt. Pharaonendämmerung


Briefe, Kommentare, Korrespondenzen
Die Istanbuler Autorin Sema Kaygusuz beklagt die multikulturalistische Reduktion, die Beschränkung individuellen Kunststrebens auf eine kulturelle Identität. In Italien wird der Mordfall Pasolini wiederaufgenommen: Roman Herzog berichtet von Hintergründen, neuen Verdachtsmomenten und Spekulationen. Der Wald als Anlagemöglichkeit für Naturfreunde und Empfindsame: Sabine Riedel ist auf der Pirsch. Als eine Sache der Integrasyon erachtet der Münchner Satiriker brasilianischer Herkunft Zé do Rock die Beziehung zwischen Müller-Deutschen und Yilmaz-Deutschen. Sergio Benvenuto setzt sich mit der Immigration als Teil des europäischen Dramas in einer globalisierten Welt auseinander. Das Gebaren eines neuen russischen Adels beschreibt Michail Ryklin und Adriano Sofri erinnert an die sizilianische Verlegerin Elvira Sellerio.

Besuchen Sie unsere Homepage www.lettre.de (mit Archiv) sowie die Homepage des Lettre Ulysses Award für die Kunst der Reportage www.lettre-ulysses-award.org.
..."

Impressum