Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren. Klicken Sie hier für weitere Informationen.
Hier klicken, um diese Nachricht nicht mehr anzuzeigen.



Agentur für Arbeit Lübeck

LüTeaTime bis Gästeforum

Offener Brief Holl. Blumenjacob zum Weihnachtsmarkt - Gesamtext!

04. Januar 2010 (HL-Red.) Lübeck Lüpe/Meinung: Heute beginnt der Alltag wieder - wenn auch in einem neuen Jahr - nach den vielen freien Tagen. Anlass also, noch einmal auf ein wahrlich noch nicht erledigtes Stichwort einzugehen: "(Neue) Designer-Hütten für den Lübecker Weihnachtsmarkt mit Zuständigkeit der LTM GmbH. Ob wirklich dafür eine Notwendigkeit besteht, wurde nicht wirklich "geprüft", sondern diese wohl eher nur behauptet. So, wie die Neugestaltung ebenso "notwendig" sei, da damit mehr BesucherInnen zu erwarten seien. Wirklich? Es gab "Zeiten", da stellte sich die LTM den Vorhaben und Absichten auch in Presseterminen. Zwischenzeitlich wird zumeist vor vollendete Tatsachen gestellt - ggfs. monopolisiert über die Tagespresse berichtet. Die letzte Verlautbarung über eine Weihnachtsmarkt-Bilanz entspricht genau diesem Stil. So wie über die Abstimmung zu den Designer-Hütten - mit Gegenstimmen (?). Wirklich -und mit dieser kläglichen Gesamtzahl ausgewerteter Fragebogen.

Lübeck-TeaTime glaubt nicht, dass damit der Lübecker Weihnachtsmarkt interessanter oder wieder mehr zum Besucher-Ziel wird. Die vorhandenen Hütten können sicherlich hier und da verbessert werden. War die Befragung der Standbetreiber dafür überhaupt geeignet? Dafür braucht man keine Monopol-Miet-Hütten oder teuer beschaffte. Selbst gehört hat der Verfasser, dass BesucherInnen am Kanzleigebäude an der Breiten Straße davon ausgingen, dass da "Schluss" sei. Weiter zur Beckergrube - für sie nicht erkennbar. Auch nicht das Riesenrad. Bestätigt optisch durch die Lücke Höhe Schrangen. Da gehören einfach mehr Auslagen nach draußen - auch die Stühle weg vom Café. Da muss in dieser Zeit ebenfalls anderer Blickfang hin. Wie auch immer - wenn die Preise und oftmals die Qualität nicht "angemessener" gestaltet werden. Interessant die Untersuchung Weihnachtsmarkt Köln lt. WDR-FS mit Stand-Gewinnspannen bis zu 1.500 Prozent. In Lübeck anders? Mitnichten! Für "Kunsthandwerk" aus Fernost etwa. Oder die Standgebühren für die Aussteller - unterschiedlich gestuft. Da ist wohl China-Kunst "Kunsthandwerk" - und damit gebührengünstiger.

Es muss mehr Offenheit in das Thema "Weihnachtsmarkt" gebracht werden. Kein Ändern um des Änderns Willen etwa oder bloße Profilierung! Vor allem der wirkliche Bürgerwille und die Anliegen von Ausstellern und Beschicker. Kein "Plattenbau" also, keine zu teuren Standgebühren - und damit niedrigere Preise, die sich der Normalverbraucher auch leisten kann. Drei Euro für einen Glühwein? Das sind sechs DM. Und - pardon - die meisten Menschen haben nach wie vor DM-Wert im Geldbeutel.

Hat Lübeck wirklich keine anderen Probleme als die Modernisierung und damit die weitere Verteuerung des Weihnachtsmarktes? Das eigentliche Tourismusangebot darbt. Da sollte man oder frau sich endlich intensiver kümmern. Wo sind die publikumsträchtigen "Events", wo ist das "Erlebnisbad" Travemünde? Ostern besteht die Möglichkeit für Lübeck-TeaTime, ein Interview mit einer älteren Dame zu führen, die seit vielen Jahren und dabei mehrfach im Jahr für mehrere Wochen Travemünde besucht. Irgendwann ist aber ihre Geduld am Ende - weil z. B. kein Schwimmbad (mehr)! Irgendwann fühlt sie sich - hier nicht mehr zu Hause...

Nun aber zum Leserbrief des Holländischen Blumenjacob zum Thema Lübecker Weihnachtsmarkt, der sich an die LN damit gewandt hatte. Sehr gekürzt, aber absolut kompetent (!) veröffentlicht. Hier dennoch der gesamte Text:

Offener Brief zur Neugestaltung des Lübecker Weihnachtsmarktes
Jakob Westerveld

Lübeck in „Weihnachtsmarkt-“Ebbe- und Flut“
Im Reigen der „alten“ „Märkte“ auf diesem Planeten ragt wohl unstreitig der „Weihnachtsmarkt“ hervor. Denn nur wenige dieser Märkte haben nicht nur Umsatz und damit Geld als Vordergrund. Über Weihnachtsmärkten aber strahlt außerdem eben der als solcher bekannte „Stern von Bethlehem“, ein Stern also, der mehr verkündet, also „nur volle Kassen“. Kassen, die später einmal im Tempel von Jesus Christus sogar fast im Zorn umgestoßen werden. Leider scheint in diesen Zeiten solches wieder nötig; denn offenkundig soll „mehr Schein, also Sein“ auf einen neuen Weg gebracht werden. Heißt es doch, die vorhandenen Verkaufshütten und Buden entsprächen nicht mehr der Zeit, und die Zukunft des Lübecker Weihnachtsmarktes könne nur mit einheitlich gestalteten „Designer-Modellen“ gesichert werden.

Wirklich? Sind es nicht ganz andere Ursachen, die zum Rückgang der „Umsätze“ geführt haben? Können es wirklich die individuell gestalteten „Häuschen“ sein, die den Weihnachtsmarkt weniger interessant machen? Sind es nicht eher Dinge, die im Angebot stehen, die mit Advent und Weihnachten kaum noch zu tun haben? Und ist es nicht Preisentwicklung, die nicht mehr im Verhältnis zu den Geldern der Besucherinnen und Besucher steht?

Lübeck ist eine historische Stadt, als Weltkulturerbe anerkannt. Vor allem von „Backstein-Giebeln und -kirchen her“. Lübeck ist keine High-Tec-Stadt, auch wenn sie da und dort ebenso auf die Zukunft gerichtet neu bauen muss. Sorgsamkeit ist dabei besonders angesagt, will man die Anerkennung de UNESCO nicht verlieren. Ob sich diese um den Stil eines „Weihnachtsmarktes“ um solche historischen Gemäuer schert, mag dahin gestellt sein. Der steht nur wenige Wochen – vielleicht dann unpassend. Unpassend dann, wenn Althergebrachtes weichen soll.

Christus wurde in einer Krippe geboren, lag in Stroh und Holz, nicht im High-Tec-Bettchen. Über 2000 Jahre ist das her. Und kam jemand zwischenzeitlich auf die Idee, ihm ein anderes „Lager“ anzutun. Etwa aus Blech, wenn auch golden schimmernd – wie etwa einer der „neuen Entwürfe“ für die modernen Verkaufsstände?

Lübeck ist nicht „Weihnachtsstadt des Nordens“ geworden, weil sie „nur“ Stände, Häuschen und Buden in allem möglichem Stil, aber zumeist mit Spitzdach und Tannen geschmückt in fröhlichem Lichterglanz schimmerten, sondern weil es dazu „Adventliches und Weihnachtliches“ gab. Mit Mittelalter hat das im übrigen auch absolut nichts zu tun. Allenfalls mit Dr. Martin Luther, der den christlichen Glauben wieder zu dem werden lassen wollte, wie dieser ursprünglich in der Geburt Christi zu sehen ist. Was also hätte das mit Gauklern und Feuerspeiern zu tun?

Keine Container-Hütten, kein einheitlicher Plattenbau anstelle „moderner“ Stimmungsverderber. Lübecker ist in diesen Tagen wieder von unabhängiger Seite als „Weihnachtsstadt des Nordens“ bestätigt worden. Weil es an der Zeit ist, hier etwas zu ändern? Sollen etwa auch die Backstein-Kirchen passend zu Blechbuden in Blech verkleidet werden? Dann müsste man auch konsequent sein.

Für den Familien-Weihnachtsmarkt an der Obertrave müssen wohl einheitliche Pagoden-Zelte angemietet jedes Mal angemietet werden. Wie soll sich das rechnen? Was mit modernen Verkaufshütten in der Innenstadt? Wer soll die und das bezahlen? Gerne kann den Schau- und Ausstellern und aufgegeben werden, ihre Stände zu „verbessern“. Kein Problem. Aber nun etwas ändern, um zu ändern? Unsinn: Das hätte der Vorgänger der LTM längst getan, wenn es denn nötig gewesen wäre. Da wurden Dinge vorangebracht, die längst von MuK bis... auszeichnen.

Ich, Jacob Westerveld, auch Blumen-Jacob, habe vor 37 Jahren an der Obertrave mit einem Weihnachtsmarkt begonnen – in einem Stil, der sich bis heute bewährt hat. Diesen Stil sollte man weiterführen. Mit schönen, alten und geschmückten Holzbuden. Keine Messingstände. Es passt einfach nicht. Das ist dann nicht mehr der „Lübecker Weihnachtsmarkt, Weihnachtsstadt des Nordens“. Und viele Marktbeschicker könnten ohnehin mit den einheitlichen Neuerungen überhaupt nichts anfangen. Weder „technisch noch optisch“. Vielleicht, wenn sie Seife oder Strümpfe verkaufen wollen. Aber auch das ist nicht „Advent oder Weihnachten“. Diese Begriffe haben eine völlig andere Qualität, die im übrigen nicht zugleich teuer sein muss. Sie muss „nur“ in beiderlei Hinsicht überzeugen: in Produkt und Preis eben.
Darüber sollten Verantwortliche nachdenken und nicht ändern, was schon lange gut ist.

Jacob Westerveld"

Impressum