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Agentur für Arbeit Lübeck

LüTeaTime bis Gästeforum

Schienen-Freitod - "Vollstrecker" Zugführer leiden ganzes Leben

13. November 2009 (HL-red.)Meinung: Lübeck-TeaTime - wer ist denn das? Heute fühle ich mich als Herausgeber meiner eben wirklich unabhängigen, dafür daraus umso aufmerksameren Internet-Publikation absolut bestätigt, aufmerksam gewesen zu sein. Nicht wirklich gerne in diesem „Fall“. Aber wer hat sich in den Medien um den Freitod des Fußball-Stars Robert Enke herum angemessen und sogleich in der "ersten Stunde" des Zugführers angenommen, der voller Entsetzen das Geschehen nicht abwenden konnte? Die Kirche in Hannover wäre nicht „voll“ gewesen um dessen katastrophales „dienstliches“ Erlebnis. Da hätte gar nichts stattgefunden. Ein Presse-Termin? Ein solcher wohl auch nicht.

Ich habe in Lübeck vor Jahren einen mir vertrauten SL-Busfahrer getroffen, der morgens zu Betriebsbeginn eine Frau überfahren hatte. Die war aus einem Gebüsch auf der Travemünder Allee vor sein Fahrzeug gesprungen. Keine Chance zum Bremsen. Gott-sei-Dank gab es einen Abschiedsbrief, in dem dieses "Vorhaben" angekündigt war. Und ohne den? Dann hätte man dem Fahrer wohl vorgeworfen, er hätte nicht "rechtzeitig reagiert". Warum dieses Beispiel? Es trifft genau den "Nagel des Kreuzes Jesu".

Selbstverständlich dachte man nun auch an den Zugführer. Robert Enke aber hat sich und dem ein Ende gesetzt, was ihn lange bekümmert hat. Ehefrau, schon sein Trainer in der Türkei - wie nun zu hören war - und nicht einmal der Psychologe vermochten diese Katastrophe zu verhindern. Warum hat er sich nicht helfen lassen? Bei Bayern München hat sich ein Fußball-Star einmal damit geoutet und musste einen langen sportlichen Leidensweg gehen. Robert Enke wusste sicherlich davon und entschied sich anders. Den völlig unbeteiligten Zugführer ließ er damit an sich "vollstrecken".

Um 17.25 Uhr heute ging "BRISANT" *) in der ARD auf das "Problem" der Zug/Lok-Führer ein. Ein älterer Betroffener musste in seinem Berufsleben bisher schon fünf (!) Mal dieses schlimme Erlebnis ertragen. Verarbeiten? Nein; denn er fürchtet sich - kurze Zeit noch vor seinem Ruhestand – und nach wie vor, dass ihm das noch einmal passiert. "So etwas vergisst man sein Leben lang nicht", sagte er. "Aufgerissene Augen, ja - manche winken sogar zu!"

Statistisch ist nach Angabe der Sendung übrigens zu erwarten, dass jeder Zugführer zwei Selbstmorde auf den Schienen über sich ergehen lassen muss. Trotz Vollbremsung und ohne die geringste Chance – Auge in Auge zumeist. Viele betroffene Zugführer leiden ihr Leben lang darunter, einige sind sogar nicht mehr in der Lage, ihren Beruf auszuüben. Aber sie bekommen weder einen „Gottesdienst noch ein ausverkauftes Fußballstadion“, um auf ihr unsägliches Leid aufmerksam zu machen, wenn es dann passiert ist. Noch schlimmer, wenn ihre Psyche völlig zusammenbricht und sie unter solcher Last überreagieren (so würde es bei ihnen wohl heißen) – sind ihre Familien dann zumindest finanziell "sorgenfrei"?

Was mir allerdings zu kurz kam: Freiwillige wie Berufs-Feuerwehr, die "Hand anlegen" müssen - wer denkt in diesem Zusammenhang an diese? Auch Robert Enke war ihr "Einsatzfall". Wie viele, viele andere, jeden Tag, jede Stunde. Auch an diese möchte ich "erinnern". Einsatzkräfte, die nicht nur katastrophales zu sehen bekommen. Ich sagte es - sie müssen "Hand anlegen". Müssen "Herausschneiden" aus Trümmern, retten und bergen - ihr Leben dabei oftmals nicht nur riskieren. Auch "kranke" Gedanken sollten das wissen.

Sicherlich eher "unbeabsichtigt" - und hoffentlich kein Strohfeuer um heikle Themen: Die psychische Überforderung hochtalentierter Sportler und - nun endlich aufgezeigt hier unschuldiger "Vollstrecker". Gewisse "Etagen" müssen nun endlich in jeder Beziehung (mehr) darauf reagieren.

Reinhard Bartsch
Herausgeber

Danke "BRISANT"!
*) Eben in der NDR Talk Show - nicht "komplett" gesehen - aber innerhalb des auch dort aufgegriffenen Themas jedenfalls kein Wort zum Zugführer aufgefallen. Würde mich freuen, wenn ich mich irre...

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