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Agentur für Arbeit Lübeck

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Enkes Freitod - wer ist oder sind nun wirkliche Opfer?

13. November 2009 (HL-red.) Meinung: Gewisser Abstand zum Geschehen um den Freitod Robert Enkes: Freitod eines auch wahrscheinlich Fußball-Millionärs, der in einer nicht nur bei ihm eingetretenen familiären Ausnahmesituation und wahrscheinlich dazu zusätzlich wie überzogenen Überforderung durch seinen Sportverband im Grunde überreagiert hat, wenn man denn glauben kann, dass er bereits medizinisch betreut wurde. Nicht nach außen zugeben zu wollen – und das ggfs. auf die eigene Karriere bezogen – ist so unglaublich unverantwortlich.
Denn er ist m. E. vom gewissen „Opfer“ - auch zum „Täter“ geworden. Er hat andere Menschen in sein Tun hinein gezogen: Er hat andere, unbeteiligte Menschen vom Zugführer *) bis hin zu den wahrscheinlich auch jungen Menschen der Freiwilligen Feuerwehr und der Polizei in katastrophale psychische Situationen verbracht. Er hat seine Frau ebenso wie ein Kind „verlassen“. Ihn dafür zu verurteilen ist selbstverständlich keine „Sache“ dieser Welt, und das liegt dem Verfasser auch völlig fern. Denn das muss der vermutliche Selbstmörder allein vor Gott verantworten. Und wehe, nun zu “glorifizieren“ dafür. Denn er hat große Schuld auf sich geladen. So ist zwar die allseitige Betroffenheit der vergangenen Tage verständlich. Sie trifft mich - zugegeben - andauernd weiter. Aber die Gottesdienste müssen ebenso unmissverständlich denen gegenüber Partei ergreifen, die nun „verlassen“ oder „betroffen“ sind – bei aller „Krankheit“ Enkes, die ihn zu im Grunde unverantwortlicher Tat ihm selbst und vor allem anderen gegenüber geführt hat.

Wenn es Gott gibt - so sei der ihm gnädig. Auch denen gegenüber, die ihn „überfordert“ haben. Das ist für mich auch die "moderne" und kalte Führungsform im DFB-Trainingsstab, die es so wohl noch nie gegeben hat. Bereits andere sind daran gescheitert, weil sie "den Mund aufgetan haben", wenn auch "nur" bisher ausgemustert wurden, die aber eben psychisch stärker als Robert Enke waren oder sind.

Es fragt sich nun, ob die durchaus ehrlichen Tränen der Trauer nur ihm zu gelten haben – oder ebenso um die, die nun ihr Leben lang unter diesem "Unfall" leiden müssen. Etwa, weil zu hören „Ach der – der hat E. überfahren“! Oder die Frau, die nun Witwe ist. Oder ein Kind, das in Liebe aufgenommen wurde und seinen Vater verloren hat.

Die Wahrheit tut oftmals weh. Aber gerade nun muss man sich ihr besonders stellen.

Reinhard Bartsch
Herausgeber


*) Aktueller Hinweis:
Soeben (17.25 Uhr) ging "Brisant" in der ARD auf das "Problem" der Zug/Lok-Führer ein, nach dem ein älterer Betroffener in seinem Berufsleben bisher fünf (!) Mal dieses schlimme Erlebnis ertragen musste. Er fürchtet sich - kurze Zeit noch vor seinem Ruhestand - , dass ihm das noch einmal passiert. Lt. dieses Berichtes ist statistisch zu erwarten, dass bei jedem Zugführer dies zwei Mal geschieht. Viele leiden ihr Leben lang unter darunter, einige sind sogar nicht mehr in der Lage, ihren Beruf auszuüben.

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