Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren. Klicken Sie hier für weitere Informationen.
Hier klicken, um diese Nachricht nicht mehr anzuzeigen.



Agentur für Arbeit Lübeck

LüTeaTime bis Gästeforum

Wann vollzieht man den Realschul-Absch(l)uss auch begrifflich?

03. November 2009 (HL-red.) Meinung: Eben noch fragt die Agentur für Arbeit "Realschulabschluss 2010 und was dann?". Von welcher Realschule her denn? Keine Kritik in diesem Zusammenhang gegenüber der Agentur. Aber es kann doch nur zwei Möglichkeiten geben: Entweder führt man die Realschule wieder ein und bietet dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt wieder diese "Spezies" an AbsolventInnen für spezielle Berufe. Oder man vollzieht den Schritt der Abschaffung dieses Schulzweiges, der viele Jahrzehnte äußerst erfolgreich war, wo - krass gesagt -"Hauptschüler über- und Abiturienten unterfordert" gewesen wären. Galt allerdings nur, solange zumindest das Abitur ohne Abwahl von unangenehmen Fächern möglich war. Und ebenso krass gesagt: ein "spät" abgebrochener Gymnsiast hatte trotz allem ein durchaus besseres "Wissensniveau", zumal er auch zuvor die schwierigere Aufnahmeprüfung zu diesem Schulzweig bestanden hatte und auf unstreitig höherem Niveau beschult wurde. Zugegeben - das galt nicht für alle Länder der Bundesrepublik.

Bleibt es also dabei, dass es "Realschulen" nicht mehr gibt, sollte die Konsequenz auch begrifflich vollzogen werden: Wie wäre es mit "Grund-Abschluss" für Hauptschulen, "Sekundär-Abschluss" für den mittleren Abschluss und damit "Realschul-Abschluss", und "Primär-Abschluss" für das Abitur? Die (unter-)entwickelte Leistungsfähigkeit der jeweiligen AbsolventInnen mit möglichst langer gemeinsamer Grundschule fördert im Grunde Langeweile für gute SchülerInnen und beginnendes "Faustrecht" noch auf dem "ersten" Schulhof - später "auf anderer Ebene" durch andere Waffenarten ergänzt.

Sie können anderer Auffassung sein. Ich wäre es auch gerne. Aber ich glaube nicht, dass mit der heutigen Schulreform "das Rad neu erfunden" wird. Und was europäische oder "globale" Nachbarn machen - Vergleiche sind wie Gutachten: Sagen Sie, welches Ergebnis Untersuchungen haben sollen, kein Problem - begründen kann man alles. Bedenkliches Beispiel: Deutschland hat den "Meister" im Handwerk in vielen Sparten abgeschafft. Zu gleicher Zeit (ich abe es selbst erlebt) kamen Fachleute aus dem Ausland - und informierten sich über den Meisterbrief. Denn sie waren dabei, diesen - wie auch das deutsche duale Ausbilddungssystem - bei sich zu Hause einzuführen.

Ich jedenfalls bin froh, unter "heutigen" Verhältnissen nicht habe zur Schule gehen müssen. Ich bin froh, dass unsere Kinder erwachsen sind und wir auch sie damit nicht im "heutigen" Schulalltag begleiten müssen. Und wir, nämlich auch vor allem meine Frau und ich, haben unsere Kinder gerne auch täglich "nachgeschult". Soll bedeuten - wir haben uns gekümmert. Wie gesagt - meine Frau, ehemalige Chefsekretärin war "zu faul arbeiten zu gehen" - und hat lieber unsere Familie gemanagt. Immerhin bekommt sie dafür bei drei Kindern 150 Euro Rente. Aber "verwirklicht" hat sie sich zu Hause in Vielseitigkeit, wie diese heute "modernen" Frauen als Überlastung erscheinen dürfte.

Was das mit dem Begriff "Realschule" zu tun hat? Nun, das ist die wirkliche Bandbreite an "Realität", die vor allem unter der Inkompetenz vieler Jahre "Familien-Politik" zu den heutigen Verhältnissen geführt hat. Leistungsforderung wurde durch die Politik mit immer mehr "Gleichmacherei" ersetzt. Derzeit ist der "Gipfel" erreicht: Nur verwechselt man gewisse Dinge mit "gleichen Chancen". Denn die gibt es längst (und das allerdings ist wirklich "gut so") - wenn SchülerIn denn will...

Es grüßt -
der ehemalige Realschüler *), Diplom-Verwaltungswirt, Journalist,
Herausgeber von Lübeck-TeaTime und damit auch Redakteur,
Reinhard Bartsch

...ach ja: Vielleicht "rudert" die Schulreform SH zurück und öffnet wieder die Tore zur "klassischen" Real-, meinetwegen auch so genannte Mittelschule.


*Opfer des letztlich nicht zustande gekommenen Aufbauzuges (auch Vorführ-Modell) "nach sechs Jahren Grund-/Hauptschule" zum Abitur - das war z. B. 1954 in Nordrhein-Westfalen. Und nach dem Realschul-Abschluss der weitere Weg zum Abitur: (noch) nicht möglich.

Impressum