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Agentur für Arbeit Lübeck

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Bau Berliner Mauer 1961 - dazu Vortrag Adenauer-Sekretärin

13. August 2018 (HL-Red-RB) Meinung: Das Datum 13. August 1961 steht für den Beginn der Berliner Mauer, damit heute vor 57 Jahren also. Ein historischer Tag, an den "unterschiedlich" erinnert wird. Von besonderer Bedeutung in jedem Fall wohl, wenn Zeitzeugen darüber berichten oder noch berichten können. Zum Bau der Berliner Mauer in diesem Fall und dabei sogar aus unmittelbar politischem Umfeld, wie dies auch für die ehemalige Sekretärin des damaligen Bundeskanzlers Dr. Konrad Adenauer Dr. Anneliese Poppinga gilt.

Eine Doku-Fernsehsendung über den ehemaligen Bundekanzler Dr. Konrad Adenenauer“ erinnerte mich im Juli vergangenen Jahres an einen Vortrag von Dr. Anneliese Poppinga, die auf Einladung der Jungen Union, des CDU-Ortsverbandes Marli-Brandenbaum-Eichholz, der Kommunalpolitischen Vereinigung swie der CDU-Bürgerschaftsfraktion der Lübecker CDU im Audienzsaal des Lübeker Rathauses am 05. September 2001 zum Bau der Berliner Mauer berichtet hatte.

In dieser Doku, in guter Erinnerung noch die Ausführungen der ehemaligen Sekretärin des damaligen Bundeskanzlers, fiel mir jedenfalls auf, dass zwar auch sehr kritischen Ausführungen zu dessen vor allem Wirken zum und nach Ernennung zum Bundeskanzler, in der Doku angesprochen worden waren, einfach „unberücksichtigt“ geblieben jedenfalls die Reaktion oder auch Nicht-Reaktion des Bundeskanzlers auf den Berliner Mauerbau 1961. Warum „übersprungen“ - aus welchen Gründen auch immer.

Denn interessant zu wissen, und darauf soll noch aus dem Vortrag Dr. Anneliese Poppingas weiter eingegangen werden, dass ggf. nicht nur die Amerikaner davon überrascht wurden, sondern auch die Deutschen. Oder doch? Hautnah vor Ort war – Willy Brandt, seines Zeichens Regierender Bürgermeister von Berlin. Nicht nur das - er hatte "zufällig" sogar politischen Besuch aus den USA. Was zwischen denen ob der Mauer-Überraschung strategisch schon vorab lanciert worden war oder dann wurde - was auch immer. Jedenfalls für den Bundeskanzler, der davon „in Rhöndorf“, auf der rechten Rheinseite nahe dem linksrheinischen Bundeshaus, nicht nur eine Überraschung, sondern hatte mangels Informationen und zeitgerechter Einbindung in die Verhaltensüberlegungen und -maßnahmen der Alliierten zumindest zunächst damit mehr als ein Problem. Zwar von seinem Minister Ernst Lemmer informiert, machte das lange Schweigen der USA ihm als Bundeskanzler der Bundesrepublik gegenüber angemessene Entscheidungen über das, was zu tun sei, zunächst unmöglich. Wenn er dann einen "eigenen" Weg dazu ging, typisch für ihn, der so oft nicht immer nur oder zumindest gleich "Freunde" damit gefunden hat - dafür jedoch lange Zeit großen und vor allem internationalen Erfolg.

Ich war als Pressevertreter bei dem Vortrag im Lübecker Rathaus dabei und habe nicht nur diesen Vortrag gehört, sondern sogar das Original - Manuskript der Vortragenden im Anschluss zur freien Verfügung übergeben bekommen.
Da ich diesen über meinen damaligen Pressebericht noch verfüge, stelle ich diesen erneut vor. Das aus meiner Sicht in Stich lassen des Bundeskanzlers durch die USA ist wohl mit dem Berliner Regierenden Bürgermeister politisch abgesprochen gewesen, wie aus dem besagten Vortrag zu schließen. Aus der Sicht des Bundeskanzlers hat Letzterer sogar die Sachlage dazu sehr aus eigener Sicht "verkündet". Eine Gegendarstellung jedenfalls blieb dem Bundeskanzler durch Verweigerung des Fluges nach Berlin verwehrt.

Jedenfalls wurde zum späteren Besuch des US-Präsidenten J. F. Kennedys in Berlin dieser, Willy Brandt und Dr. Konrad Adenauer nebeneinander stehend im Fahrzeug und auf der Aussichtsplattform an der Mauer gegenüber dem Brandenburger Tor , vom smartem, jungem Mann, dem die Zukunft gehört, wie auch immer Willy Brandt, und dem greisen Bundeskanzler gesprochen, Letzterem gegenüber jedenfalls kaum Löbliches ausgesprochen, vielmehr den Eindruck vermittelt, der Bundeskanzler hätte auf den Mauerbau nicht angemessen reagiert.



Oliver Fraedrich, Kreisvorsitzender der Jungen Union, Dr. Anneliese Poppinga (hat 1949 auf der Ernestinen-Schule Abitur gemacht) und
Roswitha Kaske vom CDU-Orstverband Eichhholz-Marli-Brandenbaum

Fotos © Reinhard Bartsch, Lübeck


Nun zu meinem Bericht aus 2002:
„Adenauer-Mitarbeiterin im Audienzsaal zum Mauerbau vor 40 Jahren:
US-Verweigerung des Berlin-Fluges verhinderte neuen Aufstand
Mindestens 30 Jahre hüten rechtliche Vorschriften politische Geheimnisse. Die in Lübeck geborene Dr. Anneliese Poppinga, Mitarbeiterin Dr. Konrad Adenauers von 1958 bis 1967, und damit auch in den Zeiten des Mauerbaues in Berlin, brach ihr Schweigen 1994 mit ihrem Buch „Das Wichtigste ist der Mut - Konrad Adenauer - die letzten fünf Kanzlerjahre“. In diesen Tagen gab sie im Audienzsaal des Lübecker Rathauses auf Einladung der CDU Gelegenheit, Näheres über diesen brisanten Abschnitt des Kalten Krieges zu erfahren.
Noch 1958 war es dem damaligen amerikanischen Präsidenten Eisenhower in Verhandlungen gelungen, der ultimativen Forderung des sowjetischen Ministerpräsidenten Chrustschow auf Status einer „Freie Stadt“ für Berlin zu vermeiden, berichtete die heute 76-Jährige, die in der Lübecker Ernestinenschule 1949 Abitur gemacht hat. Die weiter schwelende Berlin-Krise flammte dennoch 1961 wieder auf, als der neue US-Präsident J. F. Kennedy auf das fortgesetzten Säbelrasseln Moskaus mit Truppenverlegungen des Westens reagierte. Er forderte den US-Kongreß außerdem zur Zustimmung zu massiven Truppenverstärkungen auf und kündigte Vorbereitungen für den Zivilschutz an für den Fall eines nuklearen Krieges. Aber er bot den Sowjets auch Verhandlungen an. Diese stellten ein erneutes Ultimatum mit den bekannten Inhalten nun an die Adresse der Bundesrepublik. Die USA verlangte daraufhin die Verstärkung der Bundeswehr sowie die Verlängerung der Wehrpflicht auf 18 Monate. Forderungen, die Adenauer vielleicht auch im Zusammenhang mit dem laufenden Wahlkampf ablehnte: Er setzte nicht auf Aufrüstung, sondern westliche Wirtschaftssanktionen gegenüber der Sowjetunion trotz deren Drohung bei einer militärischen Auseinandersetzung um Berlin mit einem Atomkrieg.
Auf einen Mauerbau und Stacheldraht quer durch Berlin gab es dagegen keine Hinweise. Der begann plötzlich und überraschend am frühen Morgen des 13. August 1961 mit der Schließung der Grenzübergänge zwischen dem Ost- und den drei Westsektoren. Adenauer selbst wurde über diese eklatante Verletzung des bereits 1944 vorab völkerrechtlich vereinbarten Viermächtestatusses der Siegermächte für Berlin durch seinen Minister Ernst Lemmer informiert. Dieser warnte zugleich davor, zum jetzigen Zeitpunkt nach Berlin zu kommen: Zu groß sei die Gefahr eines erneuten Aufstandes der Bevölkerung im sowjetischen Machtbereich. Adenauer wartete daher dringend auf Nachrichten aus Washington. Von dort blieb es jedoch still. Notgedrungen verwies Adenauer die Bevölkerung, den Allierten zu vertrauen. Die Amerikaner hüllten sich jedoch ihm gegenüber weiter in Schweigen. Sie akzeptierten offensichtlich die Maßnahmen der Sowjets. Adenauers Auftritt im Fernsehen am 14. August konnte somit nicht überzeugen, wobei er allerdings auch die Situation nicht zusätzlich verschärfen wollte. Außerdem befand er sich da im Höhe punkt seines Wahlkampfes, dessen er sich vorrangig annehmen wollte. Ob er anders gewollt hätte oder nicht, die dafür allein zuständigen Allierten genehmigten ihm ohnehin keinen Flug nach West-Berlin zu einer Großkundgebung am 16. August, wo er die wirklichen Geschehnisse ggf. hätte darstellen können. Dies tat dafür Berlins Regierender Bürgermeister mit eigener Version. Adenauer musste von daher mit ansehen, wie Willy Brandt am 19. 08. stattdessen mit dem diesem politisch näher stehenden amerikanischen Vizepräsidenten Lyndon B. Johnson im offenen Wagen den Jubel der Westberliner in Anspruch nahm. Adenauer selbst konnte erst am 22. 8. eine amerikanische Militärmaschine besteigen, um in Berlin seine Haltung darzustellen. Dr. Anneliese Poppinga begleitete ihren Chef unter anderem bei der Fahrt durch die Bernauer Straße, auf deren östlicher Seite Menschen in den Obergeschossen weinten und zaghaft mit dem Taschentuch winkten. „An anderer Stelle waren Panzer aufgefahren. Volkspolizisten versuchten, ihre Landsleute zurückdrängen. Aber auch diese winkten“, so die Zeitzeugin. „Überhaupt reagierten die meisten Berliner freundlich auf seinen Besuch!“ Ein Kommen, das selbst nach historischen Recherchen erst jetzt stattfinden durfte. Die verbreitete Meinung, Adenauer habe Berlin im Stich gelassen, hat ihn aber eindeutig die absolute Mehrheit gekostet. Seine im Gegensatz zur „harschen und emotionalen“ schriftlichen Forderung Willy Brandts an J. F. Kennedy auf sofortiges Eingreifen gezeigte besonnene Haltung wurde damals zumeist nicht verstanden. Sicher ist jedoch, dass ein Einschreiten zum Krieg geführt hätte. Für einen Mauerbau dagegen fehlte dem Geheimdienst der Alliierten jeder rechtzeitige Hinweis: Der Westen ist schlichtweg überrumpelt worden.

Interessant dazu der Hinweis eines Zuhörers mit eindeutig Berliner Akzent, der selbst Adenauers ehemalige Mitarbeiterin verblüffte: Bereits ab 17. 06. 1953 hat es seiner Erinnerung nach in Ost-Berlin bereits eine Planübung über mehrere Wochen gegeben, bei der Westberliner nicht nach Ostberlin durften. Für die S-Bahn waren oder wurden sogar schon Wendeschleifen eingerichtet - und jede Menge Stacheldraht war zu sehen. Ein „offiziell unbeobachteter oder nun in Vergessenheit geratener früher Fingerzeig?




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