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Agentur für Arbeit Lübeck

LüTeaTime bis Gästeforum

Blutiger 17. Juni 1953 gegen Tag des Mauerfalls getauscht

17. Juni 2018 (HL-Red-RB) Meinung zum 17. Juni "heute": Es war einmal ein 17. Juni. Da begehrten Menschen auf gegen ihren Staat, der ihre politisch wie wirtschaftlichen Bedürfnisse ignorierte und letztlich deren Demonstrationen blutig niederschlug oder niederschlagen ließ. Im westlich "freien Bruderstaat“ wurde daraufhin dieser Tag als Tag der deutschen Einheit begangen, um auf das Begehren einer Wiedervereinigung, aber auch an die damaligen Geschehnisse im Osten Deutschlands, eigentlich Mitteldeutschland, zu erinnern. Viele Jahre später gelang es schließlich unter den Bedingungen des sich abzeichnenden Niedergangs des kommunistischen Moskauer Systems, mit friedlichen Montagsdemonstrationen, verbunden mit einer wohl eher irrtümlichen bekannt gegebenen Verlautbarung um „Reisefreiheit“ - von Moskau hingenommen – letztlich eine „Wiedervereinigung“ Deutschlands zu ermöglichen und auszulösen."

Also keine Rede von "Es war einmal..."; denn genau so ist die sogenannte "Wiedervereinigung" Deutschlands zustande gekommen. Verbunden mit Bedingungen selbstredend vom „Sandmännchen bis zum Fernsehballett. Warum nun der „westliche“ Tag der deutschen Einheit 17. Juni auf den Tag des Mauerfalls bzw. ein paar Tage Verschiebung geändert werden musste, scheint durchaus „merkwürdig“. Denn es gibt nach wie vor viele Menschen, die die Erinnerung an die Opfer des 17. Juni in der DDR höher einschätzen, als den Mauerfall, der im Verhältnis dazu geradezu in das Zeitgeschehen „purzelte“ und auf den keine westlich politische Schublade vorbereitet war.

Insoweit stellt Lübeck-TeaTime zu diesen Geschehnissen einige Auszüge aus WIKIPEDIA zusammen, die ein wenig mehr Klarheit darum vermitteln sollen:
„Aufstand des 17. Juni.
In den Tagen um den 17. Juni 1953 kam es in der Deutschen Demokratischen Republik zu einer Welle von Streiks, Demonstrationen und Protesten, die verbunden mit politischen und wirtschaftlichen Forderungen als Aufstand des 17. Juni (auch Volksaufstand oder Arbeiteraufstand) bezeichnet werden. Dieser erste antistalinistische Aufstand hatte zahlreiche Ursachen, zum Beispiel die Ignoranz der DDR-Führung gegenüber den Bedürfnissen der Arbeiterklasse einschließlich ihres Beschlusses, die Arbeitsnormen übermäßig zu erhöhen, sowie Fehler der SED.
Die SED hatte in ihrem Programm die Wiedervereinigung Deutschlands abgelehnt und einen „beschleunigten Kurs“ beim Aufbau des Sozialismus beschlossen, der die Schwerindustrie einseitig förderte, dafür andere Bereiche vernachlässigte und deshalb Engpässe in der Versorgung verursachte. Der Aufstand des 17. Juni wirkte außerdem als politisches Signal auf die Völker in Osteuropa und in der Sowjetunion. Der 17. Juni war von 1954 bis zur deutschen Wiedervereinigung 1990 als „Tag der deutschen Einheit“ der Nationalfeiertag der Bundesrepublik Deutschland.
...
Schlussbetrachtungen
Der Aufstand des 17. Juni 1953 steht in den Traditionen progressiver, gesamtdeutscher, historischer Ereignisse, wie die Märzrevolution 1848/49 oder die Novemberrevolution 1918/19, denen gesellschaftliche Entwicklungen wie die 68er-Bewegung und die friedliche Revolution von 1989/90 folgten. Allerdings erlaubte die internationale Konstellation im Jahr 1953 keine revolutionäre Veränderung in Deutschland...

Die bisherigen Rekonstruktionen des 17. Juni 1953 zeigen jedoch, dass sich kein einheitlicher, an allen Orten ähnlich ablaufender Aufstand ereignete. Stattdessen nahmen die spontanen Erhebungen einen äußerst unterschiedlichen regionalen Verlauf. In den industriellen Ballungsgebieten, etwa Leipzig, Halle, Bitterfeld, Magdeburg, Dresden und Görlitz, erreichte der Aufstand einen zum Teil höheren Organisationsgrad als in Ost-Berlin. Während die Berliner Bauarbeiter vor allem soziale und wirtschaftliche Forderungen vorlegten, wie die Rücknahme der Normerhöhungen oder die Senkung der Lebenshaltungskosten, verfasste die zentrale Streikleitung des Kreises Bitterfeld nachfolgendes Programm,[38] das sie per Telegramm an die Regierung sandte:
1. Rücktritt der sogenannten Deutschen Demokratischen Regierung, die sich durch Wahlmanöver an die Macht gebracht hat
2. Bildung einer provisorischen Regierung aus den fortschrittlichen Werktätigen
3. Zulassung sämtlicher großer Parteien Westdeutschlands
4. Freie, geheime, direkte Wahlen in vier Monaten
5. Freilassung sämtlicher politischer Gefangenen (direkt politischer, sogenannter Wirtschaftsverbrecher und konfessionell Verfolgter)
6. Sofortige Abschaffung der Zonengrenze und Zurückziehung der Volkspolizei
7. Sofortige Normalisierung des Lebensstandards
8. Sofortige Auflösung der sogenannten Volksarmee
9. Keine Repressalien gegen einen Streikenden
Bisher kaum erforscht wurden öffentliche Proteste, die sich auf dem Lande, in den Dörfern und in den Gemeinden bildeten. Als Beispiele seien hierzu die Ereignisse in den Dörfern Zodel oder Ludwigsdorf im Görlitzer Umland genannt.
Ebenso wie die Aufständischen handelten auch die lokalen SED-Funktionäre unterschiedlich. So befahl z. B. Paul Fröhlich zwischen 13 und 14 Uhr den Leipziger VP- und MfS-Angehörigen den Gebrauch ihrer Schusswaffen, obwohl der Ausnahmezustand erst 16 Uhr ausgerufen wurde. Infolge dieses Befehls wurden am frühen Nachmittag des 17. Juni der 19jährige Dieter Teich und eine 64jährige Rentnerin erschossen. Dem Trauerzug mit der aufgebahrten Leiche des Neunzehnjährigen, der vom Dimitroffplatz über den Georgiring bis zum Hauptbahnhof verlief, folgten tausende Leipziger. Dagegen versuchten am 16. Juni Funktionäre wie Fritz Selbmann in Ost-Berlin oder am 17. Juni Otto Buchwitz in Dresden die Streikenden zur Wiederaufnahme ihrer Arbeit zu bewegen. Die SED-Bezirksleitung von Karl-Marx-Stadt versprach den Aufständischen, auf ihre sozialen Forderungen einzugehen, so dass in diesem Bezirk der Juni-Aufstand verhaltener als anderswo verlief. Der dienstlich in Halle weilende SED-Funktionär Fred Oelßner konstituierte – vorerst ohne Rückhalt aus Berlin – eine Bezirkseinsatzleitung (bestehend aus den Chefs der bezirklichen SED-, MfS-, VP- und KVP-Institutionen sowie den sowjetischen Streitkräften), mit dem Ziel, den Aufstand schnell und gewaltsam nieder zu schlagen. Dagegen erhielt der am 17. Juni aus Berlin in den Bezirk Dresden entsandte Fritz Selbmann offizielle Anweisungen von Walter Ulbricht.
Die verschiedenen Streikleitungen bemühten sich, Sachbeschädigungen und Gewalt gegen Personen zu verhindern, wobei sie meist wenig Einfluss auf die Geschehnisse außerhalb ihrer Betriebe hatten. Sie waren außerdem auf die strikte Einhaltung demokratischer Regeln bedacht und vermieden antisowjetische Losungen, da ihnen bewusst war, dass gegen die Sowjetunion keine gesellschaftliche Veränderung in der DDR erreicht wird. In einigen Städten (z. B. Leipzig, Schkeuditz, Görlitz) bildeten sich während des Aufstandes überbetriebliche Organisationsstrukturen heraus, die die bereits spontan entstandenen Massendemonstrationen koordinierten. In anderen Städten (z. B. Dresden, Halle) entwickelten sich die Massendemonstrationen eigendynamisch und unabhängig von den Streikleitungen. Der Anteil ehemaliger NSDAP-Mitglieder war in den Streikleitungen – im Gegensatz zu der späteren SED-Propaganda – sehr gering. Die meisten Streikaktivisten waren parteilos, wobei sich unter ihnen viele ausgeschlossene SED-Mitglieder, darunter häufig ehemalige Sozialdemokraten, befanden. Führende Akteure in den Streikleitungen waren oft ältere Arbeiter, technische oder kaufmännische Angestellte, die auf ihre Erfahrungen im politischen und gewerkschaftlichen Kampf vor 1933 zurückgreifen konnten.
Allerdings konnten sich herausragende Akteure des Aufstands, wie der Berliner Brigadier Alfred Metzdorf, der Görlitzer Rentner Max Latt, der selbständige Fotograf Lothar Markwirth und der Karosseriebauer Erich Maroske aus Niesky oder die Streikführer des VEB ABUS Dresden Wilhelm Grothaus und Fritz Saalfrank nicht als Führungspersönlichkeiten des gesamten Aufstands profilieren. Der Aufstand des 17. Juni war eine spontane Massenerhebung bzw. eine kollektive Volksbewegung ohne zentrale Führung und ohne einheitliche Strategie. Hierin sehen einige Historiker eine Ursache für das Scheitern des Aufstands.
Die Beteiligung Jugendlicher am Aufstand war sehr hoch. So befanden sich unter den zehn auf den Straßen des Bezirkes Leipzig getöteten Demonstranten bzw. standrechtlich Erschossenen sieben junge Männer im Alter zwischen 15 und 25 Jahren. „Die Zeit“ vom 25. Juni 1953 gedachte in einer Traueranzeige acht Berliner Opfern, von denen sechs zwischen 14 und 25 Jahre alt waren. Weil viele Jugendliche sich an den Zerstörungen von Einrichtungen und Symbolen der SED, des MfS und der FDJ beteiligt hatten, war ihr Anteil an Verhafteten und Verurteilten besonders hoch. Von den vom Bezirksgericht Dresden bis zum 23. Juli 1953 Verurteilten waren 16 % im Alter von 14 bis 18 Jahren, 22 % gehörten der Altersgruppe von 18 bis 20 und 17 % der zwischen 20 und 25 Jahren an. Das heißt, mehr als die Hälfte der Verurteilten waren junge Menschen.
Der Aufstand des 17. Juni 1953 ließ jeden in der DDR erkennen, dass das SED-Regime nur mit Hilfe sowjetischer Waffen aufrecht erhalten wird. Um einen weiteren Aufstand auszuschließen, baute die Stasi in den kommenden Jahren ein dichtes Netz der Überwachung und Bespitzelung auf. Die „Abstimmung mit den Füßen“ breiter Bevölkerungsschichten unterband Ulbricht schließlich mit dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961. Allerdings begünstigte die DDR-Sozialpolitik in den folgenden Jahren die Arbeiter der Schwer- und Bauindustrie bei Lohnerhöhungen und Prämien. Die Fürsorge für Rentner und Behinderte blieb dagegen weiterhin auf ein Minimum beschränkt. Die vor 1989 bestehende Opposition formierte sich nicht allein aus der Arbeiterklasse, sondern aus allen Bevölkerungsschichten und konnte dank der Vernunft der sowjetischen Machthaber ihre politischen Ziele erreichen.

Wiedervereinigung als neues Bezugsdatum: Nach der Wende war ursprünglich der Tag des Mauerfalls von 1989, der 9. November, als Nationalfeiertag in der Diskussion. Wegen der Datumsgleichheit mit dem Hitler-Ludendorff-Putsch von 1923 sowie mit der Reichspogromnacht 1938 galt dieses Datum als ungeeignet (vgl. auch 9. November (Deutschland)), so dass der 3. Oktober, der Tag an dem die deutsche Einheit vollzogen wurde, als Nationalfeiertag festgelegt wurde. Dies wurde in Artikel 2 des Einigungsvertrages festgelegt, wodurch der Tag der Deutschen Einheit (seit 1990 mit großem „D“) der einzige gesetzliche Feiertag der Bundesrepublik Deutschland ist, der durch Bundesrecht festgelegt ist. Alle anderen Feiertage sind Ländersache.

Der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober ist laut Einigungsvertrag seit 1990 Deutschlands Nationalfeiertag, da an diesem Datum die deutsche Wiedervereinigung vollzogen wurde. Der 3. Oktober ist ein gesetzlicher Feiertag der Bundesrepublik Deutschland.
Der Tag der Deutschen Einheit ist gleichzeitig Jahrestag der Gründung der fünf neuen Länder.“

Könnte also offen bleiben, ob gewisse "DDR-Hardliner" den 17. Juni so vergessen machen wollten. Damit an die Opfer vielleicht bald nur noch "touristisch" in Berlin erinnert wird – als dort lediglich „regionale“ Historie. Aber die Geschehnisse des 17. Juni 1953 gehören ebenso ins gesamtdeutsche Geschichtsbuch wie die damals vor 20 Jahren. Der 17. Juni 1953 könnte somit Gefahr laufen, in einer Archiv- Statistik zu verschwinden. Dazu jedenfalls wird von hier - nicht beigetragen.

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