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„Holländischer Blumen Jacob“ kurz vor Ostern verstorben

04. April 2018 (HL-Red-RB) Eine leider und traurige "Pflicht", die Nachricht: Jacob Antoon Westerveld, bekannt unter „Holländischer Blumen Jacob“, ist am 26. März, wenige Tage nach seinem 76. Geburtstag verstorben. Bekannt vor allem von seinen überaus typischen wie fröhlichen Pflanzen- und Blumen – Anpreisen vom Verkaufswagen beispielsweise auf dem früheren „Volksfestplatz“ und verschiedensten Veranstaltungen darauf. Gelernt, wie der engagierte und begeisterte Holländer, und soviel sei vorweg verraten, eigentlich Mechaniker gelernt und unter anderem in England bei Lotus gearbeitet hat. Später in Deutschland etwa auf der Autobahn liegen gebliebenen LKWs auf Fahrt gebracht hat und dabei erste Kontakte mit „Marktschreiern“ knüpfte, die nach Hamburg zum Fischmarkt unterwegs waren. Dann selbst von solcher Verkaufsstrategie angesteckt, Blumen und Pflanzen auf diese Art dort anbot. Norddeutsch, wie dort angesagt, wurde kein Problem für ihn – seine sprachliche Mischung von Deutsch und Holländisch war geradezu unnachahmlich, die ebenso ermöglichte, das Publikum – unter vor allem dessen Schadenfreude zu Lasten der Betroffenen – fast bis unter der „Gürtellinie“ hochzunehmen. Ein Stil, mit dem sein Geschäftsumsatz jedoch dafür sorgte, dass sein Verkaufswagen zumeist rasch geleert war.
Schließlich auch ansässig gelang es ihm mit einem dafür fachlich hervorragenden Geschäftsangebot in einer kleinen Halle in der Hamburger Straße Lübecks über Laufkundschaft sehr schnell auch einen treuen Kundenstamm zu gewinnen. Allesamt sehr traurig, als "ihr Blumen Jacob" dort schloss. An die Hände in den Schoß zu legen war für ihn jedoch undenkbar und so beteiligte er sich weiter u. a. mit Blumen und Erbseneintopf mit echter Gulasch-Kanone an Veranstaltungen beispielsweise auf dem Markt und dem lübschen Weihnachtsmarkt.

Absolut unvergessen seine „Visionen“ von und für Veranstaltungen, von denen einige auch in die Tat umgesetzt wurden und einige sogar noch heute „abgekupfert“ weiter stattfinden. Das, und das soll an dieser Stelle auch gesagt werden, hatte er sich damit nicht nur Freunde gemacht. Sagte Oscar Wilde doch „Die Anzahl unserer Neider bestätigt unsere Fähigkeiten“. Sicher ist niemand ohne Fehl – aber die kennt frau/man selbst am besten. Aber darüber nachzudenken, sollte ureigenste Sache sein und bleiben. Ich jedenfalls habe in ihm einen Menschen kennen lernen dürfen, wie er besser nicht hätte sein können, und wofür ich sehr dankbar bin. Dessen Zuverlässigkeit bis Hilfsbereitschaft könnte durchaus Anlass sein, sich selbst einmal zu überdenken.
Ich weiß nicht, ob ich mich als seinen Freund nennen darf. Aber er war uns sehr verbunden und wir hatten bis heute Verbindung gehalten.

An dieser Stelle ein von mir abgefasster Beitrag zu seinem 66. Geburtstag, den ich gerne noch einmal vorstellen möchte:

Jacob Westerveld feiert heute seinen „Sechsundsechzigsten“
Geschrieben von Reinhard Bartsch am 18. März 2008


„…..mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“ sang er eben zwar nicht beim Glückwunsch zu seinem heutigen Geburtstag, aber der Spruch kam natürlich. Wer kennt ihn nicht – den Holländischen Blumen Jacob! Bekannt von seinen legendären „Auftritten“ vom Hamburger Fischmarkt bis auf die großen deutschen Jahrmärkte, bekannt für tolle Ideen, von denen bis heute viele auch oftmals „abgekupfert“ verwirklicht wurden. Wir gratulieren herzlich!

Begonnen hat alles einmal – in Holland natürlich: am 18. März 1942 in Dieren geboren, wuchs er dort auch auf und lernte Mechaniker. Mit 19 Jahren ging er nach England und arbeitete dort bei Lotus (!). Kein Wunder, dass er später bei den Hells Drivers oder ähnlichen Gruppen wie in Lübeck sogar die Monstertrucks ausprobierte.
Nach England Rückkehr in die holländische Heimat, wo er gelegentlich LKWs von Blumenexporteuren reparierte. Oder in Gütersloh, von wo er dann sah, wohin die holländischen Schnittblumen und Topfpflanzen „gingen“. Da war es nicht mehr weit, bis er selbst auf Wochenmärkten zunächst im Ruhrgebiet diese Waren verkaufte. Spätestens auf dem Hamburger Fischmarkt, wo er über 20 Jahre seine legendären Auftritte hatte bzw. auf allen großen Jahrmärkten in Deutschland, entwickelten seine mitunter liebevoll-derben Sprüche. „Aber nie so richtig unter die Gürtellinie“, erzählte er mir vorhin. „Immer mit gutem Stil, immer fröhlich!“ Wer erinnert sich nicht daran, seinen Jahrmarktsbesuch auch hier in Lübeck ohne Kaufabsicht bei ihm am Verkaufswagen mit seinen auch nachdenklichen Späßen abzuschließen. Irgendwann hatte er die meisten so weit, dass sie doch mit einem Arm voller „Grün“ und Blumenerde auf dem Kopf sowie um „20 oder fuffzig Marrrrrrrrrrrrrrrrrrrk“ erleichtert, nach Hause eilten.
Jacob Westerveld ist nach wie vor ein „Querdenker“ voller Idee. Ideen, die oftmals und bis heute von anderen „abgekupftert“ verwirklicht wurden – und werden. Helfen – ein großes Stichwort für ihn: ICEFLOWER hat er einmal in Lübeck gegründet, jetzt hilft er mit Sanitäranlagen beispielsweise im afrikanischen Lagos. Er muss immer etwas um die Ohren haben, scheint es nicht nur. Er ist ständig „in Gange“, wie der Norddeutsche sagt. Das ist er übrigens trotz unverkennbar holländischem Akzent seit 30 Jahren – in seiner Wahlheimat Lübeck. Fährt jede Woche nach Holland um frische Schnittblumen und Topfpflanzen für sein Geschäft an der Hamburger Straße zu holen. „Stress? – überhaupt nicht“, freut er sich. Er braucht das offensichtlich um richtig zu atmen.

Wer noch hin will zu ihm zum gratulieren: auf geht’s. Ob er dann aber gerade auch da ist, darf als „nicht unbedingt sicher“ angesehen werden! „


Hier eine von mir verfasste Vobemerkung zu einem "Offenen Brief", den Jacob Westerveld vor Jahren zu den angekündigten Veränderungen auf dem Lübecker Weihnachtsmarkt schrieb:
"Holländischen Blumen-Jacob, viele Jahre amüsanter "Unterhalter" mit seinem Pflanzenverkauf auf Jahrmärkten wie dem Lübecker Volksfest oder den Matjes- und Kartoffel- wie Kohltagen? Auch auf dem hiesigen Weihnachtsmarkt fröhlicher Anbieter von zunächst einmal Adventskreationen. Er macht sich als kompetenter Fachmann nicht einfach „so“ Gedanken über das, was derzeitig als „Designer-Weihnachtsmarkt“ die zukünftige Attraktivität sichern soll. Als derjenige, der oftmals hervorragende Idee entwickelte, die eher nicht, und wenn – dann oftmals nur kopiert und von „anderen“ - übernommen wurden. Nun steht er durchaus als „Urgestein“ wieder auf dem Weihnachtsmarkt mit „Grün“ in zweierlei Hinsicht: einmal streng „adventlich“, dann bald mit dampfendem aus der „Gulasch-“, Pardon, der Erbsensuppen-Kanone. Was aber passiert ihm? Alle mögliche Welt fragt ihn, „was der Unsinn mit der Neugestaltung des Lübecker Weihnachtsmarktes, also vor allem im Zusammenhang mit den „Buden“ derzeit soll?“ Der Lübeck-Holländer hat darüber nachgedacht und schreibt nun folgenden „Offenen Brief“
...“

Dieser Offene Brief zeigte seine Auffassung, Bewährtes nicht uniform zu vereinheitlichen. Zumal diese nicht nur erhebliche Kosten auf die Aussteller erwarten ließ, sondern die Besucherinnen und Besucher letztlich die ohnehin auf der Grundlage der Stellgebühren hohen Preise treffen würde. Soweit meine Gedanken um Jacob Westerveld, mit denen ich noch einmal an ihn mit "etwas mehr als nur ein paar nachrichtliche Floskeln" erinnern möchte.


In der Nachricht aus Büsum/Lübeck über sein Ableben heißt es u. a.:
"...goede reis en een behoudenn aankommst.
Der Abschiedsgottesdienst findet am Freitag, dem 6. Apil 2018, um 15 Uhr in der Friedhofskapelle Büsum statt. Nach der Kremierung wird die Urne im engsten
Kreis beigesetzt.
"Wer jetzt noch Geld hat...", spende bitte statt Blumen an das Deutsche Krebsforschungszentrum auf das Sonderkonto IBAN: DE78 222 500 2000 84 717 606 bei der Sparkasse Westholstein.

Ich will es schließen:
"Wir werden uns gerne und dankbar an ihn erinnern."
Und diese mit diesen Bildern




Jacob Westerveld mit Joachim Berger und Tochter Myriam auf deren 10-Jahresbestehen ihres "Lübecker Ratskellers" im August 2006 mit demn damaligen Stadtpräsidenten Peter Sünnenwold und Peter Reinhardt (SPD/Mitglied der Lübecker Bürgerschaft)




Jacob Westerveld an seinen Blumenständen.


Fotos © Reinhard Bartsch, Lübeck


Reinhard Bartsch
Herausgeber Lübeck-TeaTime

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