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Agentur für Arbeit Lübeck

LüTeaTime bis Gästeforum

Ja zu bilingualen KiTas - aber Deutsch plus Engl./Französisch

11. März 2017 (HL-Red-RB) Medienecho / Meinung: Was ich gestern in unserer Tagespresse zum Thema "bilinguale KiTas" vernehmen durfte, scheint mir ein paar Generationen zu spät. Habe ich vor vielen Jahren noch bei den Türgem-Jahres - Empfängen im Haus der Mitte in Moisling den Aufruf des türkischen Generalkonsuls mit größter Hochachung vernommen, "...schicken Sie Ihre Kinder so früh wie möglich in die KiTas, damit sie früh ein gutes Deutsch lernen", so scheint sich da inzwischen, und ich weiß nicht, was der Konsul heute fordern würde, einiges geändert zu haben. Zumindest, wenn ich das Anliegen unter der Überschrift „Sollen alle Kindergärten in Lübeck zweisprachig sein“ der Grünen-Partei und Michelle Akyurt, auf die „KiTa im Familienzentrum Buntekuh“ bezogen, verstehe. Ich will gar nicht darauf eingehen, aus welchem Grund der Besuch dort stattfand. Irrtum jedenfalls, von „KiTa im Familienzentrum Buntekuh“ zu sprechen. Das ist schlichtweg falsch; denn es gibt kein Familienzentrum Buntekuh. Es gab vor längerer Zeit einmal eine Sozialberatungsstelle der Hansestadt Lübeck gegenüber im „Ärztehaus“, die aber eingespart wurde. Warum auch immer, zumal vor noch nicht langer Zeit der Bürgermeister Buntekuh als „sozialen Brennpunkt“ nannte. Dazu habe ich auch kürzlich eine Meinung geschrieben, zumal sich gewisse Unternehmen offenkundig „schämen“, sich zum Stadtteil Buntekuh zu bekennen und lieber als ihre Adresse „Herrenholz“ verwenden.
Nun aber - und verschleiernd - so zu tun, als gäbe es zumindest eine KiTa im Famlienzentrum Buntekuh, stellt für mich die Frage – was das soll? Diese KiTa ist lediglich eine „Sprungtuch - KiTa“ in Buntekuh. Nun im heutiger Pressemeldung „bilingual“ genannt, trifft zu. Warum auch immer als deutsch/türkische, kann auch die darin genannte Statistik 40 Prozent „Kinder mit türkischem Ursprung“ bei sonst ingesamt 80 Prozent Migrationshintergrund nicht beantworten.
An dieser Stelle gehe ich auch darauf nicht ein, ob dies daraus eine Forderung sein könnte - oder indirekt gemeint ist. Interessant jedenfalls noch im Folgenden die Auffassung der AWO Schleswig-Holstein dazu, zumal Überlegungen bzw. Entscheidungen zur der neben Deutsch dazu entfallen lassen.

Immerhin leben inzwischen ca. drei Generationen türkischer MitbewohnerInnen in Deutschland. Ich erinnere mich an die TÜRGEM – Jahresempfänge im Haus der Mitte in Moisling vor vielen Jahren, bei denen damals der türkische Generalkonsul aus Hamburg seine Landsleute beschwor, „deren Kinder so rasch wie möglich in die KiTas zu schicken, damit sie gutes Deutsch lernen“. Ob dazu da schon viel Verständnis bei seine Landsleuten ausgelöst wurde, auch hier kein Thema nun. Unstreitig jedenfalls, dass bei ihnen längst großartige schulische Leistungen etwa bei der Abi-Statistik festzustellen sind. Da scheint also kein besondere Anlass mehr zu bestehen, sich für unstreitig vorteilhaft bilinguale KiTas besonders einzusetzen. Nein – nur die Frage, welche Sprache – neben der deutschen.

Dazu verweise ich auf die Auffassung der AWO Schleswig-Holsein, für die dieses Thema längst geklärt und entschieden wurde – zumindest für die von ihnen geführten KiTas. Neben der deutschen entweder die englische oder franzöische.

Wie gesagt – nach mehreren türkischen Generationen hier kann m. E. nur die Konsequenz sein, dass Heimatsprachen gepflegt selbstverständlich werden sollten. Nur eben vorrangig in – den Familien. Oder über „Heimatvereine“, wie dies viele andersprachigen MitbürgerInnen immer schon tun. Aber lesen Sie eben, wie die AWO ihre Entscheidung begründet – und wie bereitsvor einiger Zeit in Lübeck-TeaTime berichtet:

„ Zielsetzung: Zweisprachigkeit in AWO-Kitas:
Wir wollen Kinder begleiten, erziehen, bilden und fördern, wobei die Schwerpunkte unverändert in der körperlichen und geistigen Entwicklung, im Sozialverhalten (Solidarität und Gerechtigkeit, Toleranz und Freiheit), im Umweltbewusstsein und im Wissenserwerb liegen. Die Kinder sollen den nächsten großen Lebens- abschnitt Schule meistern und sich in den gesellschaftlichen Normen und Werten zurechtfinden. Für diese Ziele ist die alters- gemäße Entwicklung ihrer Muttersprache eine Grundvoraussetzung, die durch den Erwerb einer weiteren Sprache nicht beeinträchtigt werden darf. Darüber hinaus ist es unser Ziel, durch das Erlebnis authentischer Mehrsprachigkeit die Kinder zusätzlich auf ihr Europa von morgen vorzubereiten und die Grundlage für Toleranz für anderssprachige Menschen und ihre Kultur zu legen.
Beide Sprachen werden nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen gefördert. Der Leitgedanke ist, dass die Kinder sich auch die zweite Sprache eigenständig aneignen - also spielerisch, kind- und altersgemäß. Die bilingual geführten Kitas der AWO unterscheiden sich von monolingual geführten nur darin, dass zwei Sprachen als Umgangssprachen verwendet werden. D.h., die  bilingualen AWO-Kitas absolvieren das gleiche Programm wie die monolingualen Kindergärten der AWO, nur geschieht dies auf Deutsch und auf Englisch oder Französisch.
 
Zwei Sprachen sind ein kostbares Gut
Kleine Kinder erwerben eine zweite Sprache ebenso mühelos wie die erste. Gleichwohl fördert das frühe Erlernen einer Fremdsprache die gesamte geistige (kognitive) Entwicklung. Zweisprachig betreute Kinder werden sich bewusster über Sprache. Sie lernen flexibel zu denken, und versuchen sich in andere Menschen hinein zu versetzen, die nicht so gut verstehen wie sie selbst. Für mehrsprachige Menschen eröffnen sich neue persönliche Chancen in Schule und Beruf. Sie bekommen Zugang zu fremdsprachigen Filmen und Büchern und wissen sich mit Menschen anderer Nationen zu verständigen.
 

Frühe Mehrsprachigkeit in Kita und Grundschule
Wird die neue Sprache konsequent als Arbeits- und Umgangssprache eingesetzt, erweist sich der Verbund von Kitas und Grundschule als überaus erfolgreich: in den Kitas während des gesamten Tagesverlaufs und in den Grundschulen - falls möglich - im gesamten Unterricht außerhalb des Fachs Deutsch.
 

Ein "Sprachbad" in bilingualen Kindertagesstätten

Die Kita-Kinder der AWO erhalten keinen herkömmlichen Sprachunterricht (wie Eltern ihn aus ihrer Schulzeit kennen), sondern Immersionsunterricht. Eine Kita-Mitarbeiterin spricht nur deutsch, eine weitere ausschließlich die neue Sprache - unterstützt durch Mimik, Gestik und Zeigen. So erhalten die Kinder die Möglichkeit, sich die neue Sprache nach und nach eigenständig aus dem jeweiligen Situationszusammenhang zu erschließen. Dies bildet die natürliche Art nach, wie Kinder Sprache lernen, gleichgültig ab als erste oder zweite Sprache. Ohne Zwang und ohne Leistungsdruck, kindgerechter als andere Methoden überfordert der Immersionsunterricht kein Kind und ist weltweit die erfolgreichste Methode, Kindern Sprachen zu vermitteln.“

Ein klares Bekenntnis zu Europa mit „authentischer Mehrsprachigkeit Kinder zusätzlich auf ihr Europa von morgen vorbereiten“. Nicht mit Türkisch – sondern Englisch und Französisch.

Absolutes „Ja“ also zu bilingualen KiTas. Die Frage aber mit welchen Sprachen – zumal durch die AWO neutral - klar beantwortet. Das darf in Lübeck nun – auch nicht nach der eindeutigen Absicht der Grünen nun - zum politischen Gerangel führen. Auch nicht im Gerangel um irgendwelche Seilschaften, um politische Mehrheit zu sichern...

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