Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren. Klicken Sie hier für weitere Informationen.
Hier klicken, um diese Nachricht nicht mehr anzuzeigen.



Agentur für Arbeit Lübeck

LüTeaTime bis Gästeforum

Migranten bei Feuerwehren unwillkommen? Simple "Demagogie"...

03. Februar 2015 (HL-Red-RB) Meinung: Was bedeutet heute eigentlich noch "Integration". Die kürzliche Nachricht über die Aufnahme eines - ich will sagen "nichtstämmigen" Deutschen oder auch künftigen - in eine Freiwillige Feuerwehr löste schon Kopfschütteln bei mir aus. Tja - eben nicht falsch verstehen: für mich eine völlig normale Sache. Für mich wie von Seiten der Aufnehmenden - jetzt gerade in Trittau. Ich habe mal recherchiert über die Satzung des Stadtfeuerwehrverbandes Lübeck, welche Voraussetzungen zur Aufnahme in die Feuerwehr erfüllt sein müssen. Oder ganz einfach über die Internetseite. Auf Letzterer steht ganz einfach: "Du" willst bei uns mitmachen?! Warum nicht!" Und dann, bei wem man Info bekommt - je nachdem, ob als Jugendlicher oder Erwachsener bei der Freiwilligen Feuerwehr, aktiv oder passiv. Auch zu beruflichen Möglichkeiten. Von "deutsch" steht da gar nichts. Entscheidend vielmehr: "Wir brauchen Dich! Die Feuerwehr, Dein Freund und Helfer". In der Satzung "erstmals" eine gewisse zusätzliche Bedingung: Unter Stadtwehrführung und Stellvertretung (§ 10) taucht dann der Begriff "Ehrenbeamter" als Voraussetzung auf. Dazu fand ich zunächst nur unter dem als Gerichts-Schöffe die Zugehörigkeit "deutsch". Also - wo ist das Problem, "Feuerwehrfrau oder -mann" zu werden oder ein anderes Ehrenamt als "Migrant" zu übernehmen?

Genauer zum Anlass dieser Meinung: Wenn nun also der Landesfeuerwehrverband Schleswig-Holstein mit der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein eine "extra" Kooperation eingeht und diese auch noch betont wie ausführlich publiziert, frage ich mich, warum das nicht längst ein Selbstverständnis ist oder war. Mir jedenfalls ist kein Fall bekannt, in dem beispielsweise türkische Bewerber um die Aufnahme in die Freiwillige Feuerwehr verweigert worden wären.

Und wenn dann auch noch der türkische Kooperationspartner "als Interessenvertretung fordert, dass in allen gesellschaftlichen und öffentlichen Einrichtungen das Spiegelbild der Gesellschaft abgebildet wird. Ziel ist es, dass z.B. in Politik, Vereinen, und Behörden in gleichen Teilen, wie in der Gesellschaft, die Menschen aus Einwandererfamilien repräsentiert und engagiert sind, wie auch bei der Feuerwehr." Weiteres Zitat: "Wir sind froh, dass der Landesfeuerwehrverband Schleswig-Holstein ein Zeichen für Willkommenskultur setzt", teilte Murat Baydaº mit", so aus der eben vorgestellten Pressemeldung des Landesfeuerwehrverbandes.

Klartext: Etwas zu "fordern", bedeutet, etwas bisher versagt bekommen zu haben. Wie gesagt - wo und bei welcher Wehr wurde hier in Schleswig-Holstein ein türkischer Bewerber oder eine türkische Bewerberin die Aufnahme versagt? Da scheint besagte Interessenvertretung wohl selbst in sich versagt zu haben, ihre eigenen "Landsleute" zumindest nicht angemessen informiert oder - darauf aufmerksam gemacht zu haben, dass solches Ehrenamt hervorragend integriert. Dazu hätte es seitens der Feuerwehr absolut keiner besonderen "Einladung" bedurft. Ja - ein sogar im gewissen Sinn dieser "Vorwurf": Integration bedeutet auch, sich selbst zu informieren und aktiv zu werden. Und lang genug im Lande sind unsere türkischen Mitbewohnerinnen und -bewohner, wenn nicht eben Mitbürgerinnen und -bürger, um das ebenso längst zu wissen.

Für mich klingt die ganze "Chose", es läge ein Versäumnis oder gar Fehlverhalten der Feuerwehr vor, was nun mit dieser Kooperation "bereinigt" werden könnte. Nein: Da muss sich besagte Interessenvertretung erst einmal an die "eigene Nase" fassen. Gerne aber Verständnis für den Landesfeuerwehrverband - was blieb dem auch nur, als sich dem (endlich?) zu "öffnen"...

Reinhard Bartsch
Herausgeber Lübeck-TeaTime

Ein übriger Gedanke: Mitunter wäre es sogar von Vorteil, an einer Brandstelle auch der türkischen Sprache mächtig zu sein. Denn das dürfte nicht nur vor Ort "menschlich" helfen, sondern - sogar mehr als trösten.

Impressum