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18.Brahms Festival Lübeck: Brahms und die „Musik des Südens"

30. April 2009 (HL-red.) Vom 2. bis zum 10. Mai feiert die Musikhochschule ihr 18. Brahms-Festival unter dem Motto: „Brahms und die Musik des Südens". Die Werkauswahl des Festivals spiegelt Brahms’ Beziehung zu Italien wieder, dessen Kunst, Geschichte und Lebensart der Komponist verehrte und das er zwischen 1878 und 1893 ganze neunmal bereiste.

Neben Kompositionen von Brahms werden Werke von Scarlatti, Rossini, Wolf-Ferrari und anderen italienischen Komponisten zu hören sein, dazu italienisch inspirierte Musik wie Bachs „Italienisches Konzert" oder Liszt-Bearbeitungen italienischer Opernmelodien. Zudem stehen zwei der diesjährigen Jubilare, die Brahms besonders verehrte, im Mittelpunkt des Programms: Joseph Haydn (1732-1809) und Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847). Das Hochschulorchester mit dem Pianisten Konrad Elser eröffnet das Festival am Samstag, 2. Mai um 20 Uhr unter Leitung des Gastdirigenten Christoph-Mathias Mueller (Göttingen) mit Brahms' 2. Klavierkonzert und Mendelssohns „Italienischer Sinfonie". Auf dem weiteren Festival-Programm stehen Kammermusikkonzerte (Kammermusik I bis V am 6. Mai und 8. Mai um 20 Uhr, 9. Mai um 20 Uhr sowie 22 Uhr und am 10. Mai um 20 Uhr), ein „Präludium“ mit Werken der neuen Hochschul-CD (2. Mai um 18 Uhr), ein Familienkonzert („Reise nach Italien“ am 3. Mai um 15 Uhr), ein Themenabend („Grüßen Sie mir vor allem Siena und Orvieto“ am 4. Mai 20 Uhr), ein Gesangsabend (5. Mai 20 Uhr) sowie eine "lange Claviernacht" (7. Mai um 20 Uhr). Ausführende sind Dozenten der Musikhochschule, herausragende Studierende sowie Gäste. Berlins Generalsuperintendent Ralf Meister beehrt seine alte Heimat und spricht begleitende Worte zu Haydns Streichquartett „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“ (Nachtkonzert am 9. Mai um 22 Uhr). Weiterhin sind vom 2. bis 10. Mai täglich von 14 bis 18 Uhr in der Villa Eschenburg zwei spektakuläre Neuerwerbungen des Brahms-Instituts zu sehen: Brahms` eigenhändige Reinschrift von vier Chorsätzen aus "Sieben Lieder für gemischten Chor" op. 62 sowie die Handschrift des Liedes "Der Überläufer" op. 48. Die wertvollen Handschriften werden im Rahmen des Festivals am Sonntag, 3. Mai um 18 Uhr erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Unter Leitung von Rolf Beck wird die Chorakademie des Schleswig-Holstein Musik-Festivals die Lieder musikalisch präsentieren.

Die Musikhochschule feiert ihr überregional renommiertes Festival zum 18. Mal. 1991, dem Jahr der Gründung des Brahms-Instituts an der Musikhochschule Lübeck, entstand auch das Brahms-Festival, das in der Kultur- und Hochschullandschaft in dieser Form einmalig ist. Das Programm ist unter www.mh-luebeck.de abrufbar.

Karten sind im Vorverkauf bei der „Konzertkasse“ im Hause Weiland (Königstr. 67a, Tel. 0451/702320), im „Klassik-Kontor“ (Königstr. 115, Tel. 705976) sowie bei Global-Graphics (Gr. Petersgrube 8a, Tel. 0451/3973474) für 10 bis 15 Euro (ermäßigt 5 bis 8 Euro) erhältlich. Restkarten gibt es an der Tageskasse eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn. Der Eintritt zum Präludium und zur Ausstellung in der Villa Eschenburg ist frei.


Außerdem:
„Reise nach Italien“ - Erstes Familienkonzert im Rahmen des Brahms-Festivals

Die Musikhochschule lädt im Rahmen ihres Brahms-Festivals am Sonntag, 3. Mai um 15 Uhr erstmals zu einem Familienkonzert ein. Damit möchte sie ausgewählte Programmpunkte des Festivals einem jungen Publikum erschließen.

Unter dem Motto „Reise nach Italien“ steht ein Satz aus Mendelssohn Bartholdys berühmter „Italienischen“ Symphonie und Werke der italienischen Komponisten Paganini, Respighi und Martucci auf dem Programm. Das Hochschulorchester spielt unter Leitung des Gastdirigenten Christoph-Mathias Mueller (Göttingen). Weitere Mitwirkende sind Sophie Heinrich (Violine), Jörg Linowitzki (Kontrabass) sowie eine Schulklasse des Johanneums zu Lübeck.

„Auch Kinder sind bereits in der Lage, komplexe Werke der Musikliteratur zu verstehen, wenn sie entsprechend vermittelt werden. Dennoch haben viele Kinder noch nie ein leibhaftiges Orchester auf der Bühne erlebt“, sagt Prof. Dr. Bernhard Weber, Leiter des Instituts für Schulmusik der Musikhochschule Lübeck, der deshalb das Familienkonzert zusammen mit Kollegen und Schulmusikstudierenden konzipiert hat. Studierende werden die Werke mit Moderationen und Dialogen spielerisch erläutern und ein „Menschenschattenspiel“ aufführen. Es erzählt eine eigene spannende Geschichte, die mit einem Musikstück des Konzertes in Verbindung steht. Die jungen Konzertbesucher werden zudem zum Mitmachen aufgefordert: Sie können beim Mitsingen und Klatschen ihren persönlichen Zugang zur Musik finden.

Die Musikhochschule erarbeitete das Kinderkonzert in Zusammenarbeit mit externen Gastdozenten: Prof. Dr. Florian Söll aus Paderborn leitete das Menschenschattenspiel an, die pädagogischen Einführungen erarbeiteten die Studierenden zusammen mit Prof. Dr. Ernst Klaus Schneider, der in Detmold den Studiengang „Konzertpädagogik“ aufgebaut hat. Das Konzert ist Teil des 18. Brahms-Festivals der Musikhochschule Lübeck, das diesmal unter dem Motto Brahms und die „Musik des Südens“ steht.

Karten sind für 3,50 Euro (Kinder) und 7 Euro (Erwachsene) im Vorverkauf bei der Konzertkasse (Königstr. 67a, Tel. 0451/702320) erhältlich, Restkarten gibt es an der Tageskasse.


Hintergrund zur Medieninformation: "Brahms und Italien"

Das 18. Brahms-Festival Lübeck geht u.a. der Frage nach, inwieweit Brahms’ Begeisterung für Italien sich in seinem kompositorischen Schaffen niedergeschlagen haben mag. Neben dieser nicht immer eindeutig zu beantwortenden Frage, lassen sich in seinem Leben konkrete Spuren einer Italienbegeisterung ausmachen:

Schon die frühen Konzertprogramme mit denen der 15-jährige Brahms in Hamburg auftrat, enthielten im Rahmen der zeitüblichen bunten Programm-Mischung Italienisches: etwa eine Phantasie über Rossini-Motive vom Czerny-Schüler Theodor Döhler, eine „Romanze aus Donizettis Liebestrank“ oder „Air italien für Piano, vorgetragen vom Concertgeber“ (Konzert in Hamburg im September 1848). Auch in den späteren Konzertprogrammen begegnen uns immer wieder einzelne italienische Komponisten (z.B. Cherubini, Scarlatti und Stradella).

In Brahms’ Wohnung in der Wiener Karlsgasse 4 hingen Reproduktionen der „Mona Lisa“ von Leonardo da Vinci, Raffaels „Sixtinische Madonna“, Guido Renis „Apollo im Sonnenwagen“. In seiner Bibliothek fanden sich vor allem die Italiener des 17. und 18. Jahrhunderts, dazu auch eine Partitur des Streichquartettes von Verdi, das 1873 - im selben Jahr wie sein eigenes a-Moll-Quartett - entstanden war.

Die neun Italienreisen, die Brahms zwischen 1878 und 1893 unternahm, unterscheiden sich von allen anderen seiner zahlreichen Auslandsaufenthalte, bei denen es sich um Konzertreisen als Pianist, Dirigent oder Ehrengast handelte. In Italien war er dagegen frei von allen Konzertpflichten und unternahm reine Bildungsreisen in Gesellschaft von Freunden - insbesondere mit dem Wiener Arzt Theodor Billroth oder dem Schweizer Schriftsteller Joseph Viktor Widmann. Ihnen verdanken wir das Wenige, was wir über die Italienaufenthalte von Brahms wissen. Als Jahreszeit für seine Reisen bevorzugte Brahms das Frühjahr: „Es ist der herrlichste Frühling. In Sizilien der erste, hier (in Rom) der zweite, in Wien will ich den dritten genießen“, schrieb er an seinen Verleger Fritz Simrock. Im Mittelpunkt seiner Italienaufenthalte stand immer die Begegnung mit der bildenden Kunst: mit der Antike in Rom und Sizilien, mit Mittelalter und Renaissance in Oberitalien, Umbrien und der Toskana. „Grüßen Sie vor allem Siena und Orvieto“, schrieb er einer befreundeten Dame, „und falls Sie zum ersten Mal hinkommen - seien Sie nicht eilig - zum andernmal werden Sie es ohnehin nicht sein. So etwas will eingesogen sein, dann steht es einem sein Lebtag vor Augen.“ Auf Sizilien liebte Brahms vor allem Taormina, wo er 1878 mit seinem Freund Theodor Billroth herrliche Apriltage verbracht und dieser an Eduard Hanslick geschrieben hatte: „500 Fuß überm rauschenden Meer! Vollmond! Berauschender Duft von Orangenblüten, rotblühender Kaktus .. [...]. Die breite, lange schneebedeckte Fläche des Ätna, Feuersäule! Dazu ein Wein, genannt Monte venere! Zu alledem Johannes in Schwärmerei. Ich in trunkener Frechheit, ihm aus seinen Quartetten vorphantasierend!“

Quelle: Musikhochschule Lübeck



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