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Ein Abend zu Oskar Pastior

31. März 2011 (HL-Red-RB) „Jetzt kann man schreiben, was man will“ - Begrüßung: Antje Peters-Hirt in St. Petri zu Lübeck am Mittwoch, 13. April 2011 um 19.30 Uhr - Eintritt € 10,- /erm. € 8,- Vorverkaufsstellen: Buchhandlung Weiland, Buddenbrookhaus, St. Petri Turmshop Der Abend ist dem Leben und Werk von Oskar Pastior gewidmet. Dazu eingeladen sind Ernest Wichner (Literaturhaus Berlin), Barbara Köhler, Urs Allemann und Ulf Stolterfoht, vier Lyriker und Kenner des Werks, die in einzelnen Lesungen Pastiors Sprachkunst aufleben lassen und Fragen an seinen Werdegang und seine Persönlichkeit stellen.

Der Sprachkünstler Oskar Pastior wurde 1927 in Hermannstadt, Siebenbürgen, geboren und starb 2006 in Frankfurt a. M. Der 17jährige wurde 1945 zur Zwangsarbeit in die Ukraine (Donbaß) deportiert und gelangte erst 1949 zurück nach Rumänien. Er arbeitete als Betontechniker; später studierte er Germanistik in Bukarest; ab 1960 war er Redakteur bei der deutschsprachigen Sendung des Rumänischen Rundfunks. 1961-68 wurde Pastior vom rumänischen Geheimdienst als IM „Stein Otto“ geführt. Seine erste Lyrikveröffentlichung „Offne Worte“ fiel in das Jahr 1964; 1968 floh er in den Westen; er lebte seitdem als freier Schriftsteller und Übersetzer zuerst in München und seit 1969 in Berlin; er erhielt posthum den Georg-Büchner-Preis 2006.
Oskar Pastior, dem während der Frühjahrstagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung die an ihn vorgesehene Verleihung des Büchnerpreises 2006 mitgeteilt wurde. Copyright: Literaturhaus Berlin.
„Improvisationen aus 26 Buchstaben“: Oskar Pastior ist berühmt geworden für seine lyrischen Klangschöpfungen. Christina Weiss nannte Pastiors Stil einmal ein „Jonglieren mit Klängen und Lettern“. Diesem herausragenden Vertreter der experimentellen Lyrik ging es immer um die Versöhnung eines intellektuellen Zugangs mit dem sinnlichen Spiel der „Silbenlaute, der Wortkörper und der Sprachleibe“. Weiss war es auch, die von Pastiors „wortlistiger Rebellion gegen das normative Denken“ sprach.
Was bedeutet es nun, dass dieser Sprachkünstler und Wörtlichnehmer – übrigens auch Ehrendoktor der Lucian-Blaga-Universität Hermannstadt/Sibiu – möglicherweise ein Anfechtbarer, gar ein Verräter geworden ist? Was bedeutet es, eine Verpflichtungserklärung unterschrieben zu haben? Was bedeutet es, für einige Jahre IM zu sein? Was bedeutet es, niemals mit den engsten Freunden wie Herta Müller oder Ernest Wichner über die eigene Verstrickung gesprochen zu haben? Diesen und anderen Fragen werden sich unsere Gäste an diesem Abend zu nähern versuchen.
Gäste des Abends:
Ernest Wichner, (Moderation), 1952 im Banat geborener deutscher Schriftsteller und Leiter des Literaturhauses Berlin; Studium in Temeswar und Berlin; 1975 Übersiedlung nach Deutschland; Wichner begleitete 2004 Oskar Pastior und Herta Müller in die Ukraine an die Lagerorte, an denen Pastior 1945-49 gelebt hat. Er ist Herausgeber der Werke Oskar Pastiors im Carl Hanser Verlag. Zuletzt veröffentlichte er den Gedichtband „bin ganz wie aufgesperrt“, Verlag das Wunderhorn (2010). Er wird in den Pastior-Abend einführen und ihn moderierend begleiten.
Barbara Köhler, die 1959 in Sachsen geborene Schriftstellerin, studierte am Johannes R. Becher-Institut in Leipzig und lebt seit 1994 in Duisburg als Autorin. Besonders bekannt geworden ist sie durch ihre Gedichtbände „Deutsches Roulette“ (1991), „Blue Box“ (1995) und „Niemands Frau“ (2007) sowie ihre Übersetzungen von Gertrude Stein. Sie publiziert im Suhrkamp-Verlag. 2009 war sie „Writer in Residence“ in Oberlin, Ohio.
Urs Allemann, 1948 geborener Schweizer Schriftsteller, der in Bonn und Berlin aufwuchs und in Basel lebt. Sein Prosatext „Babyficker“ löste 1991 einen Skandal aus. Er arbeitete als Redakteur von „Theater heute“ und war Feuilletonredakteur der Basler Zeitung. Er ist bekannt als Lyriker und Poesie-Performer. Seine letzten Publikationen bei Urs Engeler Editor (Basel/Weil) waren die Gedichtbände „Holder die Polder“, „schoen! schoen!“ und „Im Kinde schwirren die Ahnen“.
Ulf Stolterfoht, 1963 in Stuttgart geborener Schriftsteller, wohnhaft in Berlin. Der Germanist, Herausgeber, Lyriker und Übersetzer, wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet, darunter der Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung, den er gemeinsam mit Barbara Köhler erhielt. Zuletzt veröffentlichte er den Gedichtband „holzrauch über heslach“ bei Urs Engeler Editor (2007) und „ammengespräche“ roughbooks (2010).
Nach einer Begrüßung und kurzen Einführung durch Antje Peters-Hirt wird der Autor, Leiter des Literaturhauses Berlin sowie Kurator der Herta Müller-Ausstellung in Lübeck Ernest Wichner die Moderation des Abends übernehmen. Wichner wird die Autoren vorstellen und kurz in ihr Werk einführen. Die Autorin und die anderen drei Autoren werden jeweils ihre Auswahl der Texte Oskar Pastiors zu Gehör bringen.
Im zweiten Teil des Abends wird Ernest Wichner ein Gespräch mit den Autoren über Pastior führen, an dessen Ende sich das Publikum durchaus beteiligen kann.

Alle Texte von Oskar Pastior sind im Hanser Verlag, München, erschienen und von Ernst Wichner oder Michael Krüger herausgegeben. Die vierbändige Werkausgabe erschien zwischen 2003 und 2008 ebenfalls im Hanser Verlag, München.
Ernest Wichner, Oskar Pastior und Gellu Naum Copyright: Literaturhaus Berlin.

Quelle:
Veranstaltungsmanagement
St. Petri zu Lübeck

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