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TW: Kielzugvogel-Comeback von Brändle/Heinz mit DM-Gewinn

25 Juli 2012 (HL-Red-RB) Bergfest bei der 123. Travemünder Woche, und doch kaum Gelegenheit zum Durchatmen. Obwohl sieben Klassen ihre Regatten bereits bis zum Dienstag beendet hatten, reihten sich auch am fünften Wettfahrttag die Höhepunkte aneinander: Finale der Deutsche Meisterschaft der Kielzugvögel, Showdown im Bürgermeister-Rennen, Abschluss der Qualifikations-Runde bei der 29er-Weltmeisterschaft und Start zu den Ranglisten-Rennen der olympischen Laser. Als große Sieger durften sich Manfred Brändle/Joachim Heinz (Wuppertal) und Schleswig-Holsteins Innenminister Andreas Breitner feiern lassen. Brändle/Heinz gewannen den Kielzugvogel-Titel, Breitner siegte im Bürgermeister-Rennen. Die Führung bei den Lasern hat nach dem ersten Tag Michael Zittlau (Kiel) inne.

Im Abschluss-Klassement der Kielzugvögel hatten die neuen Meister Brändle/Heinz einen deutlichen Vorsprung, doch bis zum letzten Rennen waren sich die Titelträger der Meisterschaft über den Erfolg nicht sicher. "Das war schon sehr eng heute. Wir waren mit nur einem Punkt Vorsprung in den Tag gegangen und mussten auf mehrere Gegner achten. Das verlangte schon größte Konzentration. In der letzten Wettfahrt waren die Verfolger dann offenbar zu nervös und waren zu früh über der Startlinie", berichtete das Sieger-Duo, das gerade erst wieder nach einer kürzeren Pause in den Kielzugvogel eingestiegen ist. "Meinen alten Kieler hatte ich verkauft, aber irgendwie ging es doch nicht ohne. Daher habe ich im vergangenen Jahr wieder einen anderen von 1995 gekauft und mich mit JoJo Heinz zusammengetan. Das Material stimmt, die Crew auch", freute sich Brändle. Zu Recht, denn es war ein gelungenes Comeback im Kielzugvogel. Das erste Mal triumphierte der Wuppertaler in dieser Zugvogel-Klasse bei einer DM, nachdem er schon vier nationale Titel bei den Schwertzugvögeln einfahren konnte. "Der Titelgewinn gibt Sicherheit. Jetzt wird im August bei der Deutschen Meisterschaft der Schwerter auch noch einmal angegriffen", hofft Brändle auf das Titel-Double.

In der Laser-Klasse scheint sich Michael Zittlau (Kiel) für die TW-Niederlage im vergangenen Jahr revanchieren zu können. Vor Jahresfrist musste er sich mit dem zweiten Platz begnügen, jetzt segelte er in den ersten drei Rennen drei Siege ein. "Das lief sehr gut. Ich habe immer auf die Fehler der anderen gewartet und bin sehr genau die Böen und Dreher ausgesegelt. Aber ich musste in jedem Rennen schon hart kämpfen", berichtete Zittlau, den mit Travemünde eine besondere Beziehung verbindet. Im vergangenen Jahr hatte er sich als Starkwind-Spezialist präsentiert und war vom Verband aus dem Oman angesprochen worden, ob er sein Fachwissen weitergeben würde. Das tat er, und wurde daher zur Musannah Race Week im Frühjahr nach Oman eingeladen.

Jetzt zeigt "Lehrling" Hussain Al Jabri, dass er sich von Zittlau einiges abgeguckt hat, und rangiert auf Platz fünf. "Das ist schon eine tolle Entwicklung, denn Hussain, der aus einer Fischerfamilie stammt, hat wohl erst vor eineinhalb Jahren mit dem Segeln begonnen." Strömung und die Nervosität der Athleten ließen den Abschluss der Qualifikationsserie der 29er-WM zu einem Vabanque-Spiel werden. Im Kampf um die Plätze in der Goldgruppe drängelnden die Segler an die Startlinie, der starke Strom drückte sie rüber. So mussten die Wettfahrtleiter mehrfach das Starten mit den Akteuren üben, und ohne Disqualifikationen ging es auch nicht ab. Damit zerstoben so manche WM-Träume schon in den Starts. Die Favoriten indes ließen sich davon nicht beeindrucken. Ex-Opti-Weltmeisterin Nappakao Poonpat (Thailand) segelte mit Vorschoter Steven Thomas zwei Siege und einen vierten Rang ein, geht damit als Führende in die Goldflotte, noch vor den WM-Favoriten Carlos Robles/Florian Trittel (Spanien). Einen perfekten Tag erwischten die Schweden Johanna Sommarlund/Marcus Anjemark, die mit drei Siegen auf Platz fünf vorsegelten.

Als beste Deutsche schafften Paul Kohlhoff/Carolina Werner (Kiel) den Sprung in das Finale des ersten Viertel. Als Zehnte sind sie unter den besten 54 Akteuren dabei. Carolina Werner war höchst zufrieden mit dem bisherigen Abschneiden: "Mit zwei fünften Plätzen hatten wir zwei gute Rennen, leider mussten wir dann auch noch einen 15. hinnehmen. Aber es läuft sehr gut. Ein Platz unter den Top-20 ist das Ziel, ein Top-Ten-Rang ein Traum."

Insgesamt sind sieben Deutsche in der Goldflotte dabei. Darunter als 47. auch die Lokalmatadore Ole Kuck/Niclas Kath (Lübeck). Sie mussten zwar ein paar Ausrutschern und auch dem Bruch eines Ruderbeschlages, den sie unter Einsatz von reichlich Klebeband heilten, trotzen, hatten zum Auftakt aber eine gute Serie vorgelegt, die sie ins Finale einziehen ließ. Für die Zwillingsschwestern Jule und Lotta Görge war das Comeback im 29er dagegen kein goldenes. Die beiden Kielerinnen sind bereits in den größeren Skiff umgestiegen, mangels Regatta-Angeboten in der neuen olympischen Frauen-Klasse hatten sie aber nach bestandenem Abitur und überstandener Meniskus-Quetschung von Vorschoterin Lotta die 29er-WM als Saisonhöhepunkt gewählt. Bei schwächeren Winden konnten sie gegen die leichteren Konkurrenten aber ihre Erfahrung nicht ausspielen und starten nun als 76. der Qualifikation in der Silbergruppe.

Am Donnerstag startet die Travemünder Woche nun mit vollem Elan in die zweite Hälfte. Zu den 29ern und Lasern gesellen sich weitere sechs Klassen, darunter die Platu25 mit ihren German Open und die F18-Katamarane mit einem Europa-Cup.



Ergebnisse vom fünften Wettfahrttag der 123. Travemünder Woche

Mittwoch, 25. Juli 2012

Meisterschaften

Weltmeisterschaft der 29er

Gesamtstand nach neun Wettfahrten: 1. Noppakao Poonpat/Steven Thomas (Thailand) 10 Punkte; 2. Carlos Robles/Florian Trittel (Spanien) 11; 3. Owen Bowerman/Morgan Peach (Großbritannien) 15; 4. Lucas Rual/Kevin Fischer (Frankreich) 16; 5. Johanna Sommarlund/Marcus Anjemark (Schweden) 17; 6. Nil Mas/Jordi Llena (Spanien) 26; 7. Christopher Williford/Kai Friesecke (Vereinigte Staaten von Amerika) 32; 8. Ben Batten/Tim Gratton (Großbritannien) 32; 9. Mateo Majdalani/Klaus Lange (Argentinien) 33; 10. Paul Kohlhoff/Carolina Werner (Altenholz) 33; ...; 23. Jasper Steffens/Tom Brauckmann (Kiel) 53; ... ; 46. Charlotte Müller/Thomas Müller (Heidelberg) 81; 47. Ole Kuck/Niclas Kath (Lübeck) 83; 48. Nils Carstensen/Jan Frigge (Flensburg) 84; ... ; 50. Kim Niclas Holste/Yannik Holste (Wunstorf) 89; ... ; 52. Stefan Gieser/Hannes Mandel (Heidelberg) 97.

Internationale Deutsche Meisterschaft Kielzugvögel

Endstand nach neun Wettfahrten: 1. Manfred Brändle/Joachim Heinz (Wuppertal) 27 Punkte; 2. Hans-Günter Besche/Alexander Kost (Attendorn) 37; 3. Axel Fischer/Michael Skotzki (Hannover) 37; 4. Alexander Antrecht/Alexander Gensch (Neustadt) 38; 5. Herbert Kujan/Christian Kujan (Marktoberdorf) 49; 6. Reiner Brockerhoff/Felix Brockerhoff (Duisburg) 49.

Olympische Klassen

Laser Standard

Gesamtstand nach drei Wettfahrten: 1. Michael Zittlau (Kiel) 3 Punkte; 2. Max Kohlhoff (Altenholz) 10; 3. Kai Bertallot (Kiel) 13; 4. Finn Hinzpeter (Lübeck) 14; 5. Hussain Al Jabri (Oman) 20; 6. Dr. Andreas Berg (Hamburg) 25.


Quelle:
Travemünder Woche gemeinn.GmbH
Lübecker Yacht-Club e.V.
Foto: MK/Travemünder Woche
www.travemuender-woche.com

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