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Agentur für Arbeit Lübeck

Tourismus Freizeit Sport

Befragungs-Ergebnisse des Fahrradklimatests in Lübeck

09. September 2010 (HL-Red-RB) ADFC Lübeck veröffentlicht Ergebnisse des Fahrradklimatests Anlässlich der Radreise- und Wandermesse TRAUMPFADE Ende März diesen Jahres hat
der ADFC Lübeck Besucher nach dem Fahrradklima in Lübeck befragt. Grundlage war eine ähnliche Befragung des ADFC Bundesverbandes in den Jahren 1992, 2003 und 2005.

In insgesamt 23 Kategorien konnten Noten zwischen 1 und 6 vergeben werden. Dabei waren
diese beiden Noten jeweils durch einen Satz definiert. In der Kategorie „Alle Bevölkerungsgruppen
fahren Rad“ lauteten die beiden Sätze z.B.:
1 = Bei uns fahren alle Bevölkerungs- und Altersgruppen mit dem Fahrrad
6 = Bei uns ist das Fahrrad eher Fahrzeug für Kinder oder Sportgerät
Während die Lübecker im Jahr 2003 ihrer Stadt noch eine 4- bei der Beurteilung des Fahrradklimas
in der Hansestadt gaben, kam bei den 82 Teilnehmern nun eine Durchschnittsnote
von 4 heraus.
(Ein Ergebnis aus dem Jahr 2005 gibt es mangels Beteiligung nicht).
Von den insgesamt 23 Kategorien schnitten diejenigen am Besten ab, die am ehesten von
den jeweiligen Gefühlen geprägt sind. Sie erhielten alle eine 3+. Dies sind
 Alle Bevölkerungs- und Altersgruppen fahren bei uns mit dem Rad (Durchschnittsnote
2,77)
 Erreichbarkeit des Zentrums (2,78)
 Spaß oder Stress (2,79)
Bei den Themen Falschparker auf Radwegen (4,47), Baustellen (4,59) und Fahrradmitnahme
in Bussen und Bahnen (4,60) gab es dagegen die schlechtesten Noten. Dabei ist bemerkenswert,
dass das Thema Baustellen gleichzeitig die beste Steigerung in den Noten erzielen
konnte. Vor sieben Jahren gab es noch die Durchschnittsnote 5,55.
Die weiteren positiven Entwicklungen gab es beim Thema Ampelschaltungen (von 5,00 auf
4,20) und beim Sicherheitsgefühl (von 4,64 auf 3,90). Dagegen sind die Entwicklungen bei
den Themen Reinigung der Radwege (von 4,18 auf 4,33) und Abstellanlagen (von 3,64 auf
3,76) negativ.
Im Vergleich zu der aktuellen Umfrage spiegeln die Ergebnisse des Jahres 2003 überwiegend
die Meinung der ADFC-Mitglieder wieder. Der Fragebogen wurde damals insbesondere
in der ADFC-Mitgliederzeitschrift RadWelt veröffentlicht. Bei den aktuellen Noten gibt es jedoch
kaum einen Unterschied, ob die Beurteilung durch die Mitglieder des ADFC (3,92) oder
von allen (3,86) erfolgte. 28 % der Befragten waren ADFC-Mitglieder.
Zu einigen Themen:
Alle Bevölkerungs- und Altersgruppen fahren bei uns mit dem Rad - Bei uns ist das
Fahrrad eher Fahrzeug für Kinder oder Sportgerät
Dieses Thema hat insgesamt am Besten (s.o.) abgeschnitten. Gleichzeitig ist aber auch erkennbar,
dass es kaum eine weitere Entwicklung nach oben (1992: 2,82; 2003: 2,82; 2010:
2,77) gegeben hat. Über 20% der Lübeckerinnen und Lübecker erleben das Fahrrad für ein
Fahrzeug für Kinder oder als Sportgerät und nicht als Verkehrsmittel, dass in allen Altersund
Bevölkerungsgruppen genutzt wird. Besonders hoch ist dieser Anteil bei denjenigen, die
das Rad nur gelegentlich nutzen (3,33). Diese Zielgruppe kann sicherlich mit einer stadtweiten
Imagekampagne, wie sie zurzeit gefördert durch das Bundesumweltministerium in Berlin
oder Kiel läuft, erreicht werden.
Besonders kritisch bewerten diese Frage auch die Mitglieder des ADFC (2,91). Hier spielt
wohl, dass persönliche Erleben eine Rolle. In vielen Gesprächen hört man als passionierter
Radfahrer, warum der Gesprächspartner gerade nicht aufs Rad umsteigen kann.
Auf der anderen Seite geben mehr als 15% der Befragten die Note „sehr gut“ und stimmen
damit der ersten These voll zu.
Bei uns ist das Stadtzentrum gut mit dem Fahrrad zu erreichen – Bei uns ist das
Stadtzentrum schlecht mit dem Fahrrad zu erreichen
Dieses Thema hat insgesamt die zweitbeste Note (s.o.) erhalten. Auch die Tendenz ist positiv.
Immerhin gab es vor sieben Jahren noch eine 3- nun schlägt eine 3+ zu buche.
(Ergebnisse 1992: 3,12; 2003: 3,45 und 2010: 2,78)
Überraschend ist, dass die über 60jährigen (2,48) und die nur gelegentlich fahrende (2,50)
die besten Noten gegeben haben. Die Frauen (2,91) und die 41 - 60jährigen (2,95) geben
dagegen die schlechtesten Noten.
Dieses positive Ergebnis sollten die Geschäftsleute in der Altstadt zum Anlass nehmen, die
Zielgruppe „Radfahrer“ ernst zu nehmen und Angebote zu schaffen. Diese Zielgruppe fährt
nicht so schnell nach Dänischburg oder zum Herrenholz.
Bei uns findet man überall an der Straße geeignete Abstellanlagen – Bei uns findet
man an der Straße kaum Abstellanlagen
Das Thema hat neben dem Thema der Reinigung von Radwegen die schlechteste Tendenz.
Während vor 7 Jahren noch ein Mittelwert von 3,64 ermittelt wurde, wurde nun nur noch ein
Wert von 3,72 erreicht. Im Vergleich zu den anderen Fragestellungen konnte keine positive
Entwicklung geschafft werden, ein deutliches Zeichen, dass die Erwartungen in den letzten
Jahren gewachsen sind. Aber auch die immer wieder öffentlich diskutierte überdachte Abstellanlage
am Bahnhof, die dann doch Jahr um Jahr nicht realisiert werden kann, mag das
Ergebnis negativ beeinflusst haben. Ein weiteres Ärgernis für die Radfahrer sind die Werberäder
und Motorroller, die die Abstellanlagen zustellen.
Auffällig ist die unterschiedliche Bewertung zwischen Männern (3,59) und Frauen (3,97). Ursache
hierfür könnte die höheren Ansprüche der Frauen sein. Während die Männer ihre Räder
„nur“ sicher anschließen wollen, haben die Frauen auch das Bedürfnis, dass Be- und
Entladen mit und ohne Körbe problemlos sind. Dafür sind viele Abstellbügel sehr eng bemessen.
Fahrräder kann man einfach und preiswert in öffentlichen Verkehrsmitteln mitnehmen
- Fahrräder in öffentlichen Verkehrsmitteln mitzunehmen ist schwierig und / oder teuer
Obwohl es positive Entwicklungen bei diesem Thema gibt (1992: 5,82; 2003: 4,82 und 2010:
4,60) wurde diese Frage am negativsten bewertet. Mehr als 60% der Befragten gaben die
Noten „ungenügend“ und „mangelhaft“. Bei der Bewertung der Frage spielt es kaum eine
Rolle, ob die Befragten eine Zeitwertkarte haben (4,50) oder nicht (4,62). Vergleichsweise
positiv ist die Bewertung der ADFC-Mitglieder (4,43).
Es scheint, dass mit einer besseren Information über die tatsächlichen Möglichkeiten (kostenlose
Fahrradmitnahme bei Monatskarten im Abonnement, keine Sperrzeiten für Räder)
eine positivere Note leicht erreicht werden könnte. Da jedoch lediglich 2 Räder in einen Bus
passen und Kinderwagen und Rollstühle Vorrang haben, kann es bei intensiver Werbung
auch schnell zu Frustrationen kommen.
An Baustellen werden Radfahrer/innen bequem und sicher vorbeigeführt - An Baustellen
werden Radfahrer/innen meistens zum Absteigen und Schieben gezwungen
Die beste Entwicklung gab es bei diesem Argumentationspaar. (1992: 5,70; 2003: 5,55 und
2010: 4,59) trotzdem ist das Ergebnis die zweitschlechteste Durchschnittsnote, die vergeben
wurde. Auch hier geben fast 60 % der Befragten die Note „ungenügend“ oder „mangelhaft“.
Erwartungsgemäß ist die Note schlechter je häufiger das Fahrrad genutzt wird. (täglich: 4,72;
häufig: 4,45 und gelegentlich: 4,17) Auch die ADFC-Mitglieder geben eher schlechte Noten
(4,87), noch schlechter beurteilen die weiblichen Befragten dieses Thema (4,79).
Sicherlich gibt es nicht mehr an allen Baustellen das Zeichen „Radfahrer absteigen“, aber
vielfach nur so da Baustellen nicht weggeräumt. Hier sind leicht Verbesserungen umsetzbar.
Es ist nicht einzusehen, dass die Baufirmen ihre Bauwerkzeuge während der Konjunkturkrise
auf Radwegen lagern. An anderer Stelle wird auf die letzte Schicht monatelang gewartet. Eine
Überführung auf die Fahrbahn wie sie in der Falkenstraße erfolgte ist dagegen vorbildlich
gewesen.
Radfahren macht Spaß - Radfahren ist Stress
Auch wenn dieses Thema in Lübeck mit der Durchschnittsnote 2,79 das drittbeste Ergebnis
aller abgefragten Kategorien erreicht, ist das Ergebnis im bundesweiten Vergleich entmutigend.
80 % der Bundesbürger haben auf eine entsprechende Frage beim ADFC-Monitor
(durchgeführt von Sinus Sociovision) im vergangenen Jahr geantwortet: „Radfahren macht
Spaß“ zählt man nun alle Bewertungen von sehr gut bis befriedigend zusammen, liegt der
Anteil in Lübeck bei unter 70 %.
Hoffnung für einen besseren Wert besteht durch die jüngeren Teilnehmerinnen und Teilnehmer
der Befragung, bei den bis zu 40jährigen wurde ein Mittelwert von 2,25 erzielt.

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