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Agentur für Arbeit Lübeck

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L. Gallinat zum Opus „Günter Grass im Visier“- „Die Stasi-Akte"

23. Juni 2010 (HL-Red-RB) Es war eine beachtliche Buchpräsentation. Am letzten Dienstag wurde im reichlich gefüllten Lübecker Günter Grass-Haus das jüngst im Christoph Links Verlag, Berlin, erschienene Opus „Günter Grass im Visier“- „Die Stasi-Akte“ -„Eine Dokumentation mit Kommentaren von Günter Grass und Zeitzeugen“ von Kai Schlüter vorgestellt.
Im Mai 1961 gerät Günter Grass ins Visier des Ministeriums für Staatssicherheit, das ihn als ideologischen Gegner ausmacht und bis zum Herbst 1989 engmaschig bewacht. Grass beharrt auf der Einheit der deutschen Literatur, kritisiert die Zensur, hilft unterdrückten Schriftstellerkollegen, fordert Abrüstung und Umweltschutz in Ost und West- um den Preis, dass seine Bücher Jahrzehnte lang in der DDR nicht erscheinen dürfen.
2220 Seiten Akten legen Zeugnis ab vom Kontrollwahn des Geheimdienstes der DDR, offenbaren die Mechanismen der Überwachung, aber auch die Wege, sie zu umgehen.
Der vorliegende Band macht das schwer auffindbare und verstreut archivierte Material erstmals zugänglich, ordnet es chronologisch und thematisch. Günter Grass selbst sowie viele Autorenkollegen und Zeitzeugen liefern mit ihren Kommentaren aufschlussreiche Hintergrundinformationen. Ein Dokument deutscher Literatur- und Zeitgeschichte.
In einem Brief an Anna Seghers hatte Günter Grass nach dem Mauerfall Walter Ulbricht als „KZ-Kommandanten“ bezeichnet. Er war der Stasi „angefallen wegen Provokation, wegen seiner poltrigen und provokanten Art“. Erich Engel sagte angesichts der Aufführung des Stückes „Die Plebejer proben den Aufstand“ von Günter Grass, dass der westdeutsche Autor nichts von Brecht und dem Marxismus wisse. Es handele sich lediglich um eine „SPD-Schmiere“ . Der Literaturnobelpreisträger kritisierte im Gespräch mit Christoph Links scharf die starre Haltung Herrmann Kants, der damals für den angeschlagenen Zustand der systemkritischen Schriftsteller in der DDR verantwortlich gewesen sei.
Günter Grass sagte, dass sich einiges angesammelt habe, um ein gesamtdeutsches Bild zu generieren. Es sei hilfreich, Stilvergleiche mit der Stasi-Akte zu machen, bemerkte der Schriftsteller schließlich ironisch und süffisant.
Der Verleger Christoph Links moderierte die Soiree engagiert und kenntnisreich mit geschickten und erhellenden Fragen an Günter Grass. Jörn Kolpe vom Theater Lübeck las einfühlsam und nuanciert Ausschnitte aus der umfangreichen Dokumentation. Kai Schlüter ergänzte die Lesung und die Gespräche mit klugen Erläuterungen und luziden Kommentaren. Kai Schlüter ist auch Autor des Hörbuches "Deckname Bolzen"- "Günter Grass im Visier der Stasi".
Die Lesung und die Gespräche lösten eine rege Diskussion aus. Alle Akteure wurden am Ende bei dieser Veranstaltung des Günter Grass-Hauses Lübeck und des Christoph Links Verlages, Berlin, mit sehr viel Beifall bedacht.

Lutz Gallinat

© Lutz Gallinat ü/Lübeck-TeaTime (Impressum)

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