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Gründlich vergessen „L’Oracolo“ von Franco Leoni

20. Juli 2010 (HL-Red-RB) Eine veristische Oper, deren Schöpfer ebenso vergessen ist, wie das Werk selbst. Leoni ist ein Zeitgenosse von Puccini, Leoncavallo und Mascagni, aber im Gegsensatzu diesen kennen selbst Musikkenner diesen Namen kaum mehr. Der 1864 geborene Franco Leoni war ein Schüler von Amilcare Ponschielli und Cesare Dominiceti. Nach ersten Erfolgen mit Chorwerken, Opern und Liedern zog Leoni nach London, wo er neben „Rip van Winkle“ Märchen von Hans Christian Andersen veroperte.

Sein eigentlicher Haupterfolg aber wurde „L’Oracolo“. Das Textbuch stammt von dem amerikanischen Journalisten und Publizisten Chester Bailey Fernand, der hier eigene Erlebnisse auf Reisen bis nach China verarbeitet hat. Sein 1897 uraufgeführtes Drama „The Cat and the Cherub“ war ein großer Erfolg. Fernand endete tragisch, als er 1938 bei der Rückkehr von einer Frankreich-Reise von einem Auslegerbaum getroffen wurde und ins Wasser des Hafens von Dover fiel und ertrank.
Leoni hatte eine Aufführung des Schauerdrahms gesehen, das ihm so gefiel, dass er beschloss, es zu vertonen. Dafür wurde der ihm schon bekannte Textdichter Camillo Zanoni hinzugezogen,, der einen blutvollen Bilderbogen eines chinesischen Neujahrstages in einem von Chinesen bewohnten Stadtteil schuf – voller Mystik mit einem Mord und tödlicher Rache.
Dazu schuf Leoni eine prächtige Musik mit viel Exotik – Pentatonik, Celestaklängen, viel Schlagwerk und allerlei Zubehör wie Hahnenschrei, Trommelschlag, Schiffssirenen und menschlichen Stimmen. Die Uraufführung 1905 wurde zu einem großen Erfolg. Das Stück – das seiner Kürze halber mit anderen Kurzopern verbunden werden musste –wurde im angelsächsischen Raum bis 1933 viel gespielt. Dann verschwand es von den Bühnen. 1977 wurde mit Tito Gobbi und Joan Sutherland eine Schallplattenproduktion herausgebracht. Sonst war das Werk kaum zu sehen – um 1990 wurde es von der Kieler Oper ausgegraben. Und jetzt eben in Frankfurt, wo die Oper unter der Musikalischen Leitung des Schweden Stefan Solyom herauskam. Die Solorollen haben Ashely Holland, Peter Sidhom, Franz Meyer, Carlo Ventre, Annalisa Raspagliosdi, und Katharina Magiera übernommen. Großen Anteil an der Produktion hat der Chor.
Musikalisch ein bemerkenswertes Erlebnis – Schade, dass man wohl kaum dieses Operchen live erleben wird.
Franco Leoni, L’Oracolo, OC 952, OehmsClassic


Horst Schinzel
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