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Kultur Wissenschaft Ausbildung

Monika Mann - Die geniale ungeliebte Tochter eines Genies

20. Juli 2010 (HL-Red-RB) Die sechs Kinder des „Zauberers“ Thomas Mann haben es allesamt im Leben nicht leicht gehabt. Wer als Kind eines Genies in das Leben tritt, m u s s zwangsläufig an den damit verbundenen Erwartungen zerbrechen. Die 1910 geborene als viertes Kind geborene, 1992 gestorbene Tochter Monika ist überdies von ihren Eltern zwar nicht völlig abgelehnt, aber doch von allen Sechs am wenigsten verstanden worden. Das Erstaunliche: Monika ist – allen Schicksalsschlägen zum Trotz – am besten mit ihrem Leben zurecht gekommen.

Jetzt hat die in Tutzing lebende Literaturwissenschaftlerin Karin Andert (67) die erste Biografie dieser Mann-Tochter überhaupt heraus gebracht Es ist ein erstaunliches Bild, das sie von diesem vierten Kind zeichnet.
Monika Mann besaß viele Talente. Schon als Kind beeindruckte sie die Muter mit ihrer Sprachbegabung und der Liebe zum Musik. Sie konnte früh gut singen und pfeifen. Allerdings galt sie als bockig – bei d e r Erziehung kaum ein Wunder. Ihre schulische Karriere – unter anderem in Salem – misslang. Lange Zeit war sich Monika nicht schlüssig, was sie überhaupt werden wollte. Sie unterzog sich einer eingehenden Ausbildung als Pianistin, die sie aber nicht abgeschlossen hat – wohl, weil sie fühlte, dass sie ihren eigenen Ansprüchen nicht genügen konnte.


Monika heiratete einen ungarischen Kunstwissenschaftler. Die Schiffsreise in das vermeintlichsichere Kanada endete in einer Katastrophe. Der Konvoi wurde von einem deutschen U-Boot angegriffen, das Passagierdampfer versenkt. Ihr Mann ertrank neben ihr. Sei wurde gerettet. Erstaunlicherweise reiste sie wenige Wochen später auf einem anderen Schiff in die USA. Dort versuchte sie, auf Kosten ihres auch in der Emigration betuchten Vaters
ein eigenes Leben zu entwickeln.
Bis nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Monika keine Bestimmung gefunden. Erst als zu einer dramatischen Auseinandersetzung mit den Eltern gekommen war, entdeckte Monika ihre schriftstellerischen Talente. Die reichten zwar nicht zur großen Form. Sie hat sich an verschiedenen Büchern und Essays versucht – Einiges ist auch gedruckt worden. Ihre eigentliche Bestimmung fand sie als Kulturjorrnalsitin und Publizistin. Vierzig Jahre hat sie vor allem für schweizerische Zeitungen viel geschrieben. So viel, dass die Erträge ihr unabhngig von den Zuwendungen ihrer Eltern und später dem großen Erbe ein angenehmes Leben auf Capri ermöglichten, wo sie mit einem einfachen Mann der Region jahrzehntelang zufrieden zusammen gelebt hat.
Nach dessen Tode versiegte ihr Schreiben. Italien war ihr verleidet und die letzten Jahre verbrachte sie in der
Familie des Adoptivsohns ihres Bruders Golo.
Monika Mann publizistisches Schaffen ist – wohl weil die Schweiz doch im „großen Kanton im Norden“ kaum beachtet wird – von der literarischen Welt kaum beachtet worden. Dabei hatte sie mit vielen literarischen und musikalischen Größen ihrer Zeit brieflichen und teilweise auch persönlichen Kontakt. Sicher war Monika Mann ein Kleinmeister, aber sie hat ein zufriedenes und beschauliches Leben geführt. Das können nicht Alle von sich sagen…
Karin Andert, Monika Mann. Eine Biografie, 2010, Mare-Verlag, Hamburg.

Horst Schinzel
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