Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren. Klicken Sie hier für weitere Informationen.
Hier klicken, um diese Nachricht nicht mehr anzuzeigen.



Agentur für Arbeit Lübeck

Kultur Wissenschaft Ausbildung

L. Gallinat zur Lesung Bruno Schulz' "Die Zimtläden"

16. Juli 2010 (HL-Red-RB) Eine Sternstunde erlebten Bibliophile zum Auftakt des "Literatursommers Polen" in der gut gefüllten Kirche St. Petri zu Lübeck. Im Zentrum der Soiree stand am letzten Montag das 2009 bei dtv, München, erschienene Opus "Die Zimtläden" von Bruno Schulz.
In dieser Sammlung phantastischer Erzählungen lässt Bruno Schulz die versunkene Welt eines galizischen Städtchens lebendig werden. Schein und Wirklichkeit verschwimmen in der wunderlichen Umgebung, in der die Menschen berauschende Sommertage, aber auch stockfinstere Sturmnächte erleben. Kunstvoll beschreibt Bruno Schulz verwirrende Verwandlungen und erzählt von funkelnden Kirschen, schwarzen, verschlungenen Labyrinthen und langen Zimmerfluchten- Meistererzählungen über die Mythen der Kindheit in einer hochgelobten Neuübersetzung.
Schulz`Genie besteht darin, dass dieser Schriftsteller durch die Deformierung der Wirklichkeit bis zu den innersten, tief versteckten Winkeln der menschlichen Seele vordringt. Seine Sprachkunst trifft uns- ja betäubt sogar- mit ihrem Übermaß an Schönheit. Manchmal schrieb er wie Kafka, manchmal wie Proust, und mit der Zeit gelang ihm eine Tiefe, die keiner von beiden erreicht hat.
Bruno Schulz wurde am 12.Juli 1892 als Sohn eines jüdischen Textilhändlers in Drohobycz/Galizien geboren. Nach dem Abitur wollte er Maler werden, doch die finanziellen Verhältnisse machten ein Architekturstudium ratsam. Krankheiten, der Tod des Vaters und die wirtschaftliche Situation zwangen ihn, sich als Zeichenlehrer zu verdingen. Daneben arbeitete er als Maler und Graphiker und begann zu schreiben. 1936 wurde er mit dem "Goldenen Lorbeer" der Polnischen Akademie für Literatur ausgezeichnet. 1942 kam er ins Ghetto; wenig später wurde er von der Gestapo erschossen.
Antje Peters-Hirt, St.Petri-Kuratorium, führte zunächst mit dem Vortrag des leider verhinderten Michael Krüger, Hanser Verlag, München, in das Werk von Bruno Schulz ein. Es folgte die einfühlsame und nuancierte Lesung "Die Zimtläden" von Rainer Luxem. Antje Peters-Hirt sprach dann schließlich zur Neu-Übersetzung von Bruno Schulz verständnisvoll und engagiert mit der Überstzerin Doreen Daume zur Übersetzungsproblematik. Die Übersetzerin Doreen Daume, geboren 1957, wurde für ihre Übertragung der "Zimtläden" mit dem renommierten Zuger Übersetzerstipendium ausgezeichnet. Sie bot schließlich eine Leseprobe auf polnisch und las mit viel Verve und Esprit die Geschichte "Die Vögel".
Für die kongeniale musikalische Umrahmung sorgten Selen Schaper, Oboe, und Lars Schaper, Kontrabass, mit dem Stück "Cinque Frammenti" von Donald Martino, 1992.
Alle Akteure wurden schließlich mit sehr viel Beifall bedacht.

Lutz Gallinat

© Lutz Gallinat ü/Lübeck-TeaTime (Impressum)

Impressum