Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren. Klicken Sie hier für weitere Informationen.
Hier klicken, um diese Nachricht nicht mehr anzuzeigen.



Agentur für Arbeit Lübeck

Kultur Wissenschaft Ausbildung

Lutz Gallinat zum geistlichen Konzert in der Thomaskirche

06. Juli 2010 (HL-Red-RB) Es war eine feierliche und anspruchsvolle Veranstaltung. Am letzten Sonntag wurde in der vollbesetzten Lübecker St.Thomaskirche nach einführenden Worten von Pastorin Gabriela Jacke unter der Leitung Iris Wolffs ein geistliches Konzert geboten.
Am Anfang stand Georg Friedrich Händels Konzert für Orgel und Orchester, F-Dur, op.4, Nr.4.
Es folgte Dieterich Buxtehudes Kantate BuxWV 60, "Jesu, meine Freude", für Sopran und Bass, dreistimmig gemischten Chor, Streichorchester und Basso continuo.
Es wurden dann zwei geistliche Lieder, op.96, für Sopran, Chor und Klavier und das Adagio aus der Sonate c-Moll, op.65, für Orgel von Felix Mendelssohn-Bartholdy geboten.
Den Abschluss, aber zugleich auch den Höhepunkt bildete Johann Sebastian Bachs Kantate BWV 106, "Actus tragicus", "Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit", für Sopran-, Alt-, Bass-Solo, Chor und Orchester.
Der Schlusschoral "Glorie, Lob, Ehr und Herrlichkeit" wird von Orchesterritornellen eingeleitet und unterbrochen. Nur wenige Kantaten haben ihre Einzigartigkeit oder Volkstümlichkeit wegen Beinamen erhalten; zu ihnen gehört der sog. "Actus tragicus", eine Sterbekantate, die bereits um 1707 in Mühlhausen komponiert worden ist. Sie entstand als Trauermusik zu uns nicht bekanntem Anlass. Das Thema, der Tod als Tor zum Einswerden mit Jesus, war Bach wohlvertraut seit seinen Kindertagen, in denen er den Tod von Geschwistern und Eltern erlebte.
Die letzte Zeile, "durch Jesum Christum. Amen", weitet sich zu einer brilanten Fuge aus, der Trauergottesdienst endet mit Gotteslob. Aber an die klangstarke Schlusskadenz des Chores sind zwei Akkorde, Dominante und Tonika, angehängt, von den Instrumenten, Flöten, Gamben und Bässen, piano gespielt: der Klang der Wehmut, mit dem das Ganze begann, hallt über den tröstlichen Schluss hinaus. Diese frühe Kantate ist ein Meisterwerk, das im Schaffen Bachs einzig dasteht, nicht nur wegen des rein biblischen Textes, sondern auch wegen ihrer durchkomponierten, improvisatorisch freien Form, die die ungebrochne Einheit der Stimmung verbürgt. Der tiefe Ernst und die geistige Überlegenheit, mit denen der junge Bach das Thema des Todes bewältigte, haben dem Werk besondere Bewunderung verschafft.
Anne-Kristin Blöß bot bei dieser Veranstaltung einen hellen, klaren Sopran und war auch in den Höhen sicher. Ulrike Hillers Alt war sangbar und grundiert, Walter Schmidt präsentierte einen farbigen und harmonischen Tenor. Junjae Chois Bass war kraft- und ausdrucksvoll. Kai Schüler, Orgel, Thomas Martens, Klavier und Cembalo, Bärbel Kuras-Berlin, Birgit Puttkammer-Weber, Altblockflöte, Birgit Sader, Anneliese Sommer, Oboe, und Armgard Lüders und Angelika Weiler-Menzel, Gambe, spielten virtuos und brillant. Der St.Thomas-Chor und das Orchester wurden sicher und engagiert von Iris Wolff geleitet.

Alle Akteure wurden schließlich mit sehr viel Beifall bedacht, wofür sie sich mit dem Schlusschoral der Bachkantate bedankten.

Lutz Gallinat

© Lutz Gallinat ü/Lübeck-TeaTime (Impressum)

Impressum