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Agentur für Arbeit Lübeck

Kultur Wissenschaft Ausbildung

L.Gallinat zu Dr.B.Hornemann „Prinzip Utopie gestern und heute“

10. Juni 2010 (HL-Red-RB) "Es war eine anspruchsvolle und brisante philosophische Matinee", schreibt Lutz Gallinat. "Am 30.Mai 2010 sprach Heleno Sana nach einführenden Worten Dr.Bernd Bornemanns in der Lübecker Kulturwerkstatt „b“ auf Einladung der Hanse-Akademie über das Thema „Das Prinzip Utopie gestern und heute“.
In seinen zahlreichen Büchern geht es Heleno Sana, geb. 1930 in Barcelona, Ehrenmitglied der Hanse-Akademie, stets um das Humanum.
Wie kaum ein zweiter Kulturkritiker hatte er bereits die uns gerade besonders heftig, scheinbar unerwartet, ereilenden Krisen im westlichen „Wertesystem“ dank seiner profunden Kenntnis der Geschichte und seines unbeirrten Mutes zur Wahrhaftigkeit vorausgesehen.
Wo es Schmerz gibt, entsteht das spontane Bedürfnis, ihn zu überwinden. Hier liegen die Wurzeln der utopischen Projektion. Und da die Weltgeschichte nicht nur, aber vorwiegend aus Unglück bestand, hat es praktisch keine Epoche, keine Zivilisation und keine Gesellschaft gegeben, die ihre eigene utopische Vision nicht hervorgebracht hätte. Neben der realen Geschichte gab es entsprechend immer eine Geschichte des Nicht-Realen bzw. rein Imaginären. Oder wie Karl Mannheim in seinem Buch „Ideologie und Utopie“ schrieb: „Wunschträume begleiten von jeher das menschlich-historische Geschehen: Mythen, Märchen, religiöse Jenseitsvorstellungen, humanistische Phantasien, Reiseromane waren stets wechselnder Ausdruck dessen, was das verwirklichte Leben nicht enthielt“.
Das Getriebe der Welt wie unser eigenes Dasein sind noch flacher geworden als in der Zeit, in der sich Herbert Marcuse mit dieser Problematik befasste und den Begriff „eindimensionaler Mensch“ prägte. Und noch weniger teilt der heutige Mensch die Illusionen, die er sich über die Zukunft machte, was natürlich auch für die utopischen Entwürfe Ernst Blochs, Martin Bubers und andere Denker und Ideologen gilt. Der Mensch hat keine Vision mehr, die die Grenzen seines Alltags überschreitet. Mehr oder weniger sind wir alle Gefangene der positivistischen und instrumentellen Grundausrichtung der gegenwärtigen Welt geworden.
Solange der Mensch nicht lernt, aus eigener Verantwortung sich mit den Fragen seines Menschseins zu befassen, ist er dazu verdammt, sich auf die Pseudo-Antworten des herrschenden Diskurses zu verlassen. Der Zweck dieser Auseinandersetzung mit dem eigenen Selbst ist allerdings nicht, uns gemütlich in unserer Innerlichkeit einzurichten. Sie soll uns vielmehr die Grundbedingung vermitteln, die wir brauchen, um uns gegen das Äussere zu wehren, das uns enthumanisiert, erdrückt und zerstört, wie der Referent sagte.
Als Teilnehmer an dieser sokratisch fragenden Matinee konnten die Zuhörerinnen und Zuhörer, nachdem Heleno Sana gesprochen hatte, eigene Fragen und auch seine Aussagen in Frage stellen.
Man kam im Bewusstsein ein gutes Stück voran und fand sogar einige Utopien und Antworten angesichts der verwirrenden, mitunter gar hoffnungslos erscheinenden Probleme unserer Zeit.
Heleno Sana wurde nach einer regen Diskussion unter der Leitung Dr. Bernd Bornemanns mit sehr viel Beifall bedacht."

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