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Kultur Wissenschaft Ausbildung

Gounods „Faust“ im Theater Kiel: Faszination des Bösen

08. Juni 2010 (HL-Red-RB) HS-Kulturkorrespondenz -Gounods „Faust“: Faszination des Bösen - Von Horst Schinzel: "Die Opern des französischen Komponisten Charles Gounod (1818 – 1893) werden in den letzten Jahrzehnten im deutschen Sprachraum selten gespielt. In Frankreich gehören sie bis heute zum kulturellen Erbe. Als seine Oper „Faust“ 1859 herauskam – zehn Jahre später um Rezitative ergänzt -, empfand das deutsche Bildungsbürgertum dieses Musikwerk geradezu als Sakrileg gegenüber Goethe. Dass dem durchaus nicht so ist, kann man jetzt in Kiel sehen. Dort ist es als letztes Werk dieser Spielzeit – das in die kommende übernommen wird – am ersten Juni-Sonnabend herausgekommen.
Gounod hält sich weitgehend an Goethe, wobei er das Drama um die zu dieser Zeit in Frankreich unvermeidlichen Ballettszenen ergänzt. Und er kennt Carl Maria von Weber und dessen „Freischütz“ gut – Reminiszensen, die in der Kieler Inszenierung von Georg Köhl stark betont werden. Das fängt mit dem Mephistopheles an, in dem wir Webers Samiel wieder kennen, geht über die Kirmesszene, die Köhl nach Art des Jungfernchors gestaltet, bis hin zum Auftritt der Veteranen im 3. Akt. Der wird in Kiel zu einer Art gewendeter Jägerchor. Die von Krankenschwestern im Rollstuhl auf die Bühne geschobenen Blessierten bieten ein Bild des Jammers. Sie können kaum mehr die Winkelemente schwenken, und ihr Lobpreis des Heldentums wird zur Karrikatur. Auch sonst sind Köhl zusammen mit dem Chordirektor David Maiwald großartige Massenszenen gelungen. Die fantasievollen Kostüme verantwortet Claudia Spielmann, während für das stark mystizierende Bühnenbild Norbert Ziermann zeichnet.




Foto über Theater Kiel/Verfasser


Sonst aber ist die Atmosphäre an diesem Abend scher schwül. Wozu die vom neuen Zweiten Kapellmeister Mariano Rivas sehr langsam genommen Tempi wesentlich beitragen. Das Philharmonische Orchester spielt so zurückhaltend, um das Wesentliche zu betonen: Die Faszination des Bösen. In der steigern sich der zu neuer Jugend erblühte Doktor Faust des Yoonki Baek und der Mephistopheles des Kemal Yasar darstellerisch und sängerisch zu herausragend guten Leistungen. Neben diesen Beiden ist Susan Gouthro als Marguerite von atemberabender Präsenz. Besonders eindrucksvoll, wie gleichsam lässig sie die Ballade vom „König vom Thule“ vorträgt. Marina Fideli als Marthe Schwertlein verschwendet ihre aufregenden Verführungskünste –
Immerhin ist ihr gerade doch erst die Nachricht vom Tode ihres Mannes überbracht worden – an einem Teufel, dem dieses Spiel zu viel wird und der sich in die Büsche schlägt. Mirja Mäkelä überzeugt in der Hosenrolle des Siébel.
Dabei beginnt der Abend etwas polterig. Nach der Ersten Szene klemmt ein Zug, und die Vorstellung muss für fünf Minuten unterbrochen werden. Danach ist der sonst in dieser Aufführung herausragend gute Tomohiro Takada als Valentin so nervös, dass es in seiner Abschiedsarie zweimal einen hohen Ton nicht trifft. Das Premierenpublikum nimmt’s gelassen….Wie es überhaupt beifallsfreudig ist und am Schluss mit sehr lebhaftem Beifall dankt. Allerdings: Nach der Pause bleiben im ohnehin nicht ausverkauften Saal etliche Lätze leer.

Weitete Aufführungen:

15. Juni und 1. Juli, jeweils 19.30 Uhr, 4. Juli 18 Uhr.


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