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L. Gallinat: "Literatur im Gespräch" - "Die Geschichten Jaakobs"

05. Juni 2010 (HL-Red-RB) Autoren haben nicht für Wissenschaftler geschrieben, sondern für Leser, die sich von einer gut erzählten Geschichte und schöner Sprache mitreißen lassen. Ein besonderes Vergnügen entsteht, wenn man sich in geselliger Runde über seine Leserlebnisse austauschen kann.
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Literatur im Gespräch" wurde am letzten Mittwoch unter der Leitung Prof.Dr. Hans Wisskirchens über "Die Geschichten Jaakobs" - "Vorspiel Höllenfahrt" diskutiert. Das Eingangskapitel von Thomas Manns opus magnum "Joseph und seine Brüder" verschreckt viele Leser. Gemeinsam sollte diese Hürde überwunden werden.

In weitausholender Breite berichtet Jaakob zunächst von seinem Vater Abraham und erzählt dann seine eigene Geschichte. Im Wechsel zwischen epischer Erzählung- reich an neu erfundenen Szenen und Figuren- und gedanklichen, religions-philosophischen Erörterungen wird dann Josephs Entwicklung, seine Wandlung und Erhöhung in Ägypten erzählt. Thomas Mann will an Josephs Geschichte das Fortschreiten von der religiös-patriarchalischen, nomadischen Frühkultur zur ethisch-rationalistischen, städtischen Spätkultur deutlich machen. Mit den Worten des Dichters selbst heißt dies: "Ich erzählte die Geburt des Ich aus dem mythischen Kollektiv, des abrahamitischen Ich, welches anspruchsvoller Weise dafür hält, dass der Mensch nur dem Höchsten dienen dürfe, woraus die Entdeckung Gottes folgt. Der Anspruch des menschlichen Ich auf zentrale Wichtigkeit ist die Voraussetzung für die Entdeckung Gottes, und von Anbeginn ist das Pathos für die Würde des Ich mit dem für die Würde der Menschheit verbunden." Thomas Mann will die Kulturgeschichte des Glaubens als Naturgeschichte des Menschen erklären und den Mythos nach den Erkenntnissen der modernen Psychologie deuten. Aus dem dunklen mythischen Gewölk führt er hinab in die "vernünftige" Wirklichkeit des Lebens.
Indem er am Beispiel Josephs zeigen will, wie der Mensch " von irdischer Erkenntnis heraufwächst zum Wissen um Gott", hat er in Wahrheit Offenbarung, Wunder und göttliches Geheimnis zugunsten von Psychoanalyse und rationalistischem Fortschrittsglauben verabschiedet. Der Mensch rettet sich nicht aus dem Chaos der Welt, indem er im Herzen die Worte der göttlichen Offenbarung bewahrt, sondern "Gott gelangt mit Hilfe des Menschengeists zur Vollendung".
Prof.Dr. Hans Wisskirchen wurde schließlich für seine engagierte und kenntnisreiche Moderation von den zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörern mit sehr viel Beifall bedacht."

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