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Eutin: Zoff um die Weber-Tage

24. Mai 2010 (HL-Red-RB) In ihren Anfängen gehen die „Weber-Tage“ in der Geburtsstadt des Komponisten Eutin an die 25 Jahre zurück.
Noch zu DDR-Zeiten wurde um den vermutlichen Geburtstag des Schöpfers des „“Freischütz“ – 18. November – herum mit führenden Vertretern des Dresdner Kulturlebens wie dem damaligen Intendanten der Semper-Oper gefeiert. Dann gab es ein festliches Essen, zu dem der damalige Pächter des „Fissauer Fährhauses“ lud. Daraus entwickelte sich eine Veranstaltungsfolge, zu der einige Jahre lang auch Vertreter der Geburtsstadt der Muter Carl Maria Markredwitz eingeladen wurden. Das alles ist in den letzten Jahren zu einer Reihe von Konzerten und Vorträgen zum Thema Carl Maria von Weber zusammen geschmolzen.
Nun aber gibt es Ärger. Und der war voraus zu sehen. Im vorigen Jahr hat sich der Kulturausschuss der Stadtvertretung in mehreren Sitzungen mit der Frage befasst, ob ein Zuschuss zu dieser Veranstaltungsreihe noch vertretbar sei. Dazu hat sich der Ausschuss die – mehr als dürftigen – Besucherzahlen vorlegen. Und ist zum Schluss gekommen, dass allein schon ob des Umstandes, dass die Stadt in den letzten beiden Jahren über 600.000 Euro den Festspielen zu schießen mussten – wenngleich als Darlehn deklariert, ob die werden noch eher verloren sein als die Griechenland-Hilfe – weitere Ausgaben nicht zu rechtfertigen seien.
Die Internationale Carl-Maria –von-Weber—Gesellschaft reagierte verschnupft. Am meisten über ein kolportiertes Zitat des SPD-Stadtvertreters Karl-Heinz Jepp – ganz gewiss kein Kulturbanause -, Weber habe in Eutin doch nur in die Windeln gemacht – Jepp soll sich drastischer ausgedrückt haben Ganz besonders verärgert aber ist der Musiker und Kulturnager Martin Karl-Wagner. Es sei das letzte Mal, dass er sich an dieser Veranstaltungsfolge beteilige, hat er bei der Vorstellung der diesjährigen Programmfolge geschimpft.
Nun ist der umtriebige Musiker und Musikmanager in der Kulturszene Ostholsteins nicht ganz umumstritten.
Vor zwei Jahrzehnten begann sein örtliches Wirken als „Intendant“ der Sommerkonzerte. Auch damals hat er im Zorn hingeworfen, teils, weil er seine Bemühungen nicht genug gewürdigt sah, teils, weil auch das Geld eine Rolle spielte. Karl-Wagner hat in den letzten Jahrzehnten mehrere Ensembles aufgebaut, mit denen er ganzjährig zwischen Stormarn und Angeln in Herrenhäusern und Hotels nach Art der früheren Kurkapellen auftritt. Zweifellos leisten Karl-Wagner und sie Seinen viel Gutes. Zuviel des Guten, wie Mitbewerber meinen.
Karl-Wagner veranstaltet diese Konzerte wie üblich auf der Grundlage der Beteiligung an den Erlösen. Ihn ficht an, dass der Eutiner Kulturbund derartige Veranstaltungen mit dem städtischen Zuschuss subventionieren kann.

Womit Martin Karl-Wagner nur zu Recht hat. Allerdings anders, als er es sieht. In einer Zeit, in der in Lübeck acht Boulevardtheater um die Gunst des Publikums buhlen, von den vielen Musikveranstaltern gar nicht zu reden, ist es nicht mehr vertretbar, dass der Kulturbund Geld der Stadt dazu verwendet, um Theaterprinzipalen und Musikern einen festen Erlös zu garantieren. Von ihnen kann wie von allen Kulturschaffenden, die nach Eutin kommen oder hier wirken, verlangt werden, dass sie auf der üblichen Grundlage von meist 75 Prozent der Erlöse arbeiten. Das Geld der Stadt sollte der Kulturbund für Verwaltungsarbeit, Werbung und sonstige Organisationsaufgaben verwenden.

Horst Schinzel
HS-Kulturkorrespondenz

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