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L. Gallinat zu Moritz Rinkes Lesung dessen Debüt-Romans

15. Mai 2010 (HL-Red-RB) Es war ein exzeptionelles Hörerlebnis. Am 11.Mai 2010 las Moritz Rinke im vollbesetzten Lübecker Buddenbrookhaus aus seinem jüngst bei Kiepenheuer&Witsch, Köln, erschienenen Debütroman "Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel". Ausgerechnet als Paul Wendland in Berlin mit seinem Leben und seinen kuriosen Kunstprojekten in die Zukunft starten will, holt ihn die Vergangenheit ein. In Worpswede drohen das geschichtsträchtige Haus seines Großvaters und sein Erbe im Moor zu versinken- samt lebensgroßen Bronzestatuen von Luther über Bismarck bis zu Max Schmeling und Ringo Starr. Die Reise zurück an den Ort der Kindheit zwischen mörderischem Teufelsmoor, norddeutschem Butterkuchen und traditionsumwitterter Künstlerkolonie nimmt eine verhängnisvolle Wendung. Vergessen geglaubte Familienfragen, aus dem Moor steigende historische Gestalten und die skurrile Begegnung mit einem mysteriösen Vergangenheitsforscher spülen ein ungeheuerliches Geflecht aus Lügen und Geheimnissen aus einem ganzen Jahrhundert an die Oberfläche.
Moritz Rinke rührt sanft, aber vollkommen anarchisch und mit einer umwerfenden Tragikomik an die Lebensmotive, die Geschlechter-, Generations- und Identitätskonflikte seiner Figuren und an ihre seelischen Abgründe. Er erzählt vom Künstlerleben, von Ruhm, Verführung und Vergänglichkeit und von einem Dorf im Norden, das berühmt ist für seinen Himmel und das flache Land- und überzeugt als raffinierter Komponist einer überschäumenden, irrwitzigen Realität in diesem furiosen Romandebüt.
Der Schriftsteller besitzt einen originellen und unnnachahmlichen Humor. Skurril, grotesk, satirisch, persiflierend, karikierend und ironisch nimmt er in seinem groß angelegten Roman mit plastischen Bildern Missstände aufs Korn. Er dekonstruiert subtil den Mythos "Worpswede" , die ausufernde Kulturindustrie, einen falschen Rilke-Kult und macht auch vor heiligen Kühen nicht halt. Moritz Rinke flicht geschickt reizvolle Monologe ein. Er übt scharfzüngig Zeit-, Gesellschafts und Kulturkritik im Sinne der Popliteratur und zeigt, dass auch ein kultiger Ort wie Worpswede in einen konkreten Zeitbezug eingebunden ist.
Moritz Rinke, 1967 in Worpswede geboren, studierte "Drama, Theater, Medien" in Gießen und zählt zu den erfolgreichsten deutschen Gegenwartsdramatikern. Sein Stück "Republik Vineta" wurde 2001 in der Kritikerumfrage der Zeitschrift "Theater heute" zum besten deutschsprachigen Theaterstück gewählt und 2008 für das Kino verfilmt. Im Sommer 2002 kam bei den Festspielen in Worms seine Neudeutung der "Nibelungen" zur Uraufführung, die in den Folgejahren ein großes Publikum fand. "Cafe Umberto" (2005) wurde bereits an zahlreichen Theatern gespielt. Einige seiner Reportagen , Kurzgeschichten und Essays sind unter dem Titel "Der Blauwal im Kirschgarten" sowie "Das große Stolpern" erschienen und wurden mehrfach ausgezeichnet. Moritz Rinke lebt in Berlin und ist Gastprofessor für Szenisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig.
Die Lesung, die der Autor szenisch und dramatisch perfekt gestaltet hatte, löste eine rege Diskussion aus. Er wurde schließlich bei dieser Veranstaltung in Kooperation mit dem Lions Club Lübeck mit sehr viel Beifall bedacht."

Lutz Gallinat

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