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Lübecker Rebekka-Frauen-Loge beging ihr 15. Stiftungsfest

11. Mai 2010 (HL-Red-RB) Lübeck-TeaTime berichtete bereits am Sonntag. Nun konnte die "Festrede" nach freundlicher Zusendung hinzugefügt werden. Auch gerne noch einmal, zumal einige der Gäste heute wieder vom Stiftungsfest "nach Hause" zurückgekehrt sind und damit erst hineinschauen können in diesen Beitrag. Und damit will Lübeck-TeaTime auch mit besonderem Ausruck den neuen Redaktionstag beginnen: "Am Sonnabend feierten die "Rebekka"-Schwestern in Lübeck den 15. Geburtstag ihres "Lagers Nr. 1 Sara". Lübeck-TeaTime war dabei und gratuliert dazu sehr herzlich. Der Frauen-Loge im Deutschen Odd Fellow Orden. Liebe Gäste in Lübeck-TeaTime, ich darf davon ausgehen, dass Ihnen der "Begriff der Loge" nicht verbunden ist mit dem Unsinn, den etwa das Nazi-Regime zu vermitteln versuchte. Von Mystik und Geheimniskrämerei - nur diese Stichworte, die dazu noch die "geringsten" Vorurteile schüren sollten. Nur soviel an dieser Stelle: Selbst durchaus vor Jahrhunderten bereits gegründet, haben Logen zwar ihre "Regeln" beibehalten - vielleicht ein wenig "modernisiert", aber auch n der Morderne haben menschliche Werte wie Freundschaft, Liebe und Wahrheit an Aktualität nicht verloren, wenn auch in solch herzlicher Form öfter wünschenswert. Für die Rebekka-Schwestern in Lübeck eben Selbstverständnis. Nicht unbedingt im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Das ist auch nicht deren Ziel, wenn es auch oftmals salopp heißt "Tu Gutes und rede darüber".
Vielleicht auch durch die Bescheidenheit der "Schwestern" bedingt, wenig Medienresonanz auf ihren Festtag. Das wird hier einfach betont, und manche Redaktion sollte einmal überlegen, warum "Menschlichkeit" droht, immer mehr verloren zu gehen.

Lübeck-TeaTime war es gestern durchaus keine "Auffälligkeit", dass auch diese und dabei "offene" Feststunde den Regularien ihrer Loge entsprechend im Logenhaus gegenüber der Aegidienkirche stattfand. Verbundenheit oder Zufall, dort ein Haus zu führen, so ist kein Zufall, dass christlicher Glaube grundlegender Bestandteil des Denkens der Frauen hier ist. So öffneten sich die Türen zum Festakt ebenso formell, wie auch besagter Ablauf bis hin zu ihrem Schließen. Zu einem „Stiftungsfest“, das an zwei Tagen begangen wurde, und bei dessen Programm nicht „vergessen“ war, eine Stadtführung auf den Spuren der Buddenbrooks einzubeziehen. Dies vor allem auf den „Spuren des Films“.

Zurück zum Geschehen am gestrigen, späten Nachmittag, zu dem viele Gäste aus „Nah und Fern“ Deutschlands, aber auch beispielsweise aus den Niederlanden. Dem Geschehen, das dem Autor aus früheren Jahren vertraut war, und das im Reichen der Hände zu einer „Kette“ und Schlusslied beendet wurde. Und noch einmal zurück in den Ablauf, in dem die Gründungsgeschichte der Rebekka-Loge hier ausführlich berichtet wurde. Oder zur Festansprache der Rebekka-Präsidentin Deutschalnd Heidi Happe, die neben Gastgeberin und Hauptmatriarch Anna-Maria Stümpel und Logen-Hochmeister Walter Kuttelwascher Platz genommen hatten. Grußworte mit Gastgeschenken überbrachten „Schwestern“ anderer Regionalbereiche, aber auch die Lübecker Rebekka-Schwestern kamen ihrer Tradition nach und überreichten dem Lübecker Agape-Haus, bekannter als „Baby-Klappe“, die diesjährige Spende. Wissen sollte man allerdings, dass dieses auch und vor allem in anderen Sozialsituationen segensreich hilft.

Was besser, als die Rebekka-Schwestern selbst zu Wort kommen zu lassen, und die Redemanuskripte vorzustellen. Dies wird allerdings ein wenig später folgen, damit erst einmal dieser Betirag zu lesen und die Fotos zu sehen sind.





































































Fotos (© Reinhard Bartsch – Lübeck)



Lübeck-TeaTime gratuliert zum 15. Stiftungsfest und darf dem Tun der Frauen-Loge weiterhin viel Erfolg wünschen, hier aber auch große Anerkennung ausprechen.


Hier der von der Rebekka-Loge zur Verfügung gestellte Rede-Beitrag:












Und hier ist die Festrede:

Vortrag über die 3 Lagergrade Glaube, Hoffnung und Barmherzigkeit.


Das Wort Glaube hat in unserer Sprache eine Abwertung oder Veränderung
gegenüber seiner ursprünglichen Bedeutung erfahren. Wir benutzen es
täglich mehrfac, um etwas Unsicheres damit zu beschreiben.
Glauben dem biblischen Verständnis nach, ist eine Überzeugung von Dingen,
die man mit den Sinnen nicht erfassen kann. Dieser Glaube hat Auswirkungen
auf unsere Lebenseinstellung, unsere Ziele. Der Glaube, wie er in der Bibel
beschrieben wird, stützt sich auf eine glaubwürdige Quelle, die göttlichen
Offenbarungen und Zusagen in der Bibel. Dabei setzt der Glaube voraus, dass
Gott nicht lügen kann und uns nicht in die Irre führen soll. Der Glaube vertraut
den Zusagen Gottes.

Wenn wir das Wort „Glauben“ mit „Vertrauen“ übersetzen, dann wird uns schnell
klar, dass unser tägliches Leben ohne Glauben, d.h. ohne Vertrauen nicht denkbar
ist.
Wir vertrauen auf Auskünfte, Absprachen, Vereinbarungen, Zusagen. Das sind alles
Dinge, die wir nicht sehen können und die sich nur durch Erfahrung bestätigen
lassen. So ist es auch mit dem Vertrauen auf Gott, mit dem Unterschied, dass wir
von Menschen oft enttäuscht werden und sie unser Vertrauen nicht bedingungslos
verdienen.
Glauben ist Vertrauenssache. So wie ein Kind der Mutter blind vertraut, so können
wir Gott vertrauen, wenn wir seine Liebe erfahren und erkannt haben.

Aber was können wir denn nun wirklich wissen und was sollen oder müssen wir
glauben?
Kann man diese Frage mit dem lapidaren Ausspruch abtun: glauben heißt nicht
wissen? Die Logik dieses Ausspruches ist wohl nicht zu leugnen. Ich kann tat-
sächlich nicht wissen, ob jemand, der über Kopfschmerzen klagt, wirklich auch
Kopfschmerzen hat oder nur simuliert, daher kann ich es nur glauben – oder auch
nicht.
Was in der Welt können wir denn überhaupt als sicheres Wissen bezeichnen und
dürfen wir uns überhaupt alles Wissen aneignen, dessen wir habhaft werden können?
Goethe meint „ Eigentlich weiß man nur, wenn man wenig weiß. Mit dem Wissen
wächst der Zweifel.“
Und Ignatius von Loyola sagte: Allzu kluge Leute führen selten große Taten aus“.

Hier zeigt es sich auch, dass die Umkehrung des lapidaren Ausspruchs gilt.
„Wissen heißt nicht glauben.“ Derjenige, der weiß, wie begrenzt das menschliche
Wissen ist und dass keiner im Besitz der einzig richtigen Wahrheit sein kann,
wird natürlich durch den Zweifel darüber, ob der andere nicht etwa doch recht haben könnte, daran gehindert, sich mit Leib und Seele total für eine große Sache einzu-
setzen.
Wenn wir dabei an Thomas Wildey denken, so muss man sich fragen, welch ein
großer Einsatz und wie viel Motivation dazu gehört haben muss, den Odd Fellow
Orden in wenigen Jahren in Amerika auszubreiten.
Solche Motivation kann Thomas Wildey nicht durch das Wissen, dass dieser
Erfolg kommen müsste, zugewachsen sein. Niemand hätte dies wissen können,
bevor es Wirklichkeit geworden ist.
-2-


Es war also der Glaube an die Odd Fellow Sache, die ihn so motiviert hat.
Glauben wir daran, liebe Schwestern und Brüder, dass Ängstlichkeit, Ungewissheit
und Kleingläubigkeit aus unseren Köpfen verschwinden müssen.
Glauben wir an uns selbst, an unsere Fähigkeiten, unsere Ziele und unsere
Stärken. Es heißt ja: der Glaube kann Berge versetzen.
Wenn wir nicht an uns selbst glauben, können wir nicht erwarten, dass es andere
tun.
Nur wer selbst brennt, kann andere entzünden und nur wer einen festen Glauben
an das Gute hat, kann anderen die Sicherheit dieser Glaubenskraft vermitteln.


Im zweiten Grad unseres Lagers, im Grad der Hoffnung heißt es:
Ohne Hoffnung und Glauben ist unser Leben wie ein Schilfrohr im Winde,
ein Leben ohne Zukunft.
Die Hoffnung ist nicht die sichere, jedoch die vertrauensvolle Erwartung,
sozusagen die vertrauende Erwartung einer guten Zukunft.
Hoffnung ist nicht nur etwas Privates. Sie will uns dazu aufrufen, uns für die
Armen einzusetzen und unsere Hoffnung gerade für die Hoffnungslosen
fruchtbar werden zu lassen. Die Hoffnung ermöglicht uns einen Einsatz für
diese Welt, ohne zu resignieren bei den vielen Rückschlägen, die wir einstecken
müssen. In jedem Mensch ist die Fähigkeit zu hoffen so fest verankert wie sein
Lebenswillen.

Hoffnung greift über das Sichtbare hinaus. Ich hoffe, dass es dem Kranken besser geht und dass er wieder gesund wird. Ich hoffe, dass ich von der Reise gut und
gesund zurückkehren werde. Ich hoffe, dass die Prüfung gelingt. Ich hoffe, dass ich die richtigen Entscheidungen treffen werde und sie meinem Leben eine positive
Richtung geben.
Dabei geht unsere Hoffnung aber immer weiter als auf das, was jetzt noch nicht sichtbar ist. Hoffnung richtet sich auch auf das Unsichtbare, auf das, was wir nicht greifen sondern nur erahnen und uns davon tragen lassen können.

Bemühen wir uns, eine bessere Welt um uns herum zu schaffen. Lassen wir uns
nicht von Enttäuschungen entmutigen. Trauen wir der Hoffnung, sie macht die
Seele weit und gibt ihr Auftrieb für alle die Aufgaben, die wir uns gestellt haben
und die wir zu bewältigen bereit sind.


Der dritte und höchste Lagergrad ist der Grad der Barmherzigkeit.
Nach dem Lukas-Evangelium erzählte Christus das Gleichnis vom barmherzigen
Samariter. Ein Reisender des Landes Samaria half in selbstloser Art einem Be-
raubten, einem Hilfesuchenden, an dem andere achtlos vorbeigegangen sind.
Viele Frauengestalten aus der Geschichte, z. B. Elisabeth von Thüringen, Elsa
Brändström, Florence Nightingale sind einige von ihnen, die in selbstloser Hilfe
und Barmherzigkeit Kranken, Verwundeten und Hilfesuchenden Beistand geleistet
haben, ohne Rücksicht auf ihren Stand und ihre Herkunft.

In unserer heutigen Zeit, der Zeit des Wohlstandes und des Überdrusses in unserem

-3-


Land hat das Wort Barmherzigkeit eine andere Bedeutung. Eine andere Bedeutung
als in den Ländern der Armut und der Not, der Verletzung der Menschenrechte und
vielem Schlimmen mehr.

Ist es schon barmherzig, wenn wir einer Schwestern unsere Hilfe anbieten, ihr
zuhören, ihr unsere Freundschaft zeigen oder sie vielleicht zum Essen einladen?
Oder hat Barmherzigkeit etwas mit Aufopferung oder selbstlosem Handeln an
Fremden zu tun?
Kranke Schwestern zu besuchen oder nahestehende Familienmitglieder zu pflegen
sollten selbstverständlich sein und sind es sicherlich auch für viele von uns.
Unser Orden gebietet uns: Die Kranken zu besuchen, den Bedrängten zu helfen
die Toten zu bestatten und die Waisen zu erziehen.

Haben diese Ordensgrundsätze etwas mit Barmherzigkeit zu tun, oder sind sie,
wie oben erwähnt, Selbstverständlichkeiten über die man nicht viel reden muss.

Barmherzigkeit ist keine Tugend, die uns mit in die Wiege gelegt wurde sondern
eher eine Eigenschaft, die wir im Laufe unseres Lebens vielleicht erlangen.

Manche Menschen haben einerseits durch Veranlagung andererseits durch
einschneidende Ereignisse in ihrem Leben Berufe gewählt, die im Sinne
von Hilfeleistung zu verstehen sind – Ärzte, Krankenschwestern, Sanitäter, Feuerwehrleute und viele andere mehr - also Samariter der heutigen Zeit.
Sie alle stellen ihr berufliches Leben in den Dienst des Helfens an Hilfesuchenden
an Kranken, an Bedrängten.
Ist dieser Dienst im Sinne von Barmherzigkeit zu verstehen oder ist es für sie
eine Selbstverständlichkeit, ihren Beruf mit allem was an Härte und Schwere
dazugehört, auszuüben? Sie werden kaum darüber nachdenken.

Wenn wir Barmherzigkeit auf unsere Lebenseinstellung projizieren, so kommen
wir unseren drei Logengraden Freundschaft, Liebe und Wahrheit sehr nahe.

Freundschaft ist etwas sehr Wertvolles. Ein guter Freund ist auch in schlechten
Tagen, bei Krankheit, Problemen seelischer Art, Gesprächen usw. immer für den
Freund da.
Mit einem guten Freund, einer guten Freundin möchte man durch dick und dünn
gehen, durch gute und schlechte Zeiten, durch Armut und Reichtum.
Allerdings werden wir im Laufe unseres Lebens feststellen, dass sich die Anzahl
unserer Freunde verringert hat.

Echte Freundschaft will gepflegt sein – zu viele Freunde würden uns überfordern,
wir hätten kaum genug Kraft und Energie für alle.
Barmherzig ist im Sinne von Freundschaft unter Freunden nicht der richtige Aus-
druck, meine ich. Es sei denn, es würde sich eine Situation ergeben, in der
Barmherzigkeit dem Freund, der Freundin gegenüber, erforderlich wird.

Das biblische Gebot zitiert: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.

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Voraussetzung dafür ist allerdings, dass wir uns auch wirklich selbst lieben.
Nächstenliebe ist Liebe zu allen menschlichen Wesen. Liebe zum Mitmenschen ist
Ausdruck des inneren Produktivseins einschließlich Fürsorge, Achtung und
Verantwortungsgefühl.
Auch die barmherzige Liebe fordert, wenn sie richtig verstanden wird, Achtung,
Fürsorge und Vertrauen, das man nicht enttäuschen darf. Wichtig dabei ist es,
sich vom eigenen Egoismus zu befreien, um Nähe und Wärme weiterzugeben.

Zur Wahrheit gelangt der Mensch nicht ohne sein Zutun – er muss es wünschen
und dauernd anstreben – so heißt es in einem Satz aus unserem Ritual.
Aber gibt es auch eine barmherzige Wahrheit?.

Um leben zu können, braucht die Wahrheit ein freiheitliches Umfeld. Wenn nicht
Meinungen geäußert werden können, wenn daraus eine Existenzbedrohung oder
gar Vernichtung entsteht, wird die Wahrheit erstickt. Die Menschen dürfen sich
zur Wahrheit nicht äußern und werden zu barmherzigen Lügnern, um zu überleben.

Es muss unsere lebenslange Aufgabe sein, in den verschiedenen Bereichen unserer
Existenz nach Wahrheit zu suchen und uns dafür einzusetzen, dass die sozialen
und geistigen Bedingungen in unserem Umfeld so gefächert sind, dass Aufrichtig-
keit, Wahrhaftigkeit, Toleranz und Respekt keine leeren Worte bedeuten, sondern
gelebt und immer wieder angestrebt werden müssen.


Barmherzigkeit darf in unserer heutigen Zeit kein Wort aus der Vergangenheit sein, sondern im Sinne von Freundschaft, Liebe und Wahrheit einen neuen Stellenwert erhalten und somit lebendig bleiben.



Schließen möchte ich mit einem chinesischem Sprichwort:


Das Tor der Barmherzigkeit ist schwer zu öffnen
und schwer zu schließen.



Heidi Happe
Rebekka-Präsidentin Deutschland."


Autor:
Reinhard Bartsch
Herausgeber Lübeck-TeaTime

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