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Rezension: Jan von der Banks Roman-Erstling „Die Farbe der See“

01. Mai 2010 (HL-Red-RB) HS-Kulturkorrespondenz: Spannend und abenteuerlich: Der Roman-Erstling eines Eutiner Architekten - Von Horst Schinzel.
Darf man einen Hoch- und Landesverrat zum Thema eines Thrillers machen? Diese heikle Frage muss sich Jan von der Bank (43) nach der Lektüre seines Roman-Erstlings „Die Farbe der See“ vorhalten lassen. Der Autor – ursprünglich Architekt – lebt in Eutin mit Lebenspartnerin – Ärztin an den Sana-Kliniken – und Kindern. Als Quereinsteiger ist der begeisterte – durch viele deutsche und internationale Siege ausgewiesene - Segler zum Schreiben gekommen und hat für „Tatort“ und „Küstenwache“-Folgen Drehbücher geschrieben.
Ohne Zweifel: Der Mann kann schreiben – packende Dialoge und aufregende Handlung. Er erzählt uns die
Geschichte eines Konteradmiral – Leiter der Offiziersschule Flensburg – und eines einfachen von Amrum stammenden Matrosen. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges haben internationale Segelmeisterschaften auf der Kieler Förde sie erstmals zusammen geführt. Und im Sommer 1940 kreuzt sich ihr Weg erneut. Der Admiral - der hier bemerkenswerter Weise von Wellersdorf heißt wie später ein Generalinspekteur der Bundeswehr – kommandiert ein Segelschulschiff der Marineoffiziersschule, das vorgeblich zur Kadettenausbildung dient. Tatsächlich hat der Admiral landesverräterische Pläne.
Ein deutscher Physiker – den die Gestapo noch vor Kriegsausbruch umgebracht hat- hat Pläne für eine Massenvernichtungswaffe entwickelt – zweifellos auf der Grundlage der Atombombe. Die sollen den Alliierten überbracht werden, damit ein vertrauenswürdiger Amerikaner sie auf die Dauer des Krieges verwahrt. Nur wenn die Deutschen diese Waffe weiter entwickelt hätten, hätte er sie den Alliierten zu Verfügung stellen dürfen. Schon hier ist die Fantasie mit unserem Autor durchgegangen.
Natürlich hat die Gestapo von diesen Plänen Wind bekommen. Es kommt zu einer aufregenden Verfolgungsjacht durch ein deutsches Schnellboot, das die Jacht in dien Öresund und weiter in den Schärengarten an der schwedischen Westküste führt. Der Amrumer Matrose und eine schwedische Widerstandskämpferin haben viele blutige Abenteuer zu bestehen, bis sie mit einem morschen Segelboot und den Plänen an die schottische Küste segeln können.
Das alles ist überaus spannend und aufregend erzählt. Der Autor kennt sich offensichtlich in den west-schwedischen Schären aus. Ob sich solch abenteuerliche Segelmanöver fahren lassen, muss er als Fachmann verantworten. Aber leider auch die vielen Fehler, die mehr als ärgerlich sind. Zum einen steht von der Bank mit Geschichte und Geografie auf Kriegsfuß. Da ist Hamburg bereits im Juni 1940 (!) von englischen Bombern zerstört worden. Zu diesem frühen Zeitpunkt gibt es bereits den U-Boot-Stützpunkt La Rochelle. Und von Dagebüll-Mole fahren durchgehende Züge bis Hamburg.
Alsen – warum verwendet der Autor die dänischen Inselnamen? -ist für ihn eine Halbinsel. Während er richtig für schwedische Worte und Namen das „ö“ verwendet, lässt er einen Familiennamen mit dem – dänischen – durshgestrichenen „O“ schreiben. An einigen Stellen stimmt die Beziehung nicht. Der „Kaleu“ habe gesagt, tatsächlich war es der Konteradmiral. Und der schimpft, der Führer habe beim Überfall am Norwegen ein Viertel der Flotte versenkt, ein andermal spricht er von der Hälfte.
Und ganz abenteuerlich ist natürlich, wenn der Autor die Geschichte des Zweiten Weltkrieges so darstellt, dass
Schweden gemeinsame Sache mit dem Dritten Reich gemacht habe. Das schon erwähne Schnellboot agiert ungehindert in den Schären. Die schwedische Polizei duldet es, wenn Marinesoldaten gefangene norwegische Widerstandskmpfer auf schwedischem Boden foltern und später erschießen. Darf ein Autor so Geschichte klittern? Wir meinen „Nein“.
Jan van der Bank (Foto ü/HSK), Die Farbe der See, 2010, Berlin, Ullstein-Buchverlage.

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