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L. Gallinat: Lesung von Charles Lewinsky in Lübeck

15. Dezember 2008 (Lübeck). Lutz Gallinat schreibt zu dieser Lesung: "Am letzten Montag wurde in der gut gefüllten Lübecker Buchhandlung Weiland die Lesereise um den Preis der „LiteraTour Nord“ 2008/2009 fortgesetzt. Charles Lewinsky las aus seinem in diesem Jahr bei Nagel & Kimche, Zürich, erschienenen Roman „Zehnundeine Nacht“. Zehnundeine Geschichte erzählt die moderne Scheherazade ihrem Kunden. Sie handeln von einem verhinderten Selbstmörder, der mit seiner Rettung gar nicht zufrieden ist, oder um einen Menschen, der schon gestorben ist, und es bloß noch nicht gemerkt hat. Sie erzählen von einem Mann mit zwei Köpfen, der ungewöhnliche Selbstgespräche führt, und von einem Reisenden, der im Urlaub ein Wunder erlebt und doch nicht davon profitiert, vom Untergang der Welt und von der Geburt eines neuen Heiligen. Was man eben so erzählt, um einen Kunden bei Laune zu halten. Vor allem, wenn dieser Kunde – genau wie der Leser- auf seine Kosten kommen soll. Witzig und schadenfroh, sarkastisch und melancholisch ist dieser Geschichtsreigen, lebensnah, überraschend und brillant. Und immer geht es um die Frage der Identität: Was macht ein Menschenleben aus? Und warum ist die Erfindung oft realer als die Wirklichkeit?

Der Autor kann mit wenigen Strichen vielfarbig abschattierte, lebensvolle Charaktere zeichnen; er kann wunderbare Dialoge schreiben; er verfügt über einen hohen Sinn für erzählerischen Rhythmus; er vermag Situationskomik einzusetzen und überdreht auch in sentimentalen Situationen die Gefühlsschraube nicht.
Charles Lewinskys „Zehnundeine Nacht“ ist eine verkürzte Variation der bekannten Scheherazade-Märchen aus „Tausendundeine Nacht“. Die Rolle des Königs nimmt beim Schweizer Autor ein dubioser Geschäftsmann ein, die der Scheherazade eine alternde Prostituierte, die ihrem Kunden Geschichten erklärt. Lewinsky zeigt sich hier als souveräner Beherrscher verschiedenster literarischer Formen und Muster, wechselt von Zitaten des traditionellen Einwandererepos gewandt zur Science-Fiction-Erzählung. Am wenigsten überzeugen allerdings die beiden Protagonisten der Rahmenerzählung, die über weite Strecken des Buches zu blass und leblos gezeichnet sind.

Charles Lewinsky, geboren 1946, lebt in Vereux (Frankreich) und Zürich. Er schreibt Romane, Theaterstücke und Drehbücher. Für „Johannistag“ erhielt Lewinsky den Preis der Schweizerischen Schillerstiftung 2004. 2006 erschien bei Nagel & Kimche der Roman „Melwitz“, der in viele Sprachen übersetzt, in China zum besten deutschsprachigen Roman des Jahres gewählt und in Italien für den Primo Vallombrosa nominiert wurde. Zuletzt veröffentlichte er bei Nagel & Kimche „Gipfelkonferänz“ (2007, zusammen mit Jakob Stachelberger) sowie den Roman „Johannistag“ (2007).

Der Schriftsteller wurde mit viel Beifall bedacht. Die Lesung löste eine rege Diskussion aus."

Lutz Gallinat


Zum Buch



Zehnundeine Nacht
192 Seiten
Fester Einband
3-312-00419-5
978-3-312-00419-5
CHF 32,90
€ 17,90




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