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Haben Sie auch mit dem Vollmond dieser Nächte geträumt?

29. April 2010 (HL-Red-RB) Den neuen Redaktionstag beginne ich mit einem Foto von vorgestern Abend. Leider etwas spät erkannt, promenierte der Vollmond am frühen Abend langsam und nachdenklich über Lübecks "sieben Türme" und bald schlafende Stadt. Schwierig, aus der Hand das Gesicht des "Mannes im Mond" ohne Verwackeln auf - ja was eigentlich? Zelluloid jedenfalls nicht - zu bannen. "Speicher" nennt sich dieses heute. Speicher damals, die Lübeck mitgeprägt haben und andauern, nicht so wie die der heutigen Moderne. Später, aus dem Geäst den Abendhimmel verdeckender Bäume hervor gekommen, dann ein gleißendes Licht, das ohne Filter nicht zu greifen war. Und gestern Abend? Ein anderer Himmel, kein Blau - kein Mond damit.

"Der Mond ist aufgegangen" - einst gesehen von Matthias Claudius (* 15. August 1740 in Reinfeld (Holstein); † 21. Januar 1815 in Hamburg). Ach, wissen Sie, liebe Gäste in Lübeck-TeaTime: Lesen Sie doch einfach dieses Gedicht, das träumen lässt und eigentlich "Abendlied" heißt:




Foto RB

Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar;
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille,
Und in der Dämmrung Hülle
So traulich und so hold!
Als eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.

Wir stolze Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder
Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinste
Und suchen viele Künste
Und kommen weiter von dem Ziel.

Gott, laß uns dein Heil schauen,
Auf nichts Vergänglichs trauen,
Nicht Eitelkeit uns freun!
Laß uns einfältig werden
Und vor Dir hier auf Erden
Wie Kinder fromm und fröhlich sein!

Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
Durch einen sanften Tod!
Und, wenn Du uns genommen,
Laß uns in Himmel kommen,
Du unser Herr und unser Gott!

So legt euch denn, ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder;
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott! mit Strafen,
Und laß uns ruhig schlafen!
Und unsern kranken Nachbar auch!


Vorlage war üßbrigens „Nun ruhen alle Wälder“ des Theologen und Kirchenliederdichters Paul Gerhardt aus dem Jahre 1653 - ein Mensch, dem alles durch "Krieg, Krankheit und Tod" in Zeiten des 30jährigen Krieges angetan wurde, was nur denkbar war, der dennoch - neben Dr. Martin Luther - mit die schönsten Kirchenlieder ersann - und vielleicht gerade in der Eingebung dessen...

Autor: Reinhard Bartsch

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