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Romantisches Tiermärchen: Das schlaue Füchslein

18. April 2010 (HL-Red-RB). HS-Kulturkorrespondenz - Romantisches Tiermärchen: Das schlaue Füchslein - Von Horst Schinzel: Der tschechische Komponist Leos Janácek (1854 – 1928) ist im deutschen Sprachraum nur gemäßigt populär. Sein an der böhmischen Volkstradition orientiertes Musikschaffen steht nur selten auf den Spielplänen unserer Orchester und Theater. Seine Musik erschließt mit ihrer Mischung aus Naturlyrik, Volksliedhafte und romantischem Ausdruckswillen nur schwer. Sie überdies voller Mystik. An diesem Abend mit seiner Märchenoper „Das schlaue Füchslein“ im Lübecker Theater wird das sehr deutlich.




Foto ü/TL (Holger Braack)[/bild]


Der in Irland lebende – in Lübeck durch zahlreiche Regieprojekte bekannte – Regisseur Dieter Kaegi hat zusammen mit seinem Ausstatter Bruno Schwengl und der freischaffenden Tänzerin Shiao Ing Oei das Märchenhafte dieser Geschichte hervorgehoben. Ein Jäger greift sich im Wald einen jungen Fuchs und hält ihn auf seinem Försterhof. Dort klagt der Dackel über sein elendes Leben. So ein Schicksal will der junge Fuchs nicht erleben. Er inszeiert einen Aufruhr im Hühnerhof, beißt die Hennen tot und entkommt in den Wald.
Dort macht er mit einem jungen Rüden Hochzeit und bekommt viele junge Füchslein. Während Pastor, Lehrer, Gastwirt und eben der Förster darüber jammern, dass das Leben an ihnen vorüber gegangen ist, kreucht und fleucht es in der Natur. Bis der Landstreicher Haraschta den Fuchs erschießt. Aber das Leben im Wald geht weiter, und wieder begegnet ein junger Fuchs dem Förster.
Die Inszenierung betont die Romantik und die Naturlyrik. Leider übergagt sie nach dem Tod des Füchsleins, wenn dieser krimanalistisch mit Polizeiabsperrung und Tatortmarkierungen untersucht wird. Sonst aber beeindruckt das Gewusel, an dem der Kinderchor Vocalino und die jungen Tänzerinnen und Tänze der Kunst- und Musikschule Lübeck ihren großen Anteil haben. Joseph Feigl hat den stark geforderten Chor wie gewohnt sicher einstudiert. In dem großen Ensemble müssen viele Künstler mehrere Rollen übernehmen – da fällt die Übersicht fast schwer.
Neben den überaus beweglichen und sängerisch ansprechenden Füchslein Schlaukopf der Andrea Stadel und dem heiratswilligen Fuchs der Roswitha C. Müller beeindrucken vor allem die elegischen Vertreter der alten Ordnung, deren Denken eigentlich nur einer Zigeunerin gilt, die aber gar nicht leiblich da ist: Gerard Quinn als Förster, Fritz Steinbacher als Schulmeister, Andreas Haller als Pfarrer und Jin-Son Park als Landstreicher Haraschta. Das Philharmonische Orchester unter dem Dirigat des Generalmusikdrektors Roman Brogli-Sacher weiß die Feinheiten der Musik auszudeuten.
Das Textbuch zu dieser Oper hat Janácek selbst nach einer Fortsetzungszeitungsnovelle geschrieben. Der Text ist von Peter Brenner neu übersetzt worden, da die ursprüngliche Übertragung von MAX Brod als nicht mehr adäquat gilt. Sie ist aber weiterhin Grundlage.
Die Lübecker Aufführung wird an diesem Premierenabend überaus freundlich aufgenommen. Eine abgerundete Leistung, die das Haus als Oper für die ganze Familie vermarkten will. Hoffentlich ist es da erfolgreich.

Weitere Aufführungen

23. April, 17.30 Uhr, 8. Mai, 19.30, 16. Mai, 18 Uhr, 30. Mai ,16 Uhr

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