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Cosi fan tutte: In Kiel Stimmfest mit Schönheitsfehlern

18. April 2010 (HL-Red-RB). HS-Kulturkorrespondenz
übermittelte nachfolgende Rezension zu Kieler "Cosin fan tutte" - Von Horst Schinzel: Kann man Mozarts frivole und durchaus frauenfeindliche Oper „Cosi fan tutte“ in unsere Zeit übertragen? Dass die Handlung höchst unwahrscheinlich und eigentlich beliebig austauschbar ist, haben schon die Zeitgenossen des Komponisten empfunden. Der in Kiel bislang vor allem durch Schauspielinszenierungen bekannt gewordene Siegfried Bühr lässt das Stück im Hier und Jetzt spielen Wozu das luftige Bühnenbild des Thomas Dreissigacker seinen Teil beiträgt wie die bunten Kostüme von Ursina Zürcher..








Fotos über Theater Kiel/Olaf Struck


Nicht nur, dass die beiden aberwitzigen jungen Leute um 1000 Euro über die Treue ihrer Verlobten wetten, so lässt Bühr den Chor (Einstudierung David Maiwald) mit Winkelementen auftreten und dem Zeichen der Frauenbewegung. Die jungen Herren trinken Flens mit dem Plopp. Sehr weit in ihrer Karriere bei der Marine haben es Guglielmo (Tomohiro Takada) und Ferrndo (Yoonki Baek) nicht gebracht – gerade einmal als Oberleutnant zur See weist sie ihre Uniform aus. Die beiden Sänger betören durch ihre herrlichen Stimmen.
Und auch Susan Gouthro und die erst seit dieser Spielzeit in Kiel verpflichtete Amira Elmadfa als Fiorddigi und Dorabella wissen stimmlich zu gefallen. Dies allerdings erst, nachdem sie ihre anfänglich schreckliche Nervosität überwunden haben. Wie überhaupt an diesem Abend der Erste Kapellmeister Johannes Willig mit dem Geschehen auf der Bühne seine liebe Not hat. Immer wieder muss er mit ausladender Gestik – der Orchesterboden ist hochgefahren – seine Sänger führen.
Probleme, die er nicht mit dem köstlich agierenden Don Alfonso des Kyung-Sik Woo nicht hat. Der Sänger bringt einen überaus verschlagenen Intriganten auf die Bühne. Seine hinterhältige Art wird nur noch übertroffen durch die listige Despina der Sen Acar. Die spielt alle an die Wand und singt überdies großartig.
Der Regisseur überlässt seine Darsteller und Darstellerinnen in der unablässigen Abfolge von schönen Arien weitgehend sich selbst. Das gefällt nicht allen Premierenbesuchern. Nach der Pause bleiben ungewöhnliche viele Sessel leer. Und Siegfried Bühr schallen am Schluss vereinzelte Buhs entgegen. Sonst aber ist das Premierenpublikum durchaus zufrieden. Schon die Arien werden mit Szenenbeifall bedacht und der Schlussbeifall ist herzlich.

Weitere Aufführungen
20., 27,. Und 30. April, jeweils 20 Uhr.



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