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Kultur Wissenschaft Ausbildung

L.Gallinat zu ""Mario und der Zauberer" - Literatur im Gespräch

29. März 2010 (HL-Red-RB.). Lutz Gallinat hat genanntes "Literarisches Gespräch" besucht und schreibt dazu: "Autoren haben nicht nur für Wissenschaftler geschrieben, sondern für Leser, die sich von einer gut erzählten Geschichte und schöner Sprache mitreißen lassen. Ein besonderes Vergnügen entsteht, wenn man sich in geselliger Runde über seine Leseerlebnisse austauschen kann. Begleitend zur Ausstellung über Thomas Manns Erzählung wurde am letzten Mittwoch im Lübecker Buddenbrookhaus im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Literatur im Gespräch" das Problem der politischen Verführbarkeit durch faschistische Ideen mit Christina Ulrich besprochen.

Dass "Politisches umging", betont der Erzähler gleich eingangs- und das gilt auch für die Lektüre des Textes. Der Magier erweist sich, trotz seines abstoßenden Äußeren, durch die suggestiven Fähigkeiten, mit denen er nicht nur sein individuelles Opfer, sondern auch die zuschauende Masse bannt, als Figuration des Verführers. Thomas Mann selbst hat seine Novelle später als "Warnung vor der Vergewaltigung durch das diktatorische Wesen" gedeutet ("On myself", 1940). Andererseits gehört Cipolla ganz offensichtlich auch in die Reihe fragwürdiger Künstlerfiguren, die Thomas Mann seit seinen Anfängen entworfen hat und dier später auch explizit in Verbindung mit der politischen Verführung setzt, wenn er in provokanter Zuspitzung seine eigene "reichlich peinliche Verwandtschaft" mit der abscheulichsten "Erscheinungsform des Künstlers", d.h. dem deutschen Diktator behauptet ("Bruder Hiltler", 1939). Die explizit politische Lesart verstärkt sich jedenfalls auch beim Autor selbst erst im Rückblick, vor der Folie der weiteren historischen Entwicklung. Das gilt auch für die "beklemmende" Erzählperspektive: Der deutsche Vater räumt "Beschämung" über die Anwesenheit seiner Kinder ein, muss aber auch die eigene Anfälligkeit für den faulen Zauber des "Scharlatans" durchblicken lassen. In dieser bedrohlichen Ambivalenz, nicht in vorschneller Gleichsetzung von literarischen und historischen Figuren, liegt denn auch die bis heute unabgegoltene Aktualität der Erzählung.
Die Moderatorin Christina Ulrich wurde bei dieser Veranstaltung des "Fördervereins Buddenbrookhaus e.V." nach einer regen Diskussion von den zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörern mit sehr viel Beifall bedacht."

Lutz Gallinat

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