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30 Jahre Lorenz-von-Stein-Institut für Verwaltungswissenschaften

14. März 2010 (HL-Red.). In diesem Jahr feiert das Lorenz-von-Stein-Institut für Verwaltungswissenschaften an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel sein 30jähriges Bestehen. Heute (12. März) fand im Schleswig-Holsteinischen Landtag ein Festakt mit Vertretern aus Universität, Landes- und Kommunalverwaltung, Gerichtsbarkeit, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik statt. Festredner war der designierte Präsident des Bundesverfassungsgerichts Professor Dr. Andreas Voßkuhle.

Das Lorenz-von-Stein-Institut ist eine selbstständige, der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel angegliederte wissenschaftliche Einrichtung, die der Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Verwaltungswissenschaften dient. Das Institut erstellt Sachverständigengutachten, bietet Fort- und Weiterbildung für Angehörige der öffentlichen Verwaltung an und forscht noch heute über das Werk und Wirken Lorenz von Steins in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Unter Leitung eines aus drei Professoren bestehenden, interdisziplinär zusammengesetzten Vorstandes arbeiten am Institut derzeit fünf wissenschaftliche Mitarbeiter. Das Institut unterhält eine eigene Bibliothek und betreibt einen wissenschaftlichen Verlag. Im vergangenen Jahr wurde dem Institut der Forschungsbereich "Staatliches Innovationsmanagement" angegliedert.

Thematisch widmet sich das Institut in den letzten Jahren verstärkt Rechtsfragen der Modernisierung der Verwaltung, insbesondere durch den Einsatz der Informations- und Kommunikationstechnologien. Das Institut unterhält Kontakte zu zahlreichen anderen Forschungseinrichtungen aus den Bereichen Technik, Wirtschaft und Politik und ist Teil des interdisziplinären Forschungsverbundes ISPRAT e.V.

Der Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts, Professor Dr. Andreas Voßkuhle, sprach in seinem Festvortrag über die Herausforderungen an eine moderne Verwaltung, an eine moderne Verwaltungswissenschaft und ein modernes Verwaltungsrecht.

Professor Dr. Utz Schliesky, geschäftsführender Vorstand des Lorenz-von-Stein-Instituts und Direktor des Schleswig-Holsteinischen Landtags, mahnte eine stärkere Befassung der Rechtswissenschaften mit "neuen" und "modernen" Themen an. So wie Lorenz von Stein es meisterlich verstand, Theorie und Praxis der Verwaltung und des Verwaltungsrechts unter Einschluss der heute eigenständigen Wissenschaftsdisziplinen Volkswirtschaftslehre, Soziologie und Politikwissenschaft zu versöhnen und zu einem organischen Gesamtbild zusammenzufügen, so forscht das Institut intensiv an dieser organischen Verwaltung, die heute meist als Netzwerkverwaltung bezeichnet wird. Dies bedeutet aber auch, dass man sich – anders als Stein dies konnte – intensiv um die Einbeziehung moderner Informations- und Kommunikationstechnik kümmern muss. So bildet das sog. E-Government einen Beschäftigungsschwerpunkt der vergangenen Jahre. Aber auch das Beispiel der Amtsordnung, zu dem vom Institut bereits im Vorfeld der Entscheidung des Landesverfassungsgerichts Vorschläge für eine zukünftige Neukonzeption entworfen wurden, zeigt, dass das Institut als Vordenker der Rechtsentwicklung im Land Schleswig-Holstein tätig ist.

Torsten Geerdts, Präsident des Schleswig-Holsteinischen Landtages, hob die Bedeutung des Instituts für die Landes- und Kommunalverwaltung hervor: "Ziel der Institutsgründung vor 30 Jahren – damals habe sich das Institut noch in unmittelbarer Trägerschaft des Landes befunden – sei die Institutionalisierung des Austausches zwischen Wissenschaft und Praxis gewesen. Dass dieses Ziel erreicht wurde, dokumentieren die zahlreichen Diskussions-, Vortrags- und Informationsveranstaltungen des Instituts. Auch greife der Schleswig-Holsteinische Landtag in Anhörungsverfahren oftmals auf die Expertise des Instituts zurück. So sei der im Eigenverlag des Instituts veröffentlichte Kommentar zur Landesverfassung, die in letzter Zeit häufiger Gegenstand juristischer Diskussionen gewesen ist, eine wichtige Hilfestellung. Insbesondere in einem kleinen Bundesland mit nur einer juristischen Fakultät profitiere die Pflege des Landes- und Kommunalrechts von einem Institut, das Verwaltungsrecht und -wissenschaft vereine."

Auch Klaus Schlie, Innenminister des Landes Schleswig-Holstein, zugleich Erster Vorsitzender der Lorenz-von-Stein-Gesellschaft zu Kiel e.V., verwies auf zahlreiche Veranstaltungen von Institut und Gesellschaft. Diese hätten immer den Anspruch gehabt, Praxis und Wissenschaft zu vereinen und zugleich aktuelle Themen auf die Agenda zu setzen. Als Beispiele nannte Schlie Veranstaltungen zu "Hartz IV", zur "Schuldenbremse" und zur "Nordstaat-Debatte": "Die Herausforderungen, vor denen die Verwaltung, auch in Schleswig-Holstein steht, verlangen nach Modernisierung und nach Interdisziplinarität – wir als Land können uns glücklich schätzen, mit dem Institut und seinen Veranstaltungen ein Forum geschaffen zu haben, in denen zukunftsrelevante Themen auch ohne konkrete politische Zwänge diskutiert und Visionen entwickelt werden können."

Professor Dr. Gerhard Fouquet, Präsident der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, gratulierte dem Lorenz-von-Stein-Institut im Namen des gesamten Präsidiums sowie aller Fakultäten zu seinem 30jährigen Bestehen. Fouquet sagte: "Das Lorenz-von-Stein-Institut leistet seit vielen Jahren wichtige Beiträge im Bereich Wissenstransfer und ist dadurch eine wertvolle Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Verwaltung geworden."




Foto (CAU/© Anke Feiler-Kramer): Professor Gerhard Fouquet, Präsident der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel gratuliert dem Lorenz-von-Stein Institut, Aninstitut der CAU zum 30jährigen Bestehen.


Professor Dr. Wolf Schäfer wagte in seinem Schlusswort als Vertreter des Verwaltungsrates des Instituts einen Blick in die Zukunft. Das Institut sei gut aufgestellt, seine dienstleistende Funktion in Forschung und Lehre sowie für die Landes- und Kommunalverwaltung auch zukünftig zu erfüllen. Dabei scheue man – ganz im Sinne einer modernen Verwaltung – auch interdisziplinäre Kooperationsformen nicht. Der Forschungsverbund ISPRAT e.V. mit seinen Mitgliedern aus anderen Wissenschaftsdisziplinen, Wirtschaft und Verwaltung sei dafür ein Beleg. Es gebe daher genug zu tun. "Ich freue mich auf weitere 30 Jahre Lorenz-von-Stein-Institut", so Schäfer zum Abschluss seiner Rede, die er dazu nutze, Professor Voßkuhle das erste Exemplar eines Neudrucks des "Handbuchs der Verwaltungslehre" von Lorenz von Stein zu überreichen. Damit verbunden sei der Wunsch, dass die Gedanken eines der bedeutendsten schleswig-holsteinischen Staatswissenschaftler weiterhin die Beachtung fänden, die sie verdient hätten.


Quelle:
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel / Lorenz-von-Stein-Institut für Verwaltungswissenschaften

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