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Kultur Wissenschaft Ausbildung

L. Gallinat auch bei Podumsdiskussion "Nathan" im Jungen Studio

11. März 2010 (HL-Red.). Lutz Gallinat schreibt dazu: "Dass das Drama "Nathan der Weise" von Gotthold Ephraim Lessing auch heute noch aktuell ist, bewies die lebendige Podiumsdiskussion unter der sicheren und engagierten Leitung des Dramaturgen Peter Helling am letzten Mittwoch im vollbesetzten "Jungen Studio" des "Theaters Lübeck". Sowohl von der Entstehungszeit wie vom Gehalt her weist der "Nathan" auf Lessings Schrift über "Die Erziehung des Menschengeschlechts" (1777). Nathans Handeln auf ein gutes Ende hin ist eine poetische Umsetzung des lessingschen Theodizee-Begriffs: Erziehung des Menschengeschlechts ereignet sich als "Ausbildung geoffenbarter Wahrheiten in Vernunftwahrheiten"; diese allein können jene "Zeit der Vollendung" herbeiführen, in der der Mensch "das Gute tun wird, weil es das Gute ist": Indem das Drama seine Vernunftwahrheiten vorzugsweise in Gestalt subtiler Definitionen, logischer Argumentation, aufklärerischer Reflexion und scharfsinniger Folgerungen entfaltet, bildet es einen abstrakten, theoretischen Grundzug aus, der das kritische Bewusstsein des Lesers aktiviert, dafür aber sich der bühnenwirksamen Darstellung entzieht. Damit hat Lessing selbst gerechnet. Eine Aufführung zu seinen Lebzeiten kam nicht zustande, und erst 1801, in der gekürzten Bearbeitung Schillers, fand das Drama auf der Bühne zunächst gedämpften Beifall, bevor es im 19.Jahrhundert zur Schullektüre des liberalen Bürgertums aufstieg.
Andreas Hutzel als Nathan und Lisa Charlotte Friedrich als Recha hatten bei dieser Soiree einfühlsam und nuanciert Ausschnitte aus dem ersten Akt rezitiert. Günter Harig, ehemals Pastor an St.Marien und St.Petri, hatte darauf hingewiesen, dass es auf den lebendigen und nicht buchstabengetreuen Glauben ankomme und dass Offenbarung bei Lessing Erziehung bedeute. Außerdem las Mirjam Pressler Ausschnitte aus ihrem 2009 bei Beltz&Gelberg erschienenen Roman "Nathan und seine Kinder". Klug, weitsichtig und brillant erzählt Pressler den klassischen, doch hochaktuellen Stoff neu- provozierend zeitgemäß, aber nicht ohne Hoffnung für eine friedliche Koexistenz der drei großen Religionen.
Pressler hält sich mit großem Respekt an Lessings Vorlage, doch in entscheidenden Dingen variiert sie- durch die Form eines Romans, eine andere Tonlage. Und sie wählt einen anderen Ausgang der Geschichte.
Die Podiumsdiskussion löste auch ein reges Gespräch mit den zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörern aus.
Alle Akteure wurden schließlich mit sehr viel Beifall bedacht."

Lutz Gallinat

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