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»CRYO-BREHM« - Ein Lübecker Zoo im Kälteschlaf

08. März 2010 (HL-Red.). Aus der "Warteschleife", aber noch aktuell: Ob Gepard, Pelikan oder Stör - im Lübecker Hochschulstadtteil bekommen Wildtiere aus aller Welt ein neues, allerdings frostiges Zuhause: Kürzlich wurden in der Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie (EMB) in Lübeck die neuen Räume der »Deutschen Zellbank für Wildtiere »Alfred Brehm«« eingeweiht.

In namentlicher Anlehnung an den weltberühmten Zoologen und Schriftsteller Alfred Brehm (1829-1884) werden in der
jungen Forschungseinrichtung im Lübecker Hochschulstadtteil Stammzellen von Wildtieren mit Hilfe der Kryo-Technologie bei Minus 145 Grad Celsius eingelagert. »Verwendet werden dabei stabile und saubere Zellkulturen, vornehmlich Stammzellen, die vermehrungsfähig sind und damit die Eigenschaft der Selbst-regeneration besitzen und somit neben dem unverzichtbaren Artenschutz einen zusätzlichen Beitrag zum Erhalt der Biodiver-sität leisten«, erläutert Prof. Charli Kruse, Lübecker Leiter der EMB. »Unsere Zellbank ist zweigeteilt aufgebaut und steht
sowohl wissenschaftlichen als auch wirtschaftlichen Anwendern offen«.

Der Wirtschaftsminister Schleswig-Holsteins, Jost de Jager,
unterstrich den innovativen Charakter des »CRYO-BREHM«:
»Die Zellbank ist ein besonders markanter und langfristig auch wirtschaftlich interessanter Geschäftsbereich der EMB«.
Das Land Schleswig-Holstein unterstützt den Aufbau der
Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie zu einem
eigenständigen Fraunhofer-Institut ab 2013 mit insgesamt 37,5 Mio. Euro. Kruse bedankte sich bei der Einweihung in der EMB auch bei Renate Menken, Vorsitzende der Possehl-Stiftung, für Ihre finanzielle Unterstützung über 150 000 Euro. Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer nannte »CRYO-BREHM« ein neues Aushängeschild für Lübeck als Stadt der Wissenschaft.

Mitbegründer von »CRYO-BREHM« sind die Geschäftsführer des Tierparks Hagenbeck, Dr. Stephan Hering-Hagenbeck, und des Rostocker Zoos, Udo Nagel, die bei der Zulieferung des Biomaterials bis heute enge Kooperationspartner sind. Allein aus diesen beiden Tierparks wurden inzwischen Gewebeproben von rund 40 exotischen Arten geliefert, die in der EMB für die Kryo-konservierung präpariert wurden. »Das Besondere an »CRYO-BREHM« ist«, so Hering-Hagenbeck bei der Einweihung in
Lübeck, »dass für die Probengewinnung kein Tier leiden muss oder gar getötet wird«. Vielmehr würden verendete Tiere oder Zellgewebe aus der Plazenta einer Tiergeburt zugeliefert - wie jüngst im Dezember 2009 bei der Geburt eines Zebras im
Tierpark Hagenbeck.

Aufgrund des Erfolgs dieser Lebendablage von Zellen werden aber auch bereits parallel Zellen von seltenen Haustierrassen gesammelt und abgelegt, um auch deren organismische Gesamtinformation und lebende Zellen für die Nachwelt zu erhalten. Inzwischen bringt der Kurierdienst der EMB mindestens einmal jede Woche von verschiedenen Standorten im Norden Deutschlands Proben für die Sammlung.

Grundlage von »CRYO-BREHM« ist die Bündelung der zellbiologischen Kompetenz der Lübecker EMB, unter deren Regie die Zellen isoliert, vermehrt und eingefroren werden und der langjährigen Erfahrungen des saarländischen IBMT (Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik, St. Ingbert), das die Technik für eine langfristige, sichere und verwechslungsfreie Kryokonservierung lebender Zellen bei Temperaturen des flüssigen Stickstoffs auf eine neue Qualitätsebene gehoben hat. Prof. Fuhr, Direktor des IBMT: »Unter Kryokonservierung versteht man in der Biologie und Medizin die Lagerung von lebenden Zellen und kleinsten Gewebestücken bei tiefsten Temperaturen. Das Tieffrieren ist die einzige Möglichkeit, das Leben reversibel anzuhalten, das heißt Zellen lebend und dauerhaft aufzubewahren«.
Die Idee und Gründung des »CRYO BREHM« erfolgte im Schulterschluss zwischen Fraunhofer EMB und Fraunhofer IBMT am 02.November 20007 und ist Bestandteil des Bioarchivs der Fraunhofer-Gesellschaft.

Quelle: Fraunhofer-Einrichtung für
Marine Biotechnologie EMB

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