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Kultur Wissenschaft Ausbildung

Lutz Gallinat berichtet über die 5. Großen Kiesau-Literaturnacht

07. März 2010 (HL-Red.). "Am 28.Februar 2010 ging die 5."Große Kiesau-Literaturnacht" unter dem Motto "Der lange Atem" über die Bühne," berichtet Lutz Gallinat, "organisiert von Bettina Thierig, Reinhard Göber und Dan Burdon. In zehn Privathäusern der "Großen Kiesau" brachten zehn SchauspielerInnen, fünf AutorInnen und zwei
Musikerinnen aktuelle Literatur nahe. Der Literaturgenuss war von Bettina Thierig und dem Theaterregisseur Reinhard Göber ins Leben gerufen worden und feierte 2006 Premiere. Bei dieser Veranstaltung mit partiellem Performancecharakter war Henry Thierig für die technischen Effekte verantwortlich.
Die Lübecker Autorin Bettina Thierig selbst bot nach einführenden Worten Reinhard Göbers in ihrem Haus Große Kiesau Nr.1 eigene Lyrik und Kurzprosa unter dem Titel "Abgeferkelt", rezitiert von ihr selbst und Mario Gremlich, Theater Biel-Solothurn.
Ihre oft doppeldeutige Lyrik ist durch extreme Abbreviatur geprägt. Die Künstlerin bringt die Dinge wie in der pointilistischen Malerei auf den Punkt. Mit einer kühnen Metaphorik sucht sie den Weg zum Du. Enigmatisch-kryptische Wendungen erinnern etwas an Paul Celan. In ihren mosaikartigen, oft skurril-grotesken, hintergründigen und partiell bizarren Poemen will sie die Wahrheit entdecken. Bettina Thierig spielt virtuell mit der Realität und offenbart ihre Sehnsucht nach Verwandlung. Sie gestaltet subtil die Gebrochenheit der Moderne und zieht als Dichterin der Desillusionierung schonungslos Bilanz. Mit farbigen Impressionen, reizvollen Collagen und Montagen hält sie den flüchtigen Augenblick in ihrer Lyrik fest. Zynisch und sarkastisch nimmt sie politische und gesellschaftliche Missstände unter die Lupe. Psychoanalytisch geschult, demaskiert sie subtil die Welt des Scheins. Ihre Prosa und Lyrik muten bisweilen kafkaesk an und enthalten auch surrealistische Elemente. Bettina Thierig reflektiert auch intensiv und fokussierend ihren eigenen poetologischen Prozess und das philosophische Problem der Zeit. Wort- und Sprachspiele und interessante Neologismen prägen die Gedichte. Die Autorin dekonstruiert kunstvoll den wissenschaftlichen und journalistischen Diskurs.
Ihr gelingt auch eine kunstvolle Raum-Zeit-Relation im Sinne des Strukturalismus und des Poststrukturalismus. Durch die Windgeräusche vom Band entwickelte sich die Soiree zu einem multimedialen Ereignis. Bettina Thierig und Gremlich wiederholten manchmal die Worte des anderen, so dass die Zuhörerinnen und Zuhörer zum Nachdenken angeregt werden sollten. Beide Akteure überzeugten durch eine hervorragende und nuancierte Sprechtechnik.
Sie ließen schließlich die Textblätter fallen, was zu einer doppeldeutigen Entblätterung führte. Es wurde außerdem zur Affirmation des Mottos "Abgeferkelt" reales Schweinefleisch gereicht.
Mario Gremlich, der bereits unter der Leitung Reinhard Göbers am "Theater Lübeck" beachtliche Rollen gespielt hatte, wird im Sommer auf der Travemünder Passat die "Schatzinsel" von Stevenson und im Spielcasino den "Spieler" von Dostojewski präsentieren.
Bettina Thierigs Gedichte bei diesem Event sind zum Teil in ihrem ersten 2007 erschienenen Gedichtband "Pausenlos" veröffentlicht worden. Ihr zweiter Gedichtband wird noch in diesem Jahr erscheinen.
Die Autorin und der Schauspieler wurden schließlich mit sehr viel Beifall bedacht.
Im Anschluss trafen sich Autoren, Hauseigentümer und das Publikum wie immer in der Schiffergesellschaft. Thierig und Göber stellten dabei alle Autoren, Künstler und Bücher vor."

Lutz Gallinat

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