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Kultur Wissenschaft Ausbildung

Lutz Gallinat berichtet über 252. Literarischen Frühschoppen

07. März 2010 (HL-Red.). Die Aktualität des Werkes Franziska Gräfin zu Reventlows und ihres zeitliches Umfeldes bewies der 252. "Literarische Frühschoppen" des "Lübecker Autorenkreises und seine Freunde e.V." am letzten Sonntag im Lübecker "Alten Zolln", setzt Lutz Gallinat seinem Beitrag voran. "Therese Chromik (Kiel/Husum) präsentierte dabei ihre 2009 im Verlag Schmidt& Klaunig" erschienene Kurzbiografie "Wenn ich nur lieben kann." -"Franziska zu Reventlow".

Franziska Gräfin zu Reventlow wurde am 18.5.1871 in Husum geboren und starb am 25.7.1918 in Muralto (Tessin). Nach der Pensionierung des Vaters, des Landrats von Husum, siedelte die Familie nach Lübeck über. Als Reventlow volljährig wurde, brach sie mit der Familie und ging über Wandsbek 1893 nach München. Hier studierte sie Malerei, finanziert von dem Hamburger Gerichtsassessor Walter Ernst Lüpke. Sie fand in der Schwabinger Boheme die für ihre persönliche Entfaltung geeignete Umgebung, war u.a. befreundet mit Ludwig Klages, Rainer Maria Rilke und Karl Wolfskehl, malte und stand Modell und übersetzte für Langen-Müller zahlreiche Romane und Erzählungen aus dem Französischen wie z.B. Marcel Prevost, Anatole France, Guy de Maupassant. Sie lebte am Rande des Existenzminimums in äußerst dürftigen Verhältnissen; das durch eine Scheinehe mit einem baltischen Baron erworbene Vermögen verlor sie durch den Bankrott der Bank. Seit 1911 hielt sie sich vorwiegend in der Schweiz auf. Ihr literarisches Werk umfasst neben den Übersetzungen fünf z.T. kleinere Romane und zahlreiche Erzählungen und Aufsätze. Am Anfang ihres Romanschaffens steht die autobiografisch fundierte Geschichte einer jungen Frau, die sich in der freien Lebensform der Boheme neue Perspektiven eröffnen ("Ellen Olestjerne"). Eine ironisch gefärbte Darstellung der Schwabinger Boheme folgte mit "Herrn Dame`s Aufzeichnungen". Hintergrund des Romans "Der Geldkomplex" ist der Tessiner Bankkrach, der sie wieder arm machte. Zu dem bedeutendten Teil ihres Werkes gehören die Tagebuchaufzeichnungen und Briefe, die ein facettenreiches Bild der Verfasserin und ihrer Zeit sowie ihrer Vorstellungen von einem auch sexuell freien Leben zeichnen.
Mit Verständnis und viel Sympathie stellte die Husumer Autorin Therese Chromik das Leben der Franziska zu Reventlow knapp und einleuchtend dar und bezog dabei auch bisher unveröffentlichte Erinnerungen der Bildhauerin Anna Petersen ein, die als Kind mit der im Husumer Schloss geborenen Franziska befreundet war.
In einem besonderen Teil gab die Autorin mit eigenen Gedichten und einer Geschichte Einblick in die Persönlichkeit der Franziska zu Reventlow. In ihren Poemen spiegelt Therese Chromik einfühlsam und feinsinnig ihren eigenen Blick auf die Vita und das Werk dieser "femme fatale und femme fragile". Die mit vielen Bildern ergänzte Kurzbiografie enthält Hinweise auf weitere Literatur, die die den Leser zu eingehender Beschäftigung mit dieser außergewöhnlichen Frau und ihrer Epoche anregen sollen.
Therese Chromik, die akribisch recherchiert hatte, verband in ihrem auch aufgrund der vielen Zitate und Schaubilder anschaulichen und lebendigen Vortrag virtuos und brillant Wissenschaftlichkeit und Literarizität. Sie wurde nach einer regen Diskussion unter der Leitung Klaus Rainer Golls, des 1.Vorsitzenden der literarischen Vereinigung, mit sehr viel Beifall bedacht."

Lutz Gallinat

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