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Kultur Wissenschaft Ausbildung

L. Gallinat zu Remter-Konzert "Bachs Goldberg-Variantionen"

28. Februar 2010 (HL-Red.). "Es war eine anspruchsvolle und faszinierende Soiree", so beginnt Lutz Gallinat bekanntermaßen seine Beiträge gerne. Gut so; denn auf das dann Folgende kommt es schließlich an: "Am letzten Donnerstag bot Hans-Jürgen Schnoor, Cembalo, im Rahmen der Remter-Konzerte im vollbesetzten St.Annen-Museum Lübeck 2010 die Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach.
Ebenso wie die "Bauernkantate" aus demselben Jahr 1742 zeigen die sog."Goldberg-Variationen", die Bach als vierten und letzten Teil der "Clavier Übung" mit dem ausführlichen Titel "Aria mit verschiedenen Veränderungen" in Druck gab, seinen Humor. Obgleich der Verfasser die insgesamt 30 Variationen "Denen Liebhabern zur Gemüths-Ergetzung" widmete- der Amateur dürfte freilich nach angemessenem Studium des Werkes zum Profi geworden sein-, gehen sie auf einen ungewöhnlichen Auftrag zurück.
Bereits 1733 hatte Bach im livländischen Reichsgrafen von Keyserlingk einen adligen Gönner gefunden, der in Dresden seine Bestallung als Hofkomponist durchsetzte. Obwohl erst knapp 50, litt er an Schlafstörungen und ersuchte wohl 1741 den Kantor um einige geeignete Klavierstücke, "die so sanften und etwas muntern Charakters wären, dass er dadurch in seinen schlaflosen Nächten ein wenig aufgeheitert werden könnte".

Er hatte auch den geeigneten Cembalisten: Johann Gottlieb Goldberg, gerade 14jährig, der in Dresden Schüler von Wilhelm Friedemann Bach war und diesen gelegentlich auf seinen Reisen zum Vater nach Leipzig begleitet hatte. Bach nahm den Auftrag durchaus wörtlich, fügte zur Sanftheit und Heiterkeit aber noch die Kunstfertigkeit der Variationstechnik hinzu.
Bach hielt die Variationsform als artistisches Spiel mit der musikalischen Materie für besonders geeignet, solche heilsam-ermunternde Wirkung zu evozieren, und es gab gebildete Hörer, die für das Vergnügen dieses Spiels auch auf höchster geistiger Ebene spontan empfänglich waren. Dass die Goldberg-Variationen im modernen Konzertsaal die besondere Sympathie der Cembalisten und Pianisten sowie des Publikums genießen, darf als gutes Zeichen eine allgemein gewordenen Verständnisses für Technik, Stil und Geist der Bachschen Musik gewertet werden.
Hans-Jürgen Schnoor spielte auf dem Cembalo von Cornelis A.Bom, Schoonhoven (Niederlande), 1996 nach Michael Mietke (1710), virtuos und brillant, mit Leidenschaft, Hingabe und viel Verve und Esprit. Für die Neubekielung in Feder war Ulrich Weymar, Hamburg, 2010, verantwortlich.
Der Cembalist wurde schließlich mit sehr viel Beifall bedacht."

Lutz Gallinat

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