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L. Gallinat: "Literatur im Gespräch" - M. Eickhölter zu H. Mann

25. Februar 2010 (HL-Red.). Autoren haben nicht für Wissenschaftler geschrieben, sondern für Leser, die sich von einer gut erzählten Geschichte und schöner Sprache mitreißen lassen. Ein besonderes Vergnügen entsteht, wenn man sich in geselliger Runde über seine Leseerlebnisse austauschen kann. Mit Manfred Eickhölter wendete sich die Reihe "Literatur im Gespräch" am letzten Mittwoch im Gewölbekeller des Lübecker Buddenbrookhauses einem weniger bekannten Werk Heinrich Manns zu und fragte nach dem Zeitbezug von "Eugenie oder die Bürgerzeit".

Der 1928 erschienene Roman ist thematisch ein Gegenstück zu den "Buddenbrooks" des Bruders Thomas Mann. Nach dem 1925 erschienenen Roman "Der Kopf", der in die Reihe der sozialkritischen Satiren auf die Wilhelminische Gesellschaft gehört, wandte Heinrich Mann sein Interesse hauptsächlich politischen und kulturpolitischen Themen zu, die er in einer Anzahl von Reden und Vorträgen behandelte. Nach Manns eigenen Äußerungen eigneten sich diese Jahre der politischen Umwälzung schlecht zum Schreiben von Gesellschaftsromanen der üblichen Art, weil die Distanz des Schriftstellers zu den aktuellen Tagesfragen zu gering sei. Zwischen 1925 und 1932 schrieb Heinrich Mann vier Romane, die unter dem Sammelbegriff "Romane der Republik" zusammengefasst wurden. Während "Mutter Marie" (1927), "Die große Sache" (1930) und "Ein ernstes Leben" (1932) zeitgebundene Stoffe behandeln, erzählt der 1927 begonnene Roman "Eugenie oder die Bürgerzeit" den "Verfall einer Familie" in der Zeit Napoleons III. In beiden Werken ist Lübeck Ort der Handlung, doch anders als sein Bruder, der die Familiengeschichte der Buddenbrooks über vier Generationen hin erzählt, zeigt Heinrich Mann nur die Endphase des Untergangs der Familie Mann.
Höhepunkt ist die Aufführung des Dramoletts von Heines, das die Begegnung Eugenies mit Wilhelm I. auf Schloss Wilhelmshöhe im Jahre 1870 behandelt. Dieses "Spiel im Spiel"- ein beliebter und von Heinrich Mann immer wieder verwendeter Topos- ist nicht nur ein Spiegel, der die Gestalten des Romans reflektiert, sondern auch eine zweite Handlungsebene, auf der das Romangeschehen vorweggenommen wird: Der Untergang des französischen Kaiserreichs deutet auf Wests Bankrott und, über die eigentliche Romanhandlung hinaus, auf den Untergang des Bürgertums hin. Gabriele muss überlegen, ob die Worte, die, die sie lernt, wirklich nur die Worte ihrer Rolle sind oder Kommentierungen ihrer eigenen Situation.
Dr.Manfred Eickhölter leitete die rege Diskussion bei dieser Veranstaltung des Fördervereins Buddenbrookhaus e.V. kenntnisreich und engagiert. Er wurde schließlich mit sehr viel Beifall bedacht."

Lutz Gallinat

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