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Lutz Gallinat zum Konzert des Lübecker Studentenorchesters

22. Februar 2010 (HL-Red.). "Es war eine anspruchsvolle Soiree. Am letzten Freitag fand im gut gefüllten Lübecker Kolosseum das Eröffnungskonzert des "Lübecker Studentenorchesters" unter der Leitung Harish Shankars statt", so beginnt Lutz Gallinat seinen Beitrag zu und über dieses Konzert. Und weiter: "Am Anfang wurde die "Prager Sinfonie" von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)geboten, die 1787 in Prag zum ersten Mal aufgeführt wurde.
Ohne Zweifel bildet die Sinfonie den krönenden Abschluss der D-Dur-Werke, deren Höhenlinie über die "Pariser" und "Haffner"-Sinfonie verläuft. In dem Opus, das zwischen dem D-Dur des "Figaro" - es gibt im ersten und letzten Satz einige fast wörtliche Anspielungen- und dem problematischen D-Dur des "Don Giovanni", besonders in der dunkel großartigen Einleitung, oszilliert, ist äußerste Konzentration das Stichwort. Sie spiegelt sich nicht nur in dem Fehlen des Menuetts, das nichts Zusätzliches sagen könnte, sondern vor allem in der thematischen Arbeit der Rahmensätze. In einem biswlang ungehörten Maß beschränkt sich Mozart in den Durchführungen auf das Hauptthema und dessen kontrapunktische Verdichtung, die im Finale sogar Züge einer wahren tour de force annimmt. Das Eruptive, der alles mitreißende Schwung fehlt zwar dem Andante, doch ist es in seiner "innigen Verbindung von Kantabilität mit polyphoner Haltung" ein nicht minder gewichtiger Satz als die beiden Rahmensätze.
Es folgten dann die "Metamorphosen" von Richard Strauß (1864-1949).
"Metamorphosen, Studien für 23 Solostreicher" heißt das letzte der bisher bekanntgewordenen Orchesterwerke von Strauß, deren Uraufführung 1946 in Zürich stattfand. 23 Solostreicher- also nicht mehr das kompakte, schillernde, geballte, klangtrunkene Strauß-Orchester von einst, sondern Vereinzelung und Verselbständigung, dennoch Bindung an ein Höheres, Ganzes. Es handelt sich um eine freie Fantasie, die einen Grundgedanken abwandelt in kunstvoller Vielsträhnigkeit, klanglich unberührt von aller "Modernität", philosophisch-klassische Reife eines Alters, das in gelassener Schwermut auf ein Leben zurückschaut, auf ein Leben, das wie ein Kreis beim Ausgangspunkt wieder anlangt, nachdem es Höhen und Tiefen durchmesen hat. Und das Leben ist im tiefsten doch tragisch. Vorbildhaft klar der Bau: ein lastend-langsamer, statischer Beginn- allmähliche Steigerung zu bewegter, dynamischer, vielstimmiger Klangschönheit- zum Schluss Zurückgehen auf die Anfangsstimmung. Vollendete Kunst, weil die erstaunliche Meisterung der Vielstimmigkeit sich nicht aufdrängt, sondern in den ruhig fließenden Strom der Streicher unauffällig und wie selbstverständlich eingebettet liegt. Das Ganze ist bekenntnishaft durchzogen von "Parsifal"-Vorhalten und Trauermarsch-Rhythmen aus der "Eroica".
Ein schlüssiger Beweis, dass man auch im Zeitalter der Neuen Musik mit alten Mitteln etwas aussagen kann- wenn man etwas zu sagen hat.
Den Abschluss bildete die 3.Sinfonie von Johannes Brahms ((1833-1897), zum ersten Mal aufgeführt 1883 in Wien.
In dieser Sinfonie werden die geistigen Lehren aus den beiden vorangehenden gezogen: sie ist ebensoweit entfernt von lastendem Grübeln wie von heiter schwingendem Lebensgefühl. Unbeirrbar geht der Sinfoniker seinen Weg: männlich fest, doch nicht zerquält, klar, doch nicht heiter. Diese geistige Haltung bedingt eine neue Ausdrucksweise. Wohl bleibt Beethovens Schaffensgrundsatz erhalten, aus einem einzigen Kernmotiv die ganze Sinfonie zu entwickeln. Aber da die Klarheit des Geistes nicht erst errungen werden muss, sondern als entscheidender Wesenszug von vornherein feststeht, legt Brahms, hierin einmal Bruckner verwandt, den Nachdruck auf die Themengestaltung, nicht auf ihre Verarbeitung. Die F-dur-Sinfonie ist nicht eine entwickelnde, erzählende Dichtung, sondern ein Drama, in dem ausgeprägte Grundsätze aufeinanderprallen.
Harish Shankar dirigierte das Lübecker Studentenorchester an diesem Abend sicher, engagiert und mit viel Verve und Esprit.
Ende 2009 entstand die Idee, ein junges Sinfonieorchester mit Sitz in Lübeck zu gründen. Das Lübecker Studentenorchester geht auf eine Initiative von Musikstudenten zurück und ist eine Zusammenkunft junger KünstlerInnen aus ganz Deutschland, die großartige Musik auf hohem Niveau machen wollen. Es sind Studierende, die aus Gründergeist und reiner Liebe zur Musik etwas zu bewirken versuchen. Alle Mitglieder engagieren sich ehrenamtlich.

Mittelfristig sind halbjährliche Konzerte geplant. Diese Konzerte sollen den Mitgliedern ein weiteres Forum anbieten, in dem sie ihre Kunst verfeinern können. Langfristig möchte das Lübecker Studentenorchester ein fester Bestandteil der Lübecker Kulturlandschaft werden.

Alle Akteure wurden schließlich mit sehr viel Beifall bedacht."

Lutz Gallinat

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