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Agentur für Arbeit Lübeck

Kultur Wissenschaft Ausbildung

L. Gallinat zum Wi-Semesterschluss "Studium generale" Uni Lübeck

14. Februar 2010 (HL-Red.). Auch Lutz Gallinat hat "rechtzeitig" zum kulturellen Gelingen dieses Sonntags folgenden Beitrag übermittelt: "Es war ein wunderbarer Abschluss des "Studium generale" der Universität zu Lübeck im Wintersemester 2009/2010. Am letzten Donnerstag sprach Prof.Dr. Volker Scherliess, Musikhochschule Lübeck, im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Rausch und Rauschen" im Hörsaal des Audimax zum Thema "Rausch und Ekstase in der Musik".
Alle Musik steht im Spannungsfeld von Rationalität und Sinnlichkeit: reines Gedankenspiel auf der einen Seite, emotionaler Überschwang auf der anderen. Sowohl Pythagoras, der Begründer von Intervall- und Proportionslehre, als auch der mythische Sänger Orpheus, dessen zauberische Klänge alle Welt in Bann schlugen, wurden über Jahrhunderte als Ur-Musiker verehrt. In ihnen verkörpern sich die beiden Prinzipien, die als „Intellekt und Gefühl“, „Kälte und Gluthitze“ u. ä. einander gegenüberstehen. Freilich nur als theoretische Gegensätze. In der musikalischen Praxis müssen sie zusammenwirken, denn jede Musik, die eine emotionale Aussage vermitteln soll, kann dies nur durch klare Formulierungen. Im Gegensatz etwa zur Improvisation, bei der ein Spieler sich selbst und sein Publikum in Trance versetzen kann, muß in der Kunstmusik jeder Schritt bewußt und nachvollziehbar vorgenommen werden. Der Komponist schreibt sein Werk ja auf, damit es – unabhängig vom einmaligen Moment – jederzeit wiederholt werden kann. Und dabei gilt: je wilder, je entfesselter die dargestellte Emotion, um so strenger die intellektuelle Kontrolle!
Dass so ungebändigte, antikünstlerische Zustände wie Rausch und Ekstase selbst zum Thema der Kunst wurden, setzte historisch spät ein. Erst im Zusammenhang mit der Französischen Revolutions-Musik nahmen sich die Komponisten ihrer an. Über Beethoven, Berlioz und Wagner führt eine Entwicklung zur musikalischen Moderne, die gerade die Darstellung des Unerhörten, alle Fesseln Sprengenden faszinierend differenzierte. Einige solcher Beispiele wurden bei dieser Veranstaltung vorgestellt.
Volker Scherliess (geb. 26. März 1945) studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Philosophie in Hamburg. Seit 2009 ist er assoziiertes Mitglied der Max-Planck-Research-Group „Das wissende Bild“ am Kunsthistorischen Institut in Florenz (Max-Planck-Institut).
Er schrieb Bücher – darunter „Alban Berg“ (Reinbek 1975), „Gioacchino Rossini“ (Reinbek 1991), „Igor Strawinsky: Le Sacre du printemps“ (München 1982), „Igor Strawinsky und seine Zeit“ (Laaber 1983, 2. Aufl. 2002), „Neoklassizismus: Dialog mit der Geschichte“ (Kassel 1998) – und veröffentlichte zahlreiche Publikationen zur neueren Musikgeschichte, insbesondere über die Beziehungen zwischen Musik und Bildender Kunst sowie Musik und Literatur, darunter mehrere Aufsätze und CD-Produktionen zum Thema „Thomas Mann und die Musik“.
Der anschauliche und lebendige Vortrag löste eine rege Diskussion unter der Leitung Prof.Dr. Cornelius Borcks aus. Die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer spendeten bei diesem öffentlichen Vortrag mit Unterstützung der Hanseatischen Universitätsstiftung sehr viel Beifall."

Lutz Gallinat

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