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L. Gallinat: "Orgelschöpfung"- Zehn Jahre Konzerte an St.Vicelin

09. Februar 2010 (HL-Red.). "Es war ein anspruchsvolles und faszinierendes Gesamtkunstwerk. Zum Abschluss der Veranstaltungsreihe "Orgelschöpfung"- "Zehn Jahre Konzerte an St.Vicelin" wurden am letzten Sonntag im Rahmen des "Viceliner Winters 2010" Orgelimprovisation und Dichtung Ernst Jandls geboten", schreibt Lutz Gallinat nach diesem Konzertbesuch. Und weiter: "Die musikalisch-literarische Aktion "Weltgebräuche", die nach der Pause präsentiert wurde, entstand ursprünglich als Ergebnis gemeinsamen Improvisierens des Organisten Martin Haselböck, des Posaunisten Rudolf Josel und des intensiven musikalischen Interesses Ernst Jandls. Haselböck, Jandl in langjähriger Bewunderung und Freundschaft verbunden, konnte den Dichter für eine Werkzusammenstellung mit komponierter und improvisierter Orgelmusik interessieren. In der Zusammenstellung der verwendeten Texte klingt jede Sakralsphäre an, die die Orgel in ihrer Funktion als Kirchen- und Konzertinstrument ambivalent weiterdeutet.
Die im Hinblick auf das Konzert in St.Vicelin entstandene Fassung beschränkte die Textauswahl auf 12 von insgesamt 28 28 Weltgebräuche-Gedichten, verzichtete auf den Einsatz der Posaune und überließ somit der Orgel den gesamten Spielraum für ihre musikalische Entfaltung.
Ernst Jandl wurde am 1.8.1932 in Wien geboren und starb dort am 9.6.2000.
Die Begegnung mit Friederike Mayröcker , G.Rühm und den Vorstellungen der "Wiener Gruppe" regte ihn nach eher konventionellen Anfängen zu einer an Konkreter Poesie, Dadaismus, Expressionismus und Gertrude Stein orientierten experimentellen Dichtung an, die eine Vielzahl von Sprech- und Ausdrucksweisen erprobte. Lautgedichte, visuelle Texte, Prosastücke, Sprechgedichte gehören zum Repertoire. Dabei zeigt er Witz, eine Neigung zur Pointe und Lust am anarchischen Sprachspiel, verzichtet aber bei seinen Sprechgedichten- im Unterschied zu den rein mit phonetischem Material arbeitenden Lautgedichten- durchaus nicht auf "Bedeutung", z.B. im Text"lichtung" aus "Laut und Luise", der Sammlung, die seinen Durchbruch markiert. Zu seinem Erfolg trug im übrigen auch seine Vortragskunst wesentlich bei. In den siebziger Jahren gewann Jandl seiner Dichtung durch die Verwendung einer "heruntergekommenen Sprache" als Material zur Darstellung eines beschädigten Lebens neue Ausdrucksmöglichkeiten ab. Zugleich machte sich eine wachsende Verdüsterung und Bitterkeit bemerkbar.
Der bekannte in Lübeck lebende SchauspielerRainer Luxem rezitierte die Texte Jandls einfühlsam, nuanciert und engagiert, wobei ihn Martin Haselböck virtuos und brillant an der Orgel begleitete. Die Orgelmusik wurde außerdem auf einen Bildschirm übertragen.
Beide Akteure wurden schließlich bei dieser Veranstaltung in der Katholischen Kirchengemeinde St.Vicelin mit sehr viel Beifall bedacht."

Lutz Gallinat

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