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"Friederike“ – Lehárs vergessene Goethe-„Oper“

31. Januar 2010 (HL-Red.). HS-Kulturkorrespondenz: „Friederike“ – Lehárs vergessene Goethe-„Oper“ - Von Horst Schinzel: Der viel gefeierte ungarische Komponist Franz Lehár hielt seine Tonschöpfung „Friederike“ für eines seiner besten Werke. Sah geradezu in dieser Operette. obwohl selbst als „Singspiel“ bezeichnet – gar eine Oper, von der er meine, sie habe einen Welterfolg errungen. Davon war dieses vom Inhalt wie musikalisch doch sehr bescheide Musikwerk nun freilich weit entfernt.

Die Theaterunternehmer Fritz und Alfred Rotter benötigten für das von ihnen 1927 übernommene Metropoltheater in Berlin ein zugkräftiges Stück. Dies glaubten sie in Lehárs Neuschöpfung gefunden zu haben. Die Einstudierung ließen sie sich etwas kosten. Die Rolle der Friederike wurde von Käthe Dorsch gesungen, währen der damals auf der Höhe seines Ruhms stehende Richard Tauber den Goethe sang. Und dies für beachtliche 2ßßß Mark Abendgage. Zur Uraufführung kame vom Kronprinzen über Henny Porten, Heinrich
Mann, Albert Einstein und Alfred Hugenberg so ziemlich alle, die zu dieser glaubten, in Berlin etwas zu sein.
Und obwohl das Goethe-Lied „Oh Mädchen, mein Mädchen, wie lieb ich Dich“ aus heutiger Sicht banal und abgegriffen wirkt, musste Tauber es fünfmal wiederholen.
Schon kritische Zeitgenossen sahen eine bemerkenswerte Nähe dieses Stückes zu dem zu dieser Zeit sehr populären – heute längst vermessenen – Singspiel „Alt-Heidelberg“. Immerhin war Lehárs Name zugkräftig genug, dass das Schmachtwerk zwar nicht an der Wiener Staatsoper, aber doch in London, Paris und letztlich sogar in Paris gespielt wurde. Nur nicht im NS-Deutschland. Nicht dass der Kunstgeschmack des „Führers“ so erlesen gewesen wäre, dass er die schwerwiegenden Mängel dieses Stückes erkannt hätte. Aber die NS-Größen glaubten, das Andenken Goethes würde hier „verjudet“ Auch konnten sich Franz Lehar und der damalige
Präsident der Reichsmusikkammer Richard Strauss durchaus nicht leiden. Und weil auch der „Reichsdramaturg“ Einwände hatte, untersagte Hitler eine Aufführung. Bei einer für Goebbels arrangierten Privataufführung fand dieser ausnahmsweise zutreffend, „Text und Vorwurf etwas kitschig“. Immerhin – die Musik gefiel ihm.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Lieblingswerk des Komponisten bereits gründlich in Vergessenheit geraten. Und das ist es bis heute.
Sehr zu recht, wie der Mitschnitt (cpo 777330-2) einer Aufführung im Münchner Prinzregententheater als Gemeinschaftsproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk im März 2008 zeigt. Selbst solche herausragenden Sängerinnen und Sänger wie Klas Florian Vogt als Goethe, Daniel Behle als Lenz, Kristiane Kaiser als Friederike und Sylvia Schwartz als Salomea können nicht darüber hinweg täuschen, dass das musikalische Gewicht dieses Werkes sehr bescheiden und der Inhalt schlicht trivial ist.
Es geht um die Begegnung des Studenten Goethes mit der Pfarrerstochter Friederike Brion in Seesenheim im Elsass. Die Textdichter Ludwig Herzer und Fritz Beda-Löhner lassen Friederike großmütig Verzicht auf den Geliebten leisten, weil der zu Höherem geboren ist. Dazwischen dichtet Goethe das “Heideröslein“. Acht Jahre später kehrt Goethe mit Herzog Ernst-August nach Seesenheim zurück und weist dem die Stätten seiner Jugend und das Vorbild seines Heiderösleins. Der Herzog ist geziemend beeindruckt. Auch wer nicht mit Joseph Goebbels daran zweifelt, ob man Goethe so auf die Bühnen bringen kann: Dieses Machwerk ist zu recht vergesse. Musikalisch ist es bedeutungslos.

Quelle: HS-Kulturkorrespondenz

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