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Agentur für Arbeit Lübeck

Kultur Wissenschaft Ausbildung

L. Gallinat zur Lesung Matthias Polityckis "Jenseitsnovelle"

27. Januar 2010 (HL-Red.). "Die Lesereise um den Preis der "LiteraTour Nord 2009/10" wurde am letzten Montag im vollbesetzten Lübecker Buddenbrookhaus fortgesetzt", schreibt Lutz Gallinat zu oben genannter Lesung. Und weiter: "Matthias Politycki las aus seiner 2009 bei Hoffmann&Campe, Hamburg, erschienenen "Jenseitsnovelle".
Hinrich Schepp ist unter die Sehenden geraten. Nach Jahrzehnten starker Kurzsichtigkeit möchte er den Frauen und ihrer grandioser Unbegreiflichkeit endlich auf den Grund kommen. Umso mehr, als er in seiner Stammkneipe eine verführerische Schönheit an der Bar beobachtet, die- für einen Schepp entsetzlich verwerflich und glückverheißend zugleich- von ihrer Begleiterin erst geküsst, dann in den Hals gebissen wird. Sein Leben gerät endgültig in die Schieflage, als ebenjene Frau wenig später wieder in seiner Kneipe auftaucht- als Bedienung. Aber was hat das alles mit den Notizen seiner Frau Doro zu tun, die er eines Morgens auf dem Schreibtisch findet? Und was mit dem dunklen kalten See, in den die Frischverstorbenen laut Doro alle hineinmüssen, um darin ein zweites Mal zu sterben? Matthias Politycki erzählt vom Glück und Unglück der Liebe und wie der Tod all ihre Gewissheiten zunichtemachen kann.
Mit intellektueller Genauigkeit und formalästhetischem Geschick zerlegt der Autor die Sprache in ihre Einzelbestandteile; er bricht die gewohnten Satzstrukturen auf und verleiht der Farbqualität der Vokale inhaltliche Bedeutung. An deutsche Romantiker und Expressionisten wie auch an französische Symbolisten anknüpfend, spielt der Roman auf unterschiedlichen Handlungsebenen, verwendet Sprache und Literatur als Mittel auf der Suche nach Schönheit. Matthias Politycki dekonstruiert subtil und auch ein wenig selbstironisch den poetologischen Prozess. Die durchrythmisierte Musikalität, die zum Teil ungewohnte Syntax und die grammatikalischen Eigenheiten des Romans leiten sich aus seinem poetisch-lyrischen Impetus ab.
Der Schriftsteller, geboren 1955 in Karlsruhe, studierte Literaturwissenschaft und Philosophie in München und Wien, promovierte über Nietzsches Urteile zur deutschen Literatur, ist seit 1990 als freier Schriftsteller tätig, unternahm ausgedehnte Reisen, veröffentlichte mehrere Romane, Erzählungs- und Gedichtbände sowie Essays und positioniert sich "im Schnittpunkt zwischen Moderne und Postmoderne". Er lebt in Hamburg und München.
Die Lesung löste eine rege Diskussion unter der Leitung Prof.Dr. Hans Wißkirchens, des Geschäftsführenden Direktors der Lübecker Museen, aus. Matthias Politycki wurde schließlich mit lang anhaltendem Beifall bedacht."

Lutz Gallinat

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