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HSK: Kieler „Meistersinger“ ohne Butzenscheiben-Romantik

24. Januar 2010 (Kiel/HL-Red.). HS-Kulturkorrespondenz: „Meistersinger“ ohne Butzenscheibenromantik - Von Horst Schinzel: Neben dem „Ring“ ist es vor allem Richard Wagners Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“, an die sich die Intendanten unserer Stadttheater nur einmal im Abstand einer Generation wagen. Der riesige Apparat, Besetzungsprobleme, die lange Dauer verschrecken. Jetzt kann man in Kiel Wagners teils großartige, teils vom Pathos her nicht mehr in unsere Zeit passende Oper erleben. Um es gleich am Anfang zu sagen: Der ganz große Erfolg ist ausgeblieben. Dafür gibt es viele Gründe.




Foto Theater Kiel/Olaf Struck

Das – freischaffende - Regieteam mit dem Götz Friedrich-Schüler Roman Hovenbitzer, Tilo Steffens (Bühnenbild) und Henrike Bromber (Kostüme) überkrampft sich bei dem Bemühen, Butzenscheibenromantik zu vermeiden. Allenfalls die Katharinenkirche ist noch als solche zu erkennen. Fachwerkhäuser gibt es nicht, der Reichswald ist arg vom Waldsterben betroffen, die Schusterwerkstatt des Hans Sachs ist eine Gelehrtenstube, auf die allerlei Statuen herabschauen und die Festwiese verkommt zum Kitsch Halbnackte junge Damen tragen ein Blumenherz auf die Bühne, anderen Gespielinnen versteueren aus Füllhörner Rosenblätter o der Wedeln mit Lorbeerzweigen.

Ganz arg wird es in der Schluss-Apotheose: Weil die Nürnberger im Allgemeinen und die Deutschen im Besonderen noch eine Leiche im Keller haben, wird die tatsächlich gezeigt. Sachs steigt zu der herab, um sich dann vor dem Pathos des Schlusschors erschrocken abzuwenden. Er will fliehen – nur wohin. Und für die, die es noch immer nicht begriffen haben, ziehen Trompeter in Bundeswehruniformen auf.
So kommt denn das Werk seltsam unterkühlt daher. Der Funke springt nicht über. Anfänglich ist das Premierenpublikum sogar offensichtlich verschreckt, wie nach der ersten Stunde – die Aufführung dauert deren sechs – vereinzelte Buhrufe erschallen. Keine Lacher, kein Szenebeifall. Doch, einmal doch: Als Kammersänger Hans Georg Ahrens als Nachtwächter ein zweites Mal seine Runde dreht und seinem Horn nur klägliche Töne abringt, dankt das Auditorium wie befreit mit herzlichem Szenebeifall.
Für die Rolle des Hans Sachs wurde mit Ralf Lukax ein viel beschäftigter Wagner-Sänger gewonnen. Seine Maske lässt darüber staunen, dass er schon Witwer ist und die Kinder aus dem Haus. Der Sänger betont den Verzicht, der in dieser Rolle steckt. Ein Verzicht, der in der versuchten Flucht am Schluss gipfelt – eine durchaus gültige Interpretation. Sängerisch bietet Lukas eine abgerundete Leistung. Neben ihm hat es der zweite Gast Corey Bix weit schwerer. Er muss sich lange einsingen und betont dann das Buffoecke seiner Rolle. Ein Ritter halt, der es schwer hat, seinen Platz in der bürgerlichen Gesellschaft zu finden. Bei seinem ersten Auftritt lässt die Regie ihn mit der großartigen Susan Gouthro als Eva Pogner in der Kirche (!) Sex treiben. Aber diese Sängerin bietet ansonsten an diesem Abend die beste Leistung ihrer Kieler Zeit.
Den Sixtus Beckmesser hat Tomohiro Takada durchtrieben und bösartig angelegt. Immerhin muss man in ihm den Büroleitenden Beamten der Nürnberger Ratskanzlei sehen. Vor allem im Dritten Akt wird er zur Karikatur seiner Selbst, die man nur bemitleiden kann. Der David des Fred Hoffmann ist der Maske nach offenbar auf dem
Zweiten oder gar Dritten Bildungsweg zur Schusterlehre gekommen Entsprechend schüchtern ist oftmals sein
Auftreten. Aber sängerisch macht er seine Sache gut
Das lässt sich auch von den vielen übrigen Chargen wie vom Chor der Lehrbuben sagen. Ebenso vom verstärkten Chor in der Einstudierung von David Maiwald Das Philharmonische Orchester der Landeshauptstadt Kiel
ist schon .von seiner Kopfstärke her weit davon ab, ein „Wagneer-Orchester“ zu sein. Unter der stimmigen Leitungen von Generalmusikrektor Georg Fritzsch gefallen vor allem die leisen Abschnitte. In der schmetternden
Schluss-Apotheose tragen die Musiker im Graben arg dick auf. Da könnte sie der GMD gerne etwas zurücknehmen…
Schon nach den Aktschlüssen ist der Beifall warm und herzlich und steigert sich zum Schluss Aber es wurde deutlich: Er galt eben den künstlerischen Leistungen.
Weitere Aufführungen:
21. Februar , 16 Uhr, 28. Februar 17 Uhr.

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