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L. Gallinat zum Vortrag "Verleihung Lit.-Nobelpreis an G. Grass"

22. Januar 2010 (HL-Red.). Wie und wo Günter Grass von der Verleihung des Literaturpreises an ihn erfuhr, davon hörte Lutz Gallinat mit vielen weiteren Zuhörerinnen und Zuhörern im Rahmen eines Vortrages, den der Leiter des Lübecker Günter Grass-Hauses, Jörg-Philipp Thomsa, kürzlich aus Anlass des 10. Jahrestages der Verleihung hielt. Lutz Gallinat berichtet dazu: "Als Günter Grass vor zehn Jahren telefonisch von der Zuerkennung des Literaturnobelpreises erfuhr, war er gerade auf dem Weg zum Zahnarzt. Und er hielt auch daran fest, denn: "Das Leben geht schließlich weiter." Wie das Leben dann tatsächlich weiter ging, wie die Hansestadt Lübeck das Ereignis bewertete, welche Resonanz es in den Medien gab und welche Möglichkeiten sich plötzlich für ein Literaturmuseum in Lübeck auftaten- darüber sprach der Leiter des Lübecker Günter Grass-Hauses, Jörg-Philipp Thomsa, am 10.Januar 2010 im Günter Grass-Haus in der Glockengießerstraße. Auch die Nobel-Urkunde und die Medaille waren zu sehen.
Zwanzig Jahre lang wurde er als möglicher Kandidat gehandelt. Am 30.September 1999, Punkt 13.OO Uhr, hieß es; „Der letzte Nobelpreis für Literatur im 20.Jahrhundert geht an Günter Grass“.
Der Autor erhielt ihn nicht für die „Blechtrommel“, sondern für das Gesamtwerk. , „weil er in munter schwarzen Fabeln das vergessene Gesicht der Geschichte gezeichnet hat“.
Für Marcel Reich-Ranicki war diese Formulierung ein Schlag ins Gesicht, denn seit vierzig Jahren wiederholt er den Vorwurf, Grass könne keine Fabeln konstruieren.
„Das vergessene Gesicht der Geschichte“ ist ebenso treffend, denn Grass beschreibt nie die „großen Männer, die Geschichte machten“, sondern eine Geschichte von unten- übrigens schon zu einem Zeitpunkt, als die Sozialgeschichte in der historischen Forschung als eigene Disziplin etabliert wurde.
Die Jury hob in der Begründung einzelne Werke von Günter Grass hervor. Zunächst wurde der Debütroman „Die Blechtrommel“ gerühmt. Mit diesem Werk habe Grass der deutschen Literatur nach Jahrzehnten „sprachlicher und moralischer Zerstörung“ einen „Neuanfang“ ermöglicht.
Er habe das „Verleugnete und Vergessene heraufbeschworen“, die „Opfer, die Verlierer und die Lügen, die das Volk vergessen wollte, weil es einmal daran geglaubt hatte“.
In einem weiteren Absatz der Jurybegründung wird Günter Grass mit einem großen Lübecker verglichen: „Durch seine Macht über die deutsche Syntax und die Bereitschaft, ihre labyrinthischen Feinheiten zu nutzen, erinnert er an Thomas Mann. Sein schriftstellerisches Werk ist ein Dialog mit dem großen Erbe deutscher Bildung, der mit sehr strenger Liebe geführt wird.“
Jörg-Philipp Thomsa, der akribisch recherchiert hatte, erhielt für seinen anschaulichen, lebendigen und informativen Vortrag, mit dem an das 10-jährige Nobelpreis-Jubiläum des Schriftstellers erinnert wurde, sehr viel Beifall."

Lutz Gallinat

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