Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren. Klicken Sie hier für weitere Informationen.
Hier klicken, um diese Nachricht nicht mehr anzuzeigen.



Agentur für Arbeit Lübeck

Kultur Wissenschaft Ausbildung

Das Märchen von der "Schaukel am Himmel"

25. Dezember 2009 (HL-Red.) Immer wieder Weihnacht, immer wieder auch der Gedanke, "meine" kleine Weihnachtsgeschichte zu erzählen, dann auch, dies nicht erneut zu tun. Neue Geschichten wie zur Weihnacht werden wach und warten darauf, endlich berichtet zu werden. So vom Tannenbaum Nr.0058 oder der schon lange blühenden Pflanze, die den ganzen Sommer begleitet hat und nun - ausgerechnet zur Weihnacht - im "Müll" landete. Die Tannenbaumkugel, die als Erste und mit anderen Gefährten vielleicht fürchtete, nie zu Weihnachten im Kerzenschein des Weihnachtsbaumes besonders zu leuchten. Hoffnungslos? Oder die Christrose, die die Kälte liebt, und beinahe auf der Fensterbank der zu warmen Küche als Gruß, Schmuck und Trost zur Adventszeit den Platz auf dem Grab einer lieben Entschlafenen nicht mehr zu finden drohte.

Aber die Geschichte von der "Himmelsschaukel" soll wieder - vielleicht schon "traditionell" daran erinnern, dass Weihnachten nicht nur Fröhlichkeit bedeutet - ganz abgesehen von der guten Nachricht der Liebe, der Hoffnung und des Trostes "Weihnacht". Es soll vielmehr zeigen, dass gerade Weihnacht Menschen spüren lässt, dass sie sich nicht nur "auf der Sonnenseite" des Lebens befinden. Gerade dazu aber vermittelt das Licht der Weihnacht, dass das Leben auf dieser Erde nur eine "Station" ist. Eine Station im Wartesaal des Seins, aus dem wir eines Tages heraus gerufen werden, um das Ziel zu erreichen, des wir würdig sind. Und nichts, aber auch gar nichts mitnehmen können aus diesem Leben - außer der Hoffnung, dass uns Gerechtigkeit widerfährt. Das allerdings mag nicht allseits eine gute Hoffnung sein, wenn auch im Bereuen "Verzeihen" verkündet ist.

Mögen Sie also, liebe Gäste in Lübeck-TeaTime, noch einmal von dem Bub lesen, der auf der funkensprühenden Sternschnuppe nicht nur sein karges Leben auf der Erde vergessen, sondern auch zum treuen Begleiter des Sterns von Bethlehem werden sollte. Eine "Geschichte", die mir geschenkt wurde, als ich irgendwann des Nachts verstand, warum immer wieder Sternschnuppen den Himmel durcheilen:

Das Märchen von der Schaukel am Himmel
Von Reinhard Bartsch
Einst, als man nicht nur in der Weihnachtszeit all' die vielen Sterne am Himmel glitzern und glänzen sehen konnte, die Sonne jeden Tag ihren Lauf in glutroter Farbenpracht frühmorgens begann und sich abends in betörendem Farbenspiel zur Ruhe begab, war es für einen kleinen Jungen die größte Freude, den Himmel zu bestaunen. Das teilte er mit vielen anderen Kindern, aber es faszinierte ihn besonders des Nachts, wenn sich Sternschnuppen funkensprühend einen Weg durch das Silber der Sterne als Himmelsboten bahnten.

Dabei glaubte er, seine Mama schliefe einen tiefen, tiefen Schlaf. Tatsächlich aber hatte sie das längst bemerkt, und wenn sie ihn dabei durch den Türspalt seines Zimmerchens beobachtete, ging ein Lächeln über ihr Gesicht und fand Verständnis für sein heimliches Glück. Denn eines unterschied ihren Jungen von den meisten anderer Kinder: Er war sehr krank, dass keine noch so gute Medizin der Welt ihn zu heilen vermochte. Nicht ein Fünkchen Hoffnung war gegeben, wieder so gesund zu werden, um mit all den anderen draußen fröhlich herumzutollen. Das wusste nicht nur seine unendlich besorgte Mutter, sondern er auch selbst. Dabei ging der Junge sehr tapfer damit um, und sie machte ihm jede Freude, die ihr nur möglich war.

Am Tage, wenn die Sonne hell am blauen Himmel lachte, saß er am Fenster seines kleinen Zimmers und schaute hinaus. Die warmen Sonnenstrahlen lachten ihm zu, und er erfreute sich mit großen Augen an den blühenden Büschen , den bunten Blumen und den zwitschernden Vögelchen vor dem Haus. Er vergnügte sich selbst am Spiel der schaukelnden Kinder auf der nahen Wiese: Hei, ho, auf und ab, und hin und her!

Er fragte seine Mutter schon lange nicht mehr, warum, und gerade er, am Spiel der anderen draußen nur noch zusehen konnte. Sie grämte sich im stillen, auch wenn sie immer wieder tröstete, dass sich eines Tages alles zum Guten wenden werde. "Warte nur und hab' Geduld. Der liebe Gott, der weiß um dich und lässt dich eines Tages wieder auf die herrlich bunte Wiese. Dann kannst du schaukeln, schaukeln nach Herzenslust - so lange, wie du es nur willst!", versprach sie immer aufs neue, auch wenn sie dabei in ihrem schmerzenden Herzen sehr, sehr traurig war.

Der Junge aber ließ es sich nicht anmerken, dass er es viel, viel besser wusste. Er war es eigentlich, der die Kraft gab, nicht zu verzweifeln, sondern sogar Mut zu schöpfen, dass er auf wundersame Weise gesunden könnte: "Auch wenn der liebe Gott dort droben noch so fern ist -er sieht auf mich herab und hat mich lieb!"

Eines grauen Tages aber, der Himmel hatte sich verhangen, erbarmte sich der Allmächtige. Er holte das Kindlein zu sich und schenkte ihm den ganzen Himmel: "Deine Sehnsucht, mit der Schaukel fröhlich durch die Luft zu schwingen, soll wirklich werden auch für dich. Denn ich habe ich ein Geschenk für dich, das viel, viel länger währt, als nur das Lebenslicht des Menschen: Du sollst mit den Sternschnuppen des Nachts das Universum bis in die Unendlichkeit voller Freude durcheilen. Wenn denn eines den Himmel durcheilt hat, springst Du einfach auf die nächste. Und zur Weihnachtszeit sollst du den Stern von Bethlehem begleiten, damit den Weg er immer findet, und es endlich Frieden wird auf Erden!"

Der Mutter drunten, der vor Kummer fast das Herz zerbrochen war, ließ Er im Traum die Glückseligkeit ihres Kindes miterleben: Auf den Sternschnuppen, die von Stund' an des Nachts funkensprühend von einer Seite des Himmels zur anderen sausten. Gar so, als schaukelte es schwungvoll von einem Stern zum anderen:
Hei, ho, und auf und ab, und hin und her!

Nun wusste sie, dass alles Leid auf Erden für ihren Buben zu Ende war, für ihr Kind, das jauchzend, die Arme ausgebreitet, durch den Himmel sauste - bis zu dem Augenblick, da Gott ihr gnädig war, und es sie oben über dem Firmament endlich an sein fröhliches Herzchen drücken durfte: Hei, ho, und auf und ab, und hin und her!"

Ein frohes, glückliches Weihnachtsfest wünscht Ihnen von Herzen,
Ihr
Reinhard Bartsch
Herausgeber Lübeck-TeaTime

Impressum