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Dienstagsvortrag in der Gemeinnützigen

19. Dezember 2009 (HL-Red.)Am 22. Dezember 2009 um 19.30 Uhr findet der nächste Dienstagsvortrag in der Gemeinnützigen, Königstraße 5, statt. Der Historiker Dr. Peter Guttkuhn spricht zum Thema "Lübecks jüdische Juristen entkamen dem Holocaust": ..."Am Sonnabend, dem 2. September 1939, erhielt ich" – so berichtete der 46-jährige jüdische ehemalige Rechtsanwalt und Notar Ludolf Häusler – "wenige Minuten vor 13 Uhr die (Auslands-)Reisepässe für meine Frau und mich. Sofort rief ich von unserer Wohnung, Lübeck, Wakenitzstraße Nr. 8 aus das Königlich Schwedische Generalkonsulat in Hamburg an, das offiziell schon geschlossen war. Jedoch erklärte sich einer der Attachés bereit, bis 15.15 Uhr auf mich zu warten. Weil ich aber in Hamburg nicht sogleich ein Taxi bekommen konnte – die meisten Taxen waren an diesem Nachmittag bereits für die Wehrmacht requiriert worden –, kam ich am Generalkonsulat erst an, als der Diplomat zu gehen im Begriff war... Gegen 18. Uhr traf ich wieder in Lübeck ein, und kaum drei Stunden später saßen wir im Zug, der uns in ein freies Land bringen sollte"...

Am 2. September 1939 also, gegen 21 Uhr, verließ das Ehepaar Häusler nach kaum dreistündigen hastigen Reisevorbereitungen die Hansestadt Lübeck für immer. In ständiger Angst, es könne der Krieg ihre Ausreise noch verhindern. Ihre beiden Kinder hatten sie bereits in Sicherheit gebracht. Den gesamten Hausrat mussten sie zurücklassen. Von den ehemals fünf Lübecker jüdischen Rechtsanwälten und Notaren war Häusler der letzte, der aus seiner Heimatstadt emigrierte. "Wir führten bei unserer Abreise nach Uppsala nicht mehr mit uns, als in zwei mittelgroßen Handkoffern Platz fand. Mehr mitzunehmen war allein deswegen unmöglich, weil auch die meisten Lübecker Taxen am Abend des 2. September bereits für das Heer beschlagnahmt worden waren. Überdies hatten wir jedes einzelne Teil, das sich im Koffer befand, in eine Maschine geschriebene Liste in dreifacher Ausfertigung einzutragen. Ich fand nicht einmal Zeit, mich von meiner 85-jährigen Mutter zu verabschieden, die nach ihrer Deportation am 22. 09. 1942 in Theresienstadt verstarb". "

Quelle: HL-live



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