Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren. Klicken Sie hier für weitere Informationen.
Hier klicken, um diese Nachricht nicht mehr anzuzeigen.



Agentur für Arbeit Lübeck

Kultur Wissenschaft Ausbildung

Fotoausstellung "Istanbul-Metropole zwischen Welten und Zeiten"

17. Dezember 2009 (HL-Red.) Am 3.Dezember 2009 wurde im sehr besuchten Lübecker Geschäft "Betten Struve" nach einführenden Worten des Eigentümers Leif Ginap eine faszinierende Fotoausstellung Thomas Radbruchs eröffnet. Lutz Gallinat war dabei und schreibt dazu: "Ihr Titel lautet "Istanbul" -"Eine Metropole zwischen Welten und Zeiten." Thomas Radbruch zeigt in seiner Gesamtschau die vielen Facetten und Nuancen der Weltstadt auf. Er verbindet in seinen Schnappschüssen virtuos Idyllik und Technik, Historizität und Modernität. Vergänglichkeitsbewusstsein, aber auch ein starker Überlebenswille der Metropole am Bosporus kommen in den pittoresken Aufnahmen zum Ausdruck.

Der Künstler offenbart die Tiefendimensionen Istanbuls. Er präsentiert ländliche Idyllen, die aber kontrastreich durch die Umweltverschmutzung bedroht sind. Multiperspektivität und Hell-Dunkel-Gegensätze machen den Reiz der intensiven Fokussierung aus. Partiell wird das Flair der Weltstadt mit gekonnten Lichteffekten ins Märchenhafte verwandelt. Manieriert-stilisiert treffen die traditionelle Religion und die gegenwärtige Zeit aufeinander. Radbruch erzielt teilweise auch fast schon im Übergang zur Malerei eine nahezu magische, aber bisweilen auch folkloristische Wirkung.

Jan Bovensiepen hatte bei dieser Soiree die erhellenden Worte Thomas Radbruchs, der von dem Optiker Walter Hermann, Colibri, interviewt wurde, mit einer Lesung aus dem 2006 bei Carl Hanser München erschienenen Buch "Istanbul" -"Erinnerungen an eine Stadt", aus dem Türkischen von Gerhard Meier, begleitet.
Der wohl berühmteste türkische Autor der Gegenwart verbindet in seinem neuen Buch die Geschichte der sagenumwobenen Stadt, die von Jugend an seine Phantasie angeregt hat, mit Schilderungen von Menschen und Orten. Er beschreibt eindringlich die verfallenen Monumente, die von einstiger Größe zeugen, die verwunschenen Villen und verwilderten Gärten, die melancholischen Gassen und die belebten Wasserstraßen des Bosporus und des Goldenen Horns. Istanbul ist aber auch die Geschichte einer Kindheit. Der junge Orhan durchstreift erst an der Hand seiner Mutter oder im Dodge des Onkels, dann auf eigene Faust die Stadt, der er von Anfang an verfallen ist. Die Großfamilie lebt noch wie in osmanischen Zeiten unter einem Dach in den "Pamuk Apartman", während das erebte Vermögen Vater und Onkel zerrinnt. Der Niedergang der einst so großartigen kosmopolitischen Stadt spiegelt sich in gewisser Weise in der allmählichen Auflösung von Pamuks Familie, und die Melancholie ist daher für den Schriftsteller die Eigenschaft, die ihn so wie alle Bewohner Istanbuls am meisten charakterisiert.
Orhan Pamuks Romane haben ihn in aller Welt berühmt gemacht, aber vielleicht wird er am längsten wegen dieses Buches in Erinnerung bleiben. In "Istanbul" hat er der Stadt seines Herzens ein Denkmal gesetzt.
Orhan Pamuk, 1952 in Istanbul geboren, studierte Architektur und Journalismus und lebte mehrere Jahre in New York. Für seine Romane erhielt er 1990 den Independent Foreign Fiction Award, 1991 den Prix de la decouverte europeenne, 2003 den Impac-Preis, 2005 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und den Ricarda-Huch-Preis und 2006 den Nobelpreis. Auf deutsch erschienen die Romane "Das schwarze Buch" (1995), "Das neue Leben" (1998), "Rot ist mein Name" (2001), "Schnee" (2005), "Die weiße Festung" (Neuausgabe 2005) und der Essayband "Der Blick aus meinem Fenster" (2006).
Orhan Pamuk lebt in Istanbul.
Jan Bovensiepen las sehr einfühlsam, nuanciert und engagiert.
Beide Akteure wurden schließlich mit sehr viel Beifall bedacht.
Die Ausstellung dauert noch bis zum Jahresende."

Lutz Gallinat

Impressum