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Dr. Peter Guttkuhn: Eine neue Synagoge für Moisling

13. Dezember 2009 (HL-Red.) Auch heute setzen wir in Lübeck-TeaTime die Vorstellung der Publikationen des Lübecker Privatgelehrten und Historikers Dr. phil. Peter Guttkuhn (Foto Reinhard Bartsch) in der Reihe "Sonntags-Beiträge" fort mit:
"Eine neue Synagoge für Moisling"
Die alte Synagoge, ein einfacher, niedriger und längst schon zu kleiner Fachwerkbau, für den die jüdische Gemeinde der Lübecker Stadtkasse eine Jahresmiete von 60 Courantmark (CtM) zu zahlen hatte, war seit langem baufällig. In einer Eingabe an den Senat beklagten die Gemeindeältesten besonders, „daß das Gebäude ganz undicht ist, den Regen durchläßt, die versammelte Gemeinde der unerträglichen Zugluft bloßstellt, ja, während des Gottesdienstes dieselbe mit der Sorge des Einsturzes beunruhigt. Überhaupt ist die Synagoge auch so klein und von so unwürdiger innerer und äußerer Gestalt".

Baudeputation und Senat faßten eine Reparatur des maroden Altbaus ins Auge. Die jedoch ließ sich auf Grund mehrerer negativer Gutachten des Lübecker Stadtbaumeisters Heinrich Nikolaus Börm (1780-1831) weder bautechnisch noch finanziell realisieren oder verantworten.
In dieser Situation boten die Ältesten für den Fall eines massiven Neubaus eine um CtM 100.- höhere Jahresmiete an. So entschied sich der Senat am 9. Juli 1825 für den Neubau einer Synagoge in Moisling,

„da die auch gegen eine fremde Religion nicht zu verletzende Achtung erfordere, daß das zu ihrem Gottesdienste zu errichtende Gebäude ein würdiges Äußere erhalte, die Ausführung des Antrages der Ältesten, bey der dem Staate schon im Allgemeinen obliegenden Verpflichtung auch den der israelitischen Gemeinde bey ihrer Versetzung nach Moisling ertheilten Zusicherungen entsprochen werde, und da endlich in diesem Falle die von der Gemeinde für eine neuerbaute Synagoge anerbotnermaaßen zu zahlende jährliche Miethe von 160 CtM noch zu erhöhen seyn dürfte".

Die neue Synagoge entstand - 100 Jahre nach Errichtung der ersten, Wedderkopschen - nach den Plänen von Börm und an der Stelle der alten: freistehend, inmitten des Dorfes, Haus Nr. 66, direkt am Dorfteich, ein repräsentativer verputzter Ziegelbau auf einem Areal von 508 m².

Sie hatte nichts spezifisch oder gar typisch Jüdisches, war ein zeitgenössischer, moderner Sakralbau, das größte, bedeutendste und schönste Gebäude in Moisling. Und sie war und blieb nicht nur für die religiöse, sondern traditionell auch für die soziopolitische und -kulturelle Moislinger jüdische Gemeinde die zentrale Institution und der gesellschaftliche Sammel- und Mittelpunkt.

Dr. phil. Peter Guttkuhn


Lübeck-TeaTime bedankt sich bei Dr. Peter Guttkuhn für die freundliche Bereitstellung auch dieses Beitrages.


Dr. Peter Guttkuhn:
Der Wissenschaftler forscht seit Jahren zur deutsch-jüdischen Geschichte der Hansestadt. Auf nationaler und internationaler Ebene hat er nahezu 190 Titel zu diesem Forschungsgebiet publiziert. Seine Vorträge im In- und Ausland sind sehr gefragt und tragen in erheblichem Maß zur Aufarbeitung der Geschehnisse in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland bei.

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