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Gründung vor 28 Jahren - gefeiert nun der 250. Lit. Frühschoppen

06. Dezember 2009 (HL-Red.) Lutz Gallinat berichtet: "Ein beachtliches Jubiläum konnte der "Lübecker Autorenkreis und seine Freunde e.V." am letzten Sonntag begehen. Beim 250."Literarischen Frühschoppen" lasen in der reichlich gefüllten historischen Lübecker Gaststätte "Im alten Zolln" nach einführenden Worten des 1.Vorsitzenden Klaus Rainer Goll sieben Autorinnen und sechs Autoren aus ihren Werken.

Klaus Rainer Goll, der Gründer des Vereins, wies in seiner Begrüßungsrede darauf hin, dass auf den Tag genau vor 28 Jahren, den 29.November 1981, der erste "Literarische Frühschoppen" im "Alten Zolln" stattfand. Ein Jahr vorher bereits, Ende September 1980, begann die Geschichte des "Literarischen Frühschoppens" im Cafe Maret am Markt: eine Erfolgsgeschichte bis auf den heutigen Tag. Klaus Rainer Goll, der nunmehr 250 mal die Veranstaltung organisiert und moderiert hat, betonte, dass der "Alte Zolln" zu einer "Kultstätte der Literatur" geworden sei. Mehrere hundert Autorinnen und Autoren hätten dort aus ihren Werken gelesen, u.a. ostdeutsche, polnische, tschechische, slowakische und russische Autoren. Der Kontakt zu den Nachbarn habe der literarischen Vereinigung stets am Herzen gelegen. So seien Partnerschaftsverträge mit den Schriftstellerverbänden in Warschau und Stettin geschlossen worden. Der "Literarische Frühschoppen" solle auch ein Forum für Texte und Lieder der Mitglieder des " Lübecker Autorenkreises" sein.
Die Lübecker Kultursenatorin Annette Borns entrichtete die Glückwünsche der Bürgerschaft und des Bürgermeisters. Sie dankte Klaus Rainer Goll für sein literarisches Engagement in der lebendigen Kulturstadt Lübeck.Die Lesungen zeigten, dass Sprache Kommunikation sei, man könne sehen und fühlen, was Sprache für die Menschen bedeute. Der "Lübecker Autorenkreis" sei deshalb auch eine soziale Einrichtung. Die Literatur ereigne sich aber nicht nur in Lübeck, sondern werde auch mit der Welt geteilt. Der Blick solle auch in die Zukunft gerichtet werden.
Bei dieser würdevollen Soiree präsentierten Leonide Baum (Gadebusch), Klaus Rainer Goll (Lübeck), Jürgen Haese (Lübeck), Brigitte Halenta (Lübeck), Volkert Ipsen (Lübeck), Andrea Jeska (Rondeshagen), Elisabeth Melzer-Geissler (Horst), Regine Mönkemeier (Lübeck), Jozef Pless (Warschau), HannaH Rau (Lübeck), Romy Salvagno (Pohnsdorf) und Jürgen Schwalm (Lübeck) eigene Lyrik und Prosa. Als Gastautor präsentierte Romuald Mieczkowski (Vilnius/Warschau) eigene originelle Lyrik mit kühner Metaphorik. Seine Gedichte enthalten viele positive Emotionen und partiell auch bizarre, skurrile und groteske Elemente. Die teilweise polnisch vorgetragene Lyrik von Jozef Pless wurde dabei von der polnischen Schauspielerin Joanna Kasperske adäquat ins Engliche , die polnische Lyrik Romuald Mieczkowskis von Bernard Jundo ins Deutsche übersetzt. Für die musikalische Umrahmung sorgte der Liedermacher Volkert Ipsen mit spritzigen, gefühlvollen hoch- und niederdeutschen Texten zur Gitarre.
Alle Akteure wurden schließlich für die bunte literarische Palette auf diesem äußerst gelungenen 250. "Literarischen Frühschoppen" mit lang anhaltendem Beifall bedacht.
Lutz Gallinat


Es war eine reizvolle Soiree. Am letzten Dienstag sprach Vera Bischitzky, Berlin, im Großen Saal des Gesellschaftshauses der Lübecker "Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit" nach einführenden Worten Klaus Rainer Golls über das Thema "Wie ich von Wolf Biermann das Selberdenken lernte...".
Wolf Biermann wurde am 15.11.1936 in Hamburg geboren. Der aus einer kommunistischen Arbeiterfamilie stammende Biermann- sein Vater wurde 1943 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet- siedelte 1953 in die DDR um und studierte bis 1963 an der Berliner Humboldt-Universität Politische Ökonomie, Philosophie und Mathematik, unterbrochen von einer Tätigkeit als Regieassistent am Berliner Ensemble (1957-59). Die Begegnung mit dem Komponisten Hanns Eisler wurde von entscheidender Bedeutung für seine Entwicklung als Komponist. Sein Liedschaffen, das 1960 einsetzte, brachte ihn früh in Konflikt mit der SED, wobei 1963 mit Parteiausschluss erfolgte; 1965 erhielt er nach der Veröffentlichung seines ersten Gedicht- und Liederbandes im Westen Auftrittsverbot. 1976 nutzte die DDR-Regierung eine Tournee in der Bundesrepublik, um Biermann "wegen feindseligen Auftretens auszubürgern. Proteste gegen die Ausbürgerung führten in der DDR zu Maßregelungen, Parteiausschlüssen und einer Ausreisewelle von Künstlern und Schriftstellern. Erst am 1. und 2.Dezember 1989 durfte Biermann wieder in der DDR auftreten. Er lebt in Hamburg und Frankreich. Zu den Vorbildern und Anregern des "Liedermachers" und Lyrikers Biermann gehören der Chansondichter Jean Pierre de Beranger, Heine, Brecht und vor allem der spätmittelalterliche Balladendichter Francois Villon, den er auch zum Thema einer seiner Balladen machte. Heine erwies er seine Reverenz in den deutsch-deutschen "Wintermärchen"-Variationen. Biermanns Texte verbinden von Anfang an effektvoll das scheinbar nur Private mit dem POlitischen, Sinnlichkeit und Dialektik, unmissverständliche Direktheit und Zartheit. Neben der fortschreitenden Kritik an der muffigen Republik und ihren "Betonköpfen", dem Missverhältnis zwischen utopischem Anspruch und Alltagspraxis in der DDR, steht stets die Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus und dem alten und neuen Faschismus. Nach Anpassungsschwierigkeiten in der BRD- dazu trug nicht zuletzt das Fehlen jeglicher Widerstände bei- gewann er dem Gegensatz von Öffentlichkeit und Privatheit neue Themen und eine kunstvolle Einfachheit der lyrischen Sprache ab. Sein Stück "Dra-Dra", eine politische Parabel, lehnt sich an die 1943 entstandene Märchenkomödie "Der Drache" von Jewgenij Schwarz an.
Vera Bischitzky arbeitet als freie Autorin und Übersetzerin. Sie übersetzte u.a. Werke Tschechows und "Die toten Seelen" von Gogol ins Deutsche. Sie spiegelte in ihrem auch aufgrund der vielen Zitate anschaulichen und lebendigen Vortrag die eigenen Erlebnisse in der ehemaligen DDR im Opus Biermanns und erhellte den Zusammenhang zwischen dessen politischen Erfahrungen und seinem Werk.
Der Vortrag löste eine rege Diskussion aus. Die Referentin erhielt bei dieser Gemeinschaftsveranstaltung mit dem "Lübecker Autorenkreis und seine Freunde e.V." lang anhaltenden Beifall."

Lutz Gallinat

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